Einerseits sind noch viele Ausbildungsplätze unbesetzt, andererseits halten sich Unternehmen angesichts der schwachen Konjunktur mit Neueinstellungen zurück, wie die IHK mitteilte. Sie betrachtet diese Entwicklung mit Sorge. Zwar sei die Zurückhaltung nachvollziehbar, aber gefährlich: „Wer heute auf Sicht fährt, dem fehlen morgen die Fachkräfte“, warnt Dr. Fritz Jaeckel, Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen.
Auch in der aktuellen, schwierigen wirtschaftlichen Lage lege der demografische Wandel keine Pause ein: „Zehntausende erfahrene Beschäftigte werden in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen. Wer heute nicht ausgebildet wird, der fehlt morgen in den Betrieben.“
Verunsicherung durch KI
Zugleich wachse die Verunsicherung unter jungen Menschen. Das liege auch daran, dass sich Künstliche Intelligenz (KI) rasant entwickle. Manche Schulabgängerinnen und Schulabgänger fragten sich, welche Berufe langfristig noch Zukunft haben oder ob technologische Entwicklungen ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verringern könnten. „KI verändert die Tätigkeiten, ersetzt aber nicht die Fachkräfte“, betont Jaeckel. „Die besten Zukunftsaussichten haben diejenigen, die den Wandel mitgestalten, und nicht diejenigen, die nur abwarten.“ Eine gute Ausbildung sei deshalb eine der sichersten Investitionen in die eigene berufliche Zukunft.
Mängel bei der Ausbildungsreife
Zu einer großen Herausforderung für den Ausbildungsmarkt entwickeln sich fehlende Berufsstartkompetenzen bei Schulabgängerinnen und -abgängern. So stellten in der aktuellen IHK-Ausbildungsumfrage 92,8 Prozent der befragten Unternehmen Mängel bei der Ausbildungsreife fest. Hier müsse so früh wie möglich gegengewirkt werden, am besten noch vor Schulbeginn, erklärt Jaeckel. Er sieht dennoch gute Gründe für mehr Zuversicht. „Auch jetzt, zum offiziellen Ausbildungsbeginn, gibt es noch viele offene Ausbildungsstellen sowie motivierte junge Menschen.“
Die meisten neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse (Stand: 28 Juli), nämlich 1.133, verzeichnet die Stadt Münster. Dies ist ein Rückgang um 9,9 Prozent. Im Kreis Steinfurt wurden 1.067 Ausbildungsverträge abgeschlossen (minus 5,8 Prozent), im Kreis Borken 1.049 (minus 10,7 Prozent) und im Kreis Coesfeld 458 (minus 7,8 Prozent). Ein Plus von zwei Prozent meldet der Kreis Warendorf mit 656 neuen Ausbildungsverträgen.