Herr Görlitz, Bürgermeister sind oft Krisenmanager, Vermittler und Zukunftsplaner zugleich. Welche dieser Rollen fordert Sie aktuell in Dissen aTW am stärksten?
Alle drei Rollen gehören zum Bürgermeisteramt dazu. Aktuell steht für mich jedoch die Rolle des Zukunftsplaners besonders im Mittelpunkt. Die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen verändern sich spürbar. Deshalb müssen wir heute die richtigen Entscheidungen treffen, damit Dissen aTW auch morgen ein attraktiver Wohn-, Arbeits- und Wirtschaftsstandort bleibt. Gleichzeitig bedeutet Zukunftsplanung immer auch Vermittlung: zwischen den Interessen von Unternehmen, Bürgerinnen und Bürgern, Politik und Verwaltung. Mein Anspruch ist es, Entwicklungen aktiv zu gestalten und dabei möglichst viele Menschen mitzunehmen.
Wie bewerten Sie die aktuelle wirtschaftliche Lage am Standort?
Dissen ist wirtschaftlich breit und solide aufgestellt. Besonders prägend sind die Ernährungswirtschaft, die Logistikbranche sowie zahlreiche leistungsfähige mittelständische Unternehmen und Handwerksbetriebe. Auch unsere Unternehmen stehen vor Herausforderungen wie dem Fachkräftemangel, steigenden Kosten und den allgemeinen wirtschaftlichen Unsicherheiten. Gleichzeitig zeigt sich aber, dass der Standort von seiner Branchenvielfalt, seiner Innovationskraft und seiner guten Verkehrsanbindung profitiert. Die Nähe zu den Wirtschaftsräumen Osnabrück, Münster und Ostwestfalen sowie die Anbindung an die A 33 sind wichtige Standortvorteile. Insgesamt sehe ich Dissen aTW deshalb trotz der aktuellen Herausforderungen gut aufgestellt.
Mit welchen Herausforderungen beschäftigen sich die Unternehmen zurzeit am meisten?
Das dominierende Thema bleibt der Fachkräfte- und Arbeitskräftemangel. Viele Unternehmen suchen händeringend nach qualifizierten Mitarbeitenden. Hinzu kommen steigende Energie- und Betriebskosten, bürokratische Anforderungen sowie die Herausforderungen der Digitalisierung und Transformation. Gerade mittelständische Unternehmen müssen gleichzeitig ihr Tagesgeschäft sichern und sich auf neue Marktbedingungen einstellen.
Wie können Sie dabei von Seiten der Stadt helfen?
Die Stadt kann keine Fachkräfte ausbilden oder Marktbedingungen verändern. Aber wir können gute Rahmenbedingungen schaffen. Dazu gehören eine leistungsfähige Infrastruktur, schnelle und verlässliche Verwaltungsabläufe, attraktive Wohnangebote, gute Kinderbetreuung sowie eine hohe Lebensqualität. Unternehmen benötigen ein Umfeld, in dem Menschen gerne leben und arbeiten. Genau daran arbeiten wir kontinuierlich. Außerdem setzen wir auf einen engen Austausch mit den Unternehmen, um Bedarfe frühzeitig zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Dissen aTW feiert in diesem Jahr 75 Jahre Stadtrechte. Dazu wird es auch ein Jubiläumsprogramm geben. Worauf dürfen sich die Bürgerinnen und Bürger freuen?
75 Jahre Stadtrechte sind ein besonderer Anlass, um auf das Erreichte zurückzublicken und gleichzeitig den Blick nach vorne zu richten. Das Jubiläumsjahr soll die Geschichte unserer Stadt würdigen und das starke Gemeinschaftsgefühl in Dissen aTW sichtbar machen. Den Festakt am 7. November 2026 begehen wir in Kombination mit unserer traditionellen Dissener Brotzeit, bei der alle zwei Jahre Bürgerinnen und Bürger für ihr besonderes Engagement ausgezeichnet werden. Die Veranstaltung wird durch ein historisches Element ergänzt, das die Umstände der Verleihung der Stadtrechte beleuchtet, sowie durch ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm – auch mit musikalischen Beiträgen. Außerdem gibt es noch ein ganz besonderes Highlight.
Welches?
Eine Videoinstallation, die in den Wochen vor dem Festakt im Rathaus und im Hallenbad sowie am Festabend selbst gezeigt wird. Darin kommen Dissener Unternehmerinnen und Unternehmer, Vereinsvertreter sowie Bürgerinnen und Bürger zu Wort und beantworten die Frage, was Dissen aTW für sie besonders macht.
Lassen Sie uns nochmal ein bisschen weiter in die Zukunft schauen. Ein lang gehegter Wunsch ist die Ansiedlung eines Hotels in Dissen aTW. Wie ist der Status quo?
Ein Hotel würde den Standort in vielerlei Hinsicht stärken. Unsere Unternehmen empfangen regelmäßig Geschäftspartner, Kunden und Gäste. Auch für Besucherinnen und Besucher sowie touristische Angebote wäre ein Hotel eine wichtige Ergänzung. Darüber hinaus würde ein entsprechendes Angebot die Attraktivität unserer Stadt und des Wirtschaftsstandortes insgesamt erhöhen. Die Stadt steht hierzu immer wieder in Gesprächen mit potenziellen Investoren. Solche Projekte benötigen allerdings wirtschaftlich tragfähige Konzepte und passende Rahmenbedingungen. Deshalb ist Geduld erforderlich. Das Interesse an einer Hotelansiedlung besteht unverändert.
Mal angenommen, wir treffen uns zum 100-jährigen Jubiläum der Stadtrechte wieder. Was würden Sie sich wünschen, was Menschen dann über Dissen aTW
sagen?
Ich wünsche mir, dass die Menschen dann sagen: Dissen am Teutoburger Wald hat seine Stärken bewahrt und gleichzeitig den Mut gehabt, sich weiterzuentwickeln. Dass Dissen aTW eine lebenswerte Stadt geblieben ist, in der Menschen gerne wohnen, arbeiten und ihre Freizeit verbringen. Eine Stadt mit einer starken Wirtschaft, lebendigen Vereinen, guten Bildungsangeboten und einem ausgeprägten Gemeinschaftsgefühl. Kurz gesagt: eine Stadt, die ihre Chancen genutzt hat, ohne ihre Identität zu verlieren.
Fragen:
Das Interview führte Anja Wittenberg