Münster

Westfalen AG & Co. KG setzt auf Wachstum in Europa

Münster - Mit einem Umsatz von 2,2 Milliarden Euro und einem Ergebnis von rund 95 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2025 sieht sich die Westfalen AG & Co. KG auf einem stabilen Kurs. Was das Unternehmen aus Münster am Dienstag noch zu sagen hatte, sollte allerdings als Warnung für den Standort Deutschland gelten.

Symbolfoto Westfalen AG & Co. KG. Foto: Westfalen AG & Co. KG

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Was CEO Thomas Perkmann am Dienstag im Rahmen des Jahrespressegesprächs formulierte, war im Grunde eine deutliche Warnung an den Standort Deutschland. Zwar wolle das Unternehmen mit Sitz in Münster investieren - seit 2023 und bis 2028 über eine halbe Milliarde Euro für eine "grüne Transformation". Aber investieren will das seit Anfang Juli als Westfalen AG & Co. KG firmierende Unternehmen nicht (oder nur am Rande) in Deutschland. Von Münster aus schaue man ins europäsche Ausland. 

Deutschland? Bürokratisch, überreguliert, langatmig, nicht innovativ. Das war so ein bisschen die Botschaft, die Perkmann da formulierte. Investiert werde in Belgien, in Frankreich, in Österreich. "Europa ist für uns die Antwort auf die schwächelnde Wirtschaftslage in unserem Kernmarkt Deutschland“, sagte Vorstandsvorsitzender Dr. Thomas Perkmann bei der Vorstellung der Geschäftszahlen. "Wir stellen uns breiter auf und sichern damit unsere Wettbewerbsfähigkeit."

Wenn Deutschland ein starker Standort sein solle, müsse die Politik daran arbeiten, so Perkmann. Denken über Legislaturperioden hinaus - das war die Forderung. 

Andere Akzente

Dabei vergisst die Westfalen AG & Co. KG den deutschen Markt keinesfalls, setzt hier allerdings ganz andere Akzente. Die Zeit der fossilen Brennstoffe sei aus Sicht des Unternehmens endlich. In Münster sehe man einen "eindeutigen Trend zur E-Mobilität". Allen Unkenrufen zum Trotz werde dieser Wandel an den Tankstellen spürbar - durch deutlich rückläufige Absatzzahlen von Benzin oder Diesel.

Die Konsequenz: Die Westfalen AG & Co. KG statte alle Tankstellen der Reihe nach mit Schnellladepunkten aus. Aktuell gebe es davon rund 120, bis Ende des Jahres sollen es mehr als 150 sein. Gleichzeitig will das Unternehmen auch sein "Alvore"-Shopmodell an immer mehr Standorten umsetzen. Damit wolle man den Umsatz in den Nebengeschäften deutlich erhöhen. 

Allgemein gilt: Die strategische Antwort des Unternehmens auf die anhaltende Wirtschaftsschwäche sei eine konsequente Internationalisierung. Neue Produktions- und Logistikstandorte entstehen in Frankreich, Österreich und der Schweiz, um die Produktionskapazitäten im Kerngeschäft Industriegase auszubauen. Ziel sei es, die Liefersicherheit zu erhöhen, neue Märkte zu erschließen und die Abhängigkeit vom deutschen Markt zu reduzieren.

Wasserstoff: Frankreich zeigt den Weg

Die Auswirkungen der Standortbedingungen zeigen sich besonders deutlich bei Wasserstoffprojekten. Während sich im französischen Florange ein Elektrolyseur bereits im Testbetrieb befindet und weitere Projekte vorbereitet werden, sieht Westfalen vergleichbare Vorhaben in Deutschland derzeit aufgrund hoher Strompreise nicht wirtschaftlich darstellbar. Das war eine Botschaft, die das Unternehmen bereits im Vorjahr so formuliert hatte - und eine Entwicklung, die sich nun fortsetzte. „Unsere Erfahrungen beim geplanten Elektrolyseur in Weißenhorn bei Ulm haben uns klar gezeigt, dass wir mit solchen Projekten in Deutschland aktuell nicht weiterkommen. Eine harte Erkenntnis, aus der wir gelernt haben“, so Perkmann.
 
Auch im Wärmemarkt registriert das Unternehmen zunehmende Zurückhaltung. Westfalen hat in den vergangenen Jahren gezielt Anbieter für Wärmepumpen und intelligentes Energiemanagement übernommen und diese in der Westfalen Energietechnik GmbH gebündelt. Die langhaltende Diskussion um das Gebäudemodernisierungsgesetz haben jedoch die Marktentwicklung und Investitionsentscheidungen deutlich gebremst – sowohl auf Unternehmens- als auch auf Kundenseite.

Umsatz und EBIT auf hohem Niveau

Ungeachtet der schwierigen Rahmenbedingungen hält Westfalen an seiner Dekarbonisierungsstrategie fest. Eine entsprechende wirtschaftliche Basis dafür liefern die Geschäftszahlen: mit einem Umsatz von 2,2 Milliarden Euro und einem EBIT (operatives Ergebnis) von 95 Millionen Euro habe sich das Unternehmen in einem herausfordernden Marktumfeld erneut behaupten können, so Perkmann. 
 
„Wir sehen, dass das Thema Nachhaltigkeit angesichts kurzfristiger wirtschaftlicher Herausforderungen in den Hintergrund rückt. Unser Anspruch bleibt jedoch: Ökonomie und Ökologie müssen zusammen gedacht werden.“ Seit 2019 hat das Unternehmen nach eigenen Angaben seine eigenen CO₂-Emissionen um 72 Prozent reduziert (Scope 1 und 2). Bis 2030 strebt Westfalen Netto-Null bei den eigenen Emissionen an. Bei den verkauften Energieträgern wurden die CO2-Emissionen im selben Zeitraum um 16 Prozent gesenkt (Scope 3). Bereits die Hälfte des Ergebnisses wird in dekarbonisierten Produktbereichen (außerhalb des fossilen Bereiches) erzielt.
 
Für 2026 geht das Unternehmen von einem deutlichen Umsatzanstieg und einem leicht höheren Gewinn aus.

 

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