Heiden

Forschungsprojekt | Zebrastreifen 2.0

Was als Pilotprojekt in Heiden begann, sorgt inzwischen bundesweit für Aufmerksamkeit: Gemeinsam mit dem Gescheraner Unternehmen Blömen Verkehrs- und Sicherheitstechnik hat die Gemeinde Heiden den ersten LED-Zebrastreifen Deutschlands installiert. Er soll insbesondere in den Abend- und Nachtstunden für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen. Mittlerweile sind in der Gemeinde schon zwei Anlagen in Betrieb, eine dritte ist im Bau und ein weiterer Standort in Planung – und sogar die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen beschäftigt sich inzwischen wissenschaftlich mit der Technologie aus Heiden.

Anzeige

„Als Benno Blömen 2024 auf uns zukam, hatten wir nicht erwartet, welche Wellen das Projekt einmal schlagen würde“, blickt Christian Richters, Amtsleiter des Ordnungsamtes der Gemeinde Heiden, zurück. Blömen Verkehrs- und Sicherheitstechnik suchte damals eine Kommune, die bereit war, die LED-Zebrastreifen-Technik unter realen Bedingungen zu testen. Heiden sagte zu und übernahm die verkehrsrechtliche Begleitung des Projekts. Innerhalb kurzer Zeit konnte der erste Prototyp an der Velener Straße installiert werden. „Ich bin seit 27 Jahren im Ordnungsamt tätig. Verkehrssicherheit war immer ein Thema, aber sie rückt heute stärker in den Fokus als je zuvor“, erklärt Richters. Besonders an stark frequentierten Knotenpunkten suche die Gemeinde nach Möglichkeiten, Schulwege und Querungen insbesondere für Schülerinnen und Schüler sicherer zu gestalten. 

Hinter dem LED-Zebrastreifen steckt eine Technik mit Infrarot- und Lichtschranken. Auf beiden Seiten des Überwegs erfassen Sensoren, wenn sich Fußgänger dem Zebrastreifen nähern. Sobald die Lichtschranke ausgelöst wird, beginnt die Anlage zu reagieren. LED-Leuchten blinken an den Pfosten links und rechts des Zebrastreifens, gleichzeitig wird ein Laserteppich auf den Boden projiziert, der die Schuhe anleuchtet. „Autofahrer können Fußgänger dadurch wesentlich besser wahrnehmen“, erklärt Richters. Die Anlage erfasst zudem Verkehrsdaten und liefert so Informationen über Fahrzeugbewegungen und Geschwindigkeiten. Das Ergebnis: Die Fahrzeuge fahren an den LED-Zebrastreifen deutlich langsamer. „Das Projekt in Heiden hat für uns eine besondere Bedeutung, weil es zeigt, wie moderne Verkehrssicherheit heute funktionieren kann: sichtbar, intelligent und präventiv. Dass wir dieses Pilotprojekt gemeinsam mit der Gemeinde Heiden umsetzen konnten, macht uns stolz und zeigt, dass innovative Lösungen auch im kommunalen Bereich möglich und sinnvoll sind“, ergänzt Benno Blömen, Geschäftsführer von Blömen Verkehrs- und Sicherheitstechnik.

Die RWTH Aachen will die LED-Zebrastreifen im Rahmen des Forschungsprojekts „Max­Safety“ nun weiterentwickeln. Dabei soll Künstliche Intelligenz (KI) helfen, Fußgänger noch früher zu erkennen. KI-unterstützte Wärmebild- und RGB-Kameras analysieren Bewegungsmuster und sollen künftig bereits vor dem Betreten des Überwegs erkennen, ob eine Person die Straße überqueren möchte. Das Warnsignal für Autofahrer soll dadurch früher ausgelöst werden. „Im Straßenverkehr zählt jede Sekunde“, betont Richters. „Wenn Autofahrer früher gewarnt werden, erhöht das die Sicherheit zusätzlich.“

Für die Gemeinde entstehen durch die Forschungskooperation keine Kosten. Die RWTH Aachen finanziert die Entwicklung über Fördermittel von der EU und dem Land NRW und bringt ihre wissenschaftliche Expertise ein. Heiden stellt im Gegenzug Daten, Erfahrungswerte und die Teststandorte zur Verfügung.

Das Interesse an den Heidener Erfahrungen wächst. Immer häufiger melden sich Kommunen aus ganz Deutschland, um sich über die Technik zu informieren. Für Richters zeigt das Projekt, dass auch kleinere Kommunen Innovationen vorantreiben können: „Wir haben vielleicht nicht die größten Budgets, aber wir können pragmatische Lösungen entwickeln und schnell Entscheidungen treffen.“

Auch Blömen freut sich: „Das Pilotprojekt in Heiden hat für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Inzwischen haben wir bereits zahlreiche weitere LED-Zebrastreifen installiert und sammeln dabei sehr positive Erfahrungen im täglichen Einsatz. Unser Ziel ist es, das System Schritt für Schritt weiter im Markt zu etablieren, insbesondere an sensiblen Bereichen wie Schulen, Kindergärten, Seniorenheimen oder stark frequentierten Querungen.“

Erstellt von Anja Wittenberg
 

Artikel teilen