„Das sind großartige Nachrichten für die Stadt Lingen. Die Förderung in dreistelliger Millionenhöhe für den Standort ist ein Meilenstein für unsere Wasserstoffstrategie, an der wir seit vielen Jahren hart arbeiten“, betonte Oberbürgermeister Dieter Krone. Mit mehr als 400 Megawatt soll Lingen zum größten On-Shore Standort für die Produktion von grünem Wasserstoff in Deutschland werden und damit eine Schlüsselrolle bei der Energiewende einnehmen. „In Lingen, als deutsches Wasserstoffzentrum, wird die gesamte Wertschöpfungskette von der Erzeugung, über die Speicherung, den Transport bis hin zur Nutzung im industriellen Maßstab abgebildet. Von dieser Wertschöpfung profitieren vor allem auch Unternehmen vor Ort“, erklärte Krone.
Programm „Important Project of Common European Interest“
Im Februar machte die Europäische Kommission den Weg für die finanzielle Unterstützung von Wasserstoff-Projekten im Rahmen des Programms „Important Project of Common European Interest“ (IPCEI) frei. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und Vertreter der Länder überreichten die Förderbescheide nun in Berlin. Insgesamt beteiligen sich die Bundesregierung und die jeweiligen Bundesländer mit rund 4,6 Milliarden Euro an den deutschen IPCEI-Wasserstoffinfrastrukturprojekten. Habeck erklärte: „Die Energiewende bleibt auch angesichts weiterer Krisen- und Konfliktherde eine der größten Herausforderungen für unser Land. Mit der Förderung von Wasserstoffprojekten gehen wir einen wichtigen Schritt hin zu einer klimaneutralen und nachhaltigen Wirtschaft in Europa und darüber hinaus. Wir geben den Startschuss für die Errichtung von Elektrolyseuren der dreistelligen Megawatt-Klasse und ermöglichen damit wichtige Fortschritte bei der inländischen Produktion von grünem Wasserstoff. Eine leistungsfähige Wasserstoffinfrastruktur spielt eine Schlüsselrolle, um die Dekarbonisierung der Industrie und des Energiesektors zu ermöglichen. Wasserstoffleitungen werden die Lebensadern der Industriezentren sein. Damit schaffen wir die Voraussetzung für klimaneutrales Wachstum“.
Zwei Projekte von RWE
Mit dem Ziel, von Lingen aus den Grundstein für eine flächendeckende Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland zu legen, haben sich zahlreiche Unternehmen, Kommunen und Institutionen zur Initiative „Get H2“ zusammengeschlossen und wollen damit die Umsetzung der nationalen Wasserstoffstrategie unterstützen. Zu den Partnern gehören unter anderem RWE, OGE und Nowega. Hauptbestandteil des „Get H2“-Projekts ist dabei die Errichtung einer Elektrolyseanlage in Lingen bis 2027 mit einer Leistung von 300 Megawatt durch RWE. Dabei erfolgt der Aufbau in 100-Megawatt-Schritten. Die erste 100-MW-Elektrolyse soll 2025 in Betrieb gehen. Elektrolyseanlagen wandeln den mit Windkraft erzeugten grünen Strom von der Nordsee unter Einsatz von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff. Der in Lingen erzeugte grüne Wasserstoff soll Industrieunternehmen dabei helfen, ihre CO2-Emissionen deutlich zu reduzieren, wie RWE mitteilte.
Wasserstoffspeicher in Gronau-Epe
In Gronau-Epe wird ein zweites Projekt von RWE gefördert: Der Bau eines Wasserstoffspeichers. Beim Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft komme der Transport- und Speicherinfrastruktur eine wesentliche Rolle zu, so RWE. Der von RWE Gas Storage West geplante Wasserstoff-Kavernenspeicher in Gronau-Epe wird zwei Kavernen zur Lagerung von Wasserstoff nutzen. Der Speicher soll dazu beitragen, die schwankende Wasserstofferzeugung aus Wind und Sonne zu puffern. Dadurch könne grüner Wasserstoff bedarfsgerecht für industrielle Abnehmer bereitgestellt werden. Der erste Wasserstoff soll 2026 in die Anlage eingespeist werden.
Bei den RWE-Projekten stellt der Bund pro Vorhaben jeweils 70 Prozent der Fördersumme bereit. 30 Prozent steuern je nach Projektstandort die Länder Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen bei. RWE plant, in die beiden Projekte sowie in ein weiteres Projekt in Mecklenburg-Vorpommern einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag zu investieren.
Markus Krebber, Vorstandsvorsitzender der RWE AG: „Heute ist ein guter Tag für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft. Dank der Förderung von Bund und Ländern können jetzt in Deutschland die ersten Wasserstoffprojekte in industriellem Maßstab umgesetzt werden. Grüner Strom und Wasserstoff werden entscheidend sein für die Attraktivität von Wirtschaftsstandorten. Deshalb ist es wichtig, jetzt rasch auch in die heimische Wasserstoffproduktion und die Infrastruktur inklusive der Speicher zu investieren.“
Elektrolyseanlage bei BP in Lingen
Im Projekt „Lingen Green Hydrogen“ der BP soll mittels einer 100 Megawatt-Elektrolyseanlage auf dem Gelände der Raffinerie in Lingen ebenfalls grüner Wasserstoff produziert werden. Dieser soll an Industriekunden in der Region sowie an die bp Raffinerie in Lingen geliefert werden.
Olaf Lies, Niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Verkehr, Bau und Digitalisierung, betonte: „Die Entwicklung einer Wasserstoffwirtschaft ist wichtiger Baustein für die Energiewende in Deutschland und Europa. Wir wollen in Niedersachsen den zentralen Kern dieser Wasserstoffwirtschaft bilden, denn hier entstehen gute, zukunftssichere Arbeitsplätze. Das Elektrolyseurprojekt Lingen Green Hydrogen von bp wird ein Meilenstein zur Erzeugung von grünem Wasserstoff.“
Der für den BP-Elektrolyseur benötigte Strom aus erneuerbaren Energien soll zunächst durch einen Stromabnahmevertrag aus Offshore-Windkraftanlagen bezogen werden. Felipe Arbelaez, bp Senior Vice President Hydrogen und Carbon Capture & Storage, erklärte: „Wasserstoff ist ein im Entstehen begriffener Markt, der jedoch eine wichtige Rolle bei der Energiewende und der Dekarbonisierung der Industrie spielen könnte. Die Unterstützung durch Bund und Land ist für die Erschließung dieses Potenzials von entscheidender Bedeutung. Wir sind stolz darauf, dieses Projekt im Rahmen des europäischen IPCEI Programms fortzuentwickeln."
Patrick Wendeler, Vorstandsvorsitzender der BP Europa SE, ergänzte: „Die heutige Ankündigung unterstreicht das Engagement von bp in Deutschland, da wir unsere ‚und, nicht oder‘-Strategie weiter verfolgen. Unsere Raffinerie in Lingen trägt seit mehr als 70 Jahren zur Unterstützung der deutschen Mobilität mit der benötigten Energie bei. Die Dekarbonisierung der deutschen Industrie ist eine große Aufgabe und zugleich Chance und wir sind der deutschen Regierung sowie dem Land Niedersachsen dankbar, dass sie uns – neben den anderen grünen Wasserstoffprojekten der IPCEI Hy2Infra Welle – dabei unterstützen, eine Rolle bei der Lösung dieser Herausforderung zu spielen. Mit dieser Förderung sind wir einen Schritt weiter auf dem Weg, unser grünes Wasserstoffprojekt in Lingen voranzubringen, das uns in die Lage versetzen würde, Industriekunden und unsere Raffinerie in Lingen künftig mit kohlenstoffarmem Wasserstoff zu beliefern."
„Dank seiner strategisch günstigen Lage und der vorhandenen Infrastruktur avanciert Lingen zum Herzstück der Wasserstoffproduktion in Deutschland. Diese idealen Voraussetzungen ermöglichen die Entwicklung und Umsetzung innovativer Projekte in der Erzeugung, Speicherung, Verteilung und Nutzung von grünem Wasserstoff“, ist Oberbürgermeister Krone überzeugt.
Förderung für Aufbau eines Wasserstoffnetzes durch Nowega aus Münster
Außerdem werden bestehende Gasleitungen der Fernleitungsnetzbetreiber Nowega aus Münster und OGE aus Essen auf den Transport von 100 Prozent Wasserstoff umgestellt. Nowega hat dafür eine IPCEI-Förderung in Höhe von bis zu 38 Millionen Euro von erhalten. Damit sollen Leitungsprojekte im Emsland, Münsterland und nördlichen Ruhrgebiet umgesetzt werden. „Dank der nun zugeteilten Fördermittel sind wir in der Lage, zügig weiterzuarbeiten und damit das Gesamtprojekt GET H2 Nukleus gemeinsam mit unseren Partnern final umzusetzen“, freute sich Frank Heunemann, Geschäftsführer bei Nowega. Er ergänzt: „Aus unserer Sicht ist die IPCEI-Förderung ein wichtiger Baustein, um das Wasserstoffnetz für Deutschland und Europa zu initiieren, der aber nicht allein stehen bleiben darf.“
Die Leitungen von Nowega führen vom niedersächsischen Lingen über Bad Bentheim nach Süden durch das Münsterland bis nach Dorsten im nördlichen Ruhrgebiet. Sie sollen Teil des Wasserstoff-Kernnetzes werden. Das Unternehmen geht dabei nach eigenen Angaben besonders ressourcenschonend vor: Von den 203 geplanten Leitungskilometern sind 177 Kilometer bestehende Leitungen, die auf den Transport von Wasserstoff umgestellt werden. „Das Investment, das wir als Fernleitungsnetzbetreiber in die Transformation der Energiewirtschaft einbringen, leistet einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung deutscher Produktionsstätten“, ist Heunemann überzeugt. Die Projektpartner von Nowega bei GET H2 Nukleus sind bp, Evonik, OGE und RWE.