Geo-Strategie | Autorität schlägt Keywords

Marketing und Unternehmenskommunikation müssen heute, in Zeiten von Künstlicher Intelligenz (KI), auf GEO (Generative Engine Optimization) statt SEO (Search Engine Optimization) setzen. Im Klartext: Anstatt Inhalte suchmaschinenoptimiert mit Keywords zu versehen, müssen sie nun so aufbereitet sein, dass KI-basierte Suchmaschinen und Chatbots wie ChatGPT, Google Gemini oder Google AI Overviews diese verstehen, zitieren und in ihren generierten Antworten anzeigen. Die KI priorisiert dabei Content aus autoritativen Quellen, darunter auch Medien mit hoher Relevanz. Das erläutert Professor Dr. Markus Kiefer in seiner Kolumne für Wirtschaft aktuell. Kiefer war langjährig Professor an der FOM Hochschule mit Schwerpunkt Unternehmens- und Wirtschaftskommunikation. Heute nimmt er Lehraufträge an unterschiedlichen Hochschulen und in Akademien wahr.

Grafik: Nadine Tenhaken

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GEO optimiert Content, damit er für KI-Systeme relevant ist. Denn moderne KI filtert Informationen nicht mehr nach Keywords, sondern synthetisiert Antworten und zitiert Quellen. Im Gegensatz dazu sorgt SEO dafür, dass Inhalte so optimiert werden, dass sie in Suchmaschinen möglichst weit oben platziert und dem User somit als erstes angezeigt werden.

Klassische SEO-Agents ranken Inhalte auch weiterhin. Aber KI-Engines bevorzugen E-E-A-T (Experience, Expertise, Authoritativeness, Trustworthiness) aus vertrauenswürdigen Medien, wie zum Beispiel „Handelsblatt“ oder „FAZ“. Auch mittelständische Unternehmen gewinnen so an Reichweite in KI-Antworten, wenn sie in solchen Medien thematisiert werden.  

Eine GEO-Strategie fürs Marketing und die Unternehmenskommunikation aufzubauen, ist also empfehlenswert. Und dennoch gibt es auf unternehmerischer Seite drei häufige Gegenargumente, die dabei bedacht werden sollten. 

Gegenargument 1: Wir sind zu unbedeutend für A-Medien.
„Wir sind zu klein für Handelsblatt oder WirtschaftsWoche.“ So könnte die Erstreaktion mancher Unternehmerin oder manches Unternehmers sein. Falsch! „Earned Media“, also die externe Wahrnehmung und Berichterstattung über Unternehmen und Organisationen, dominiert KI-Zitationen. Lokale IHK-Magazine, Plattformen von regionalen Wirtschaftsförderungen oder regionale Printpublikationen wie „Wirtschaft aktuell“, Podcasts mit starker lokaler Basis, ein redaktioneller Artikel auf der Website oder eine lokale Radiostation sind bereits effektive Einstiege. Digitale Plattformen bauen so Autorität ohne Millionenbudget. 
 
Gegenargument 2: SEO macht das doch schon.
Viele sagen: „SEO erledigt das bereits.“ Im Prinzip nicht falsch – aber GEO ist die Weiterentwicklung: Während SEO auf Klicks abzielt, geht GEO auf Zitationen in KI-Zusammenfassungen ein. Bei vielen Usern ist das ja schon das Einzige, was sie nach Google- oder anderen Internet-Anfragen überhaupt noch wahrnehmen und lesen. SEO rankt Seiten von Unternehmen, GEO lässt Unternehmen als Quelle in Premium-Antworten erscheinen. Der Unterschied: Autorität schlägt Keywords. 

Gegenargument 3: GEO ist doch Content-Marketing 2.0.
Der dritte Einwand könnte lauten, das wir alles schon kennen: „Hört sich nach Content-Marketing an – alter Wein in neuen Schläuchen?“ Falsch! Content-Marketing war Modetrend für Eigen-Content auf unternehmenseigenen Kanälen. GEO zwingt zu externer Autorität durch Medienplatzierung. KI ignoriert die Website von Unternehmen, wenn sie nicht extern von relevanten Quellen zitiert wird. Content-Marketing blieb oft intern, GEO erfordert Earned Media-Strategien. Das bedeutet: Das Angebotene muss so gehaltvoll sein, dass es durch primär journalistische Auswahlkriterien und Qualitätsfilter durchkommt.  

Beispiele

Was bedeutet das für die Kommunikatoren auf Unternehmensseite? Content sollte als Gastbeitrag, Exklusiv-Interview oder Expertenzitat angeboten werden: Präzise Daten („Unsere Umfrage: 68 Prozent der Mittelständler scheitern an KI-Kommunikation“) und radikale Aktualität sind Schlüssel. Digitale A-Medien wie WiWo.de, Branchenportale, LinkedIn-Accounts von Influencern oder Plattformen zählen ebenso wie Fachmagazine. Auch Storytelling eignet sich hervorragend: Kreative Produktwerbung, die dann redaktionell aufgegriffen wird, Exklusiv-Interviews mit Geschäftsführern oder Berichte über möglichst unterhaltsame Unternehmensevents laden Medien zum Mitnehmen ein. 

Fazit

Marketing und Unternehmenskommunikation müssen Hand in Hand arbeiten – verzahnt, integriert, aufeinander verweisend, Bälle aufnehmend. Marketing liefert datenreiche Storys und Kampagnenideen, PR pitcht sie gezielt in Medien. Diese, zugegeben grobe Handreichung ist eine Momentaufnahme. GEO ist in einem ebenso dynamisch-rasanten Entwicklungsprozess wie die intelligenten Sprachmodelle selbst. Aber hier wäre Abwarten kein guter Rat. Praktiker sollten GEO nicht als Bedrohung, sondern als eine sportliche Herausforderung ihrer professionellen Kreativität annehmen. 

Professor Dr. Markus Kiefer

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