Kawentsmann | Analoger und digitaler Mix

Ein Tisch stand am Anfang. Sechs Meter lang, ein Mix aus Holz und Stahlgestell, wuchtig. Eben ein richtiger „Kaventsmann“. Mit dem noch privaten Tischlerei-Projekt war die Vorlage für den Namen des gleichnamigen Unternehmens geboren, das heute von den Mitgründern Max Bayer-Eynck und Daniel Heitmann sowie Digital-Geschäftsführer Robin Antunovic geleitet wird und einen ungewöhnlichen Ansatz verfolgt. Das Trio verknüpft nämlich drei Geschäftsbereiche – Objekt- und Ladenbau für gewerbliche und private Kunden, E-Commerce und Gastronomie – und schafft Berührungspunkte, wo man eigentlich keine erwartet. Und das dient auch dem eigenen Marketing-Ansatz. 

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Im Kern geht es bei Kawentsmann um echtes Handwerk, aber nicht nur darum, ein paar Möbel zu bauen. „Es sollte von Beginn an mehr daraus entstehen“, beschreibt Antunovic die Entwicklung. Mitte Juli sitzt er an einem Tisch in einem Café an Münsters Spiekerhof und schaut in den Laden, wo an diesem heißen Sommertag Menschen sitzen und sich entspannen. Das „Kawentsmanns Café und Tagesbar“ ist seit Herbst 2025 der verlängerte Showroom des Unternehmens. Hier stammt praktisch alles aus den Händen des Kawentsmann-Teams. An den Wänden stehen Regale mit Wohnaccessoires, die andeuten, dass neben Kaffee und Kuchen auch andere Dinge zu haben sind. „Wobei unsere Gäste hier nicht in einem Verkaufsraum sitzen“, betont Antunovic. Preisschilder an Tischen und Stühlen gibt es daher nicht. 

Mehr ist im Onlineshop zu entdecken. Das noch junge Unternehmen mit Sitz in Nottuln und Standorten in Münster entstand 2016, setzte von Beginn an auch auf E-Commerce, auch wenn das Thema zwischenzeitlich etwas nebenher lief. Doch seit Antunovic’ Einstieg 2024 wurde der Onlinevertrieb aktiv weiterentwickelt und vorangetrieben – und jetzt komplettiert das Café in Münsters Innenstadt das Portfolio. Ein perfektes Marketing-Match aus Sicht des Unternehmens: „Wir haben ja schon viel positives Feedback für unsere Möbel erhalten“, sagt Antunovic. „Aber nicht alle Kunden wollen etwas kaufen, ohne es vorher einmal gesehen zu haben.“ Der bisherige Showroom war allerdings nur nach Terminvereinbarung zu besichtigen. „Und da war dann auch ein gewisser Kaufdruck vorhanden.“ Das Café biete nun eine viel ungezwungenere Umgebung, wie er ergänzt. „Es ist ein Ort, um eine gute Zeit zu haben, aber zusätzlich ein Touchpoint für mögliche Kunden.“ Markenbranding ist das Ziel, jeder Tag bringt Kontakte und damit potenzielle Leads, wie Antunovic es formuliert. Fast subtil präsentiert Kawentsmann sich und sein Portfolio mit kleinen Aufstellern auf den Tischen. „In gewisser Weise machen wir hier das, was Kunden bisher vor allem aus unserem Onlineshop kennen, auch im realen Leben erlebbar.“  

Dabei bleibe das Kerngeschäft ganz analog: „Handwerk ist unsere DNA, da liegen unsere Wurzeln“, sagt Antunovic. Objekt- und Ladenbau, Einbauschränke, Küchen, komplette Einrichtungskonzepte für den B2B-Bereich, auch mal für anspruchsvolle Privatprojekte. Das alles findet in der Tischlerei mit eigener Schlosserei statt. Für Stuhl- und Tischbeine aus Stahl arbeitet Kawentsmann mit einem Pulverbeschichter in Nottuln  zusammen, alles andere entsteht im Unternehmen selbst. Und aus all dem soll noch „mehr“ entstehen.  

Das Café als wichtiger Mosaikstein

Was möglich sein kann, spürte Kawentsmann schon vor einigen Jahren. Da war Mitgründer Max Bayer-Eynck Teil der DMAX-Serie „Männer(t)räume“. Das brachte Aufmerksamkeit und schärfte auch innerhalb des damals noch jungen Unternehmens die Sinne. Mit einem mittlerweile etablierten Geschäftsmodell geht es jetzt an eine Skalierung. „Wir stehen in vielen Bereichen noch am Anfang, aber die Weichen sind gestellt“, glaubt Antunovic. „Vielleicht wachsen wir auch noch in neue Geschäftsbereiche?“  

Genau auf dieses Ziel soll auch das Café in Münster einzahlen: Es werde der eigene Auftrag sein, mögliche Kunden immer wieder im „Marketing-Funnel“, dem Verkaufstrichter zwischen dem ersten Kontakt und der endgültigen Kaufentscheidung, anzusprechen. „Das Café ist dabei ein wichtiger Mosaikstein, weil Menschen sich daran erinnern.“ Und genau das ist ein wichtiger Punkt: Wer beispielsweise Esstische für sein eigenes Gastronomieprojekt sucht, sollte Kawentsmann idealerweise kennen. Um das zu erreichen, könnte beispielsweise helfen, das eigene Gastro-Konzept mit dem Café auch auf andere Städte zu übertragen. „Warum nicht?“, lautet die eher rhetorische Frage.  

Einige der Pläne wurden schon umgesetzt, wie Antunovic sagt: Gutscheine beispielsweise. Wer sie im Café kauft, kann sie direkt vor Ort oder später online einlösen. Oder umgekehrt: Vielleicht ist ja auch eine eigene App denkbar, in der eine virtuelle Stempelkarte hinterlegt wird, um im Onlineshop Punkte zu sammeln, die dann in Café eingelöst werden können? „Wir müssen schrittweise schauen, was wir tun. Aber wir haben bisher vielleicht erst 30 Prozent unserer Möglichkeiten ausgeschöpft.“ 

Dass Digitalisierung in diesem Gesamtkontrukt eine große Rolle spielt, sagt Antunovic auch. Das Unternehmen liefert seine Möbel selbst aus. Dafür nutzt das Team eine etablierte Shop-Software und wickelt seine Tourenplanung mit KI-Unterstützung ab. Antunovic betont: „KI hat viele unserer Prozesse vereinfacht, auch bei der Produktpräsentation im Internet.“ Analog und digital. Das muss kein Widerspruch sein und das Café am Spiekerhof ist der sichtbare Beweis. 

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