„Die starke Resonanz zeigt eindrucksvoll, wie groß der Bedarf der jungen Wirtschaft ist, sich zu vernetzen“, erklärte Sven Wolf, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten komme es auf Mut, Ideenreichtum und unternehmerische Initiative an. Dafür gebe es viele Beispiele in der Region. „Mit dem Festival schaffen wir eine Plattform, auf der Gründerinnen und Gründer, Unternehmerinnen und Unternehmer sowie junge Führungskräfte sich kennen und voneinander lernen können.“
Lebendige Gründungsszene
Unterstützt wird die IHK bei der Ausrichtung auch durch die Wirtschaftsjunioren Nord Westfalen. „Die Gründungs- und Unternehmensszene in unserer Region ist lebendig“, bilanzierte deren Vorsitzender Simon Graeber. „Wer Verantwortung übernimmt, gründet oder ein Unternehmen weiterentwickelt, profitiert von starken Netzwerken und vom Austausch.“ Zu diesem Austausch leiste das Festival einen wichtigen Beitrag, meinte Dominik Mossakowski vom Venture Club Münster, dem dritten Mit-Organisator. „Hier kommen Menschen mit Ideen, Erfahrung und Unterstützungsangeboten zusammen.“ Solche Begegnungen helfen, damit aus guten Ideen erfolgreiche Unternehmen entstehen.
Beispiel agriportance
Ein konkretes Beispiel dafür lieferte Henning Dicks. Der Gründer und Managing Director von agriportance, einer vor fünf Jahren ins Leben gerufenen und seitdem wachsenden Plattform für den Handel mit Biomethan aus Münster, berichtete über „fünf Entscheidungen, die alles verändert haben“. Bedeutsam für die Entwicklung sei die Einsicht gewesen, dass das, „was wir verworfen haben, genauso wichtig war, wie das, was geblieben ist“. Außerdem müssen sich externes Kapital, das die Professionalisierung vorantreibt, und gesundes Wachstum aus neuen Erlösquellen nicht ausschließen, erklärte er.
Workshops zum Generationenübergang und zu KI
Noch mehr Wissen und Tipps für die Unternehmenspraxis lieferten die Workshops zum Generationenübergang und zum Automatisieren von Aufgaben mit Hilfe von KI-Agenten. In der „Finance Lounge“ informierten Experten von Deutsche Bank, NRW.Bank, Sparkasse Münsterland Ost und Volksbank im Münsterland über Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten.
Mit Spannung erwartet wurde der Pitch-Wettbewerb. Silke Sommer vom Vorjahressieger comuneo schilderte, wie der Anbieter einer Steuerungsplattform für Kommunen seit dem vergangenen Jahr sein Produkt weiterentwickelt und das Team weiter ausgebaut hat. Dann waren die sechs aktuellen Finalisten an der Reihe, ihre Geschäftsideen zu präsentieren.
SaniUp aus Münster gewann die meisten Stimmen des Publikums. Das Start-up hilft Sanitätshäusern dabei, Hilfsmittel mit Krankenkassen abzurechnen. Denn das ist kompliziert, „für jede Kasse und jede Produktgruppe gibt es einen eigenen Vertrag“, erläuterte Tim Rothenpieler. 6.000 sind es insgesamt. Mit der Software von SaniUp lassen sich Rezepte hochladen, Produkte auswählen und Kostenvoranschläge erstellen, zu allen Krankenkassen bestehen Schnittstellen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Sanitätshäusern brauchen dafür nach Angaben von SaniUp knapp vier Minuten statt über eine halbe Stunde. Mit seinen Mitstreitern Onno Goczol und Max Winter nahm Rothenpieler den Preis entgegen.
Argos Analytics aus Vreden analysiert Schadstoffe, und das schneller als andere. „Schimmel in der Wohnung ist ein Massenproblem“, erklärte Dr. Stefan Peischard. Die Analytik erfordere erfahrene Fachkräfte und sei teuer. Argos setzt einen Mikrokopie-Roboter ein, der Proben digitalisiert. KI markiert Sporen und Strukturen, in ein bis zwei Tagen liegt eine vollständige Analyse vor.
Johannes Rennemeier und Christian Nüvemann von eco grade aus Warendorf retten Lebensmittel und machen ein Geschäft daraus. Sie haben eine Plattform geschaffen, auf der Händler genießbare B-Ware, die sonst häufig entsorgt wird, doch noch verkaufen können. „Wir sind kein Restpostenmarkt, wir prüfen alle Produkte“, so Rennemeier. Im November startet die Plattform, eine EU-Richtlinie hilft dem Start-up: Sie fordert ab 2030 zehn Prozent weniger Lebensmittelabfälle in Verarbeitung und Herstellung.
Kompass360° hat ganzheitliche Gesundheitsförderung für Unternehmen als Geschäftsfeld entdeckt. Adrian Bühring erläuterte, wie mit Hilfe von Sensoren Arbeitsbelastung analysiert, das Arbeitsumfeld verbessert und der Krankenstand gesenkt wird. Zu den Kunden gehört schon ein Chemiekonzern, der mit der Unterstützung aus Münster an einem Arbeitsplatz 50 Prozent der Produktivität steigerte und die körperliche Belastung um 62 Prozent senkte.
Einen großen Markt hat Felix Asselmann im Blick, Gründer von paselo aus Münster: Zehn Millionen Hundehalter lassen aktuell den Markt für Hundefuttervitamine stark wachsen. „Ein Markt voller leerer Versprechen“, erklärte er. Oft sei eine Wirkung nicht belegt. Sein Unternehmen entwickelt mit Tierärzten Nahrungsergänzung für Gelenke, Darm und zur Beruhigung. Er setze auf „KI statt Konzern“, mit voller Automatisierung entlang der Wertschöpfung.
Moritz Awe hat mit Phronora aus Münster eine Antwort auf die Frage vieler Unternehmen gefunden, wie sie in Zeiten des demografischen Wandels das Wissen im Betrieb erhalten. „70 Prozent des Wissens steckt nur in den Köpfen einzelner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Phronora setzt auf ein KI-gestütztes Wissensmanagement mit regelmäßigen Interviews, was deutlich schneller und ergiebiger sei als eine herkömmliche Dokumentation. „Wir geben den Kunden ein Company-Brain mit.“