Kreis Borken

Energiewende mit Wasserstoff: kein Sprint, sondern ein Marathon

Kreis Borken – Auf dem Weg zur deutschen Klimaneutralität soll Wasserstoff (H2) künftig eine wichtige Rolle spielen, so will es die Politik. Bis 2030 soll die Wasserstoffkapazität in Deutschland auf zehn Gigawatt ausgebaut werden, dazu muss unter anderem das Leitungsnetz erweitert werden. Umgesetzt werden müssen die Pläne in den Bundesländern und Regionen, auch im Kreis Borken. Doch dort wie hier stecken viele Projekte und Aufgaben noch in einem ganz frühen Stadium.

Um Wasserstoff flächendeckend als alternative Energiequelle zu nutzen, soll das Leitungsnetz ausgebaut werden – auch im Kreis Borken. Foto: AdobeStock/trompinex

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Es sei eben kein Sprint, eher ein Marathon, wie Dr. Markus Könning sagt. Als Innovationsberater ist er in der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Borken (WFG) tätig und zugleich auch Koordinator für das branchenübergreifende H2 Netzwerk Westmünsterland, das die WFG 2020 gemeinsam mit der wfc Wirtschaftsförderung Kreis Coesfeld gegründet hat. „Wir sind hier vor Ort prädestiniert dafür, das Thema Wasserstoff auch in die Fläche zu bringen“, sagt er über die Rolle der WFG in diesem Prozess. Dabei stünden nicht nur große Unternehmen im Fokus, sondern gerade auch der Mittelstand und dessen mögliche Bedarfe. Und natürlich gehe es bei der Arbeit der WFG auch um konkrete Hinweise, beispielsweise im Bereich Fördermittel.  

Wie sich Wasserstoff letztlich im Energiemix einfügen wird, ist derzeit noch offen. „Das ist wie ein Blick in die Glaskugel“, sagt Könning. „Aus meiner Sicht wäre es aber fahrlässig, die vorhandenen Speicherkapazitäten und Gasnetze nicht für die Wasserstoffnutzung vorzubereiten.“  

Vorteile: geplante Gasleitung und 100 Kavernen

Den Kreis Borken sieht Könning hier sogar im Vorteil. Denn gerade dort entsteht eine umfassende Leitungs-Infrastruktur. Da ist zum einen der Bau der Gasleitung zwischen Heek und Epe, die die unterirdischen Speicher in Epe bis etwa 2026 mit der Get H2-Pipeline im Nordwesten Deutschlands verbindet. Die Region ist nicht zufällig gewählt: In Epe existieren über 100 sogenannte Kavernen, also unterirdische Speicher, von denen knapp zwei Drittel mit Gas befüllt sind. „Von Epe aus werden rund 23 Prozent des gesamten deutschen Gasbedarfs bedient“, sagt Könning. Und auch der Fernleitungsnetzbetreiber Thyssengas will gemeinsam mit Partnern vor Ort eine Wasserstoffleitung zwischen Emmerich und Bocholt errichten. Die Pipeline soll den Wasserstoff aus den Niederlanden, aber auch aus Norddeutschland in den Kreis bringen. In Gronau habe es bereits Gespräche mit den Stadtwerken über einen Anschluss der Stadt an eine weitere Pipeline von Thyssengas gegeben.  

Der grundlegende Gedanke ist klar: Wenn Wasserstoff als Energieträger eine echte Rolle spiele, wolle man im Kreis Borken vorbereitet sein. Doch zunächst geht es vor allem darum zu erkennen, in welchen Bereichen Wasserstoff in der Region sinnvoll eingesetzt werden könnte. Denn ein breiter Einsatz sei mit Blick auf die Energieeffizienz eigentlich nicht sinnvoll. Anders gesagt: Wird Energie eingesetzt, um Energie zu erzeugen, geht dabei immer etwas verloren. Wird erneuerbarer Strom direkt eingesetzt, kann deutlich mehr fossile Energie ersetzt werden als über den elektrolytisch hergestellten Wasserstoff. Doch wo Photovoltaik oder Windkraft nur bedingt möglich seien, könne Wasserstoff gut eingesetzt werden, schreibt das Umweltbundesamt. Langfristig solle Wasserstoff aber eine relevante Rolle spielen, beispielsweise in der Industrie, im Schiffs- und Schwerlastverkehr, sogar innerhalb bestimmter Grenzen auch im Luftverkehr.  

Bedarfsanalyse durchgeführt

Könning beobachtet, dass das gesamte Thema H2 zuletzt wieder mehr Fahrt aufgenommen hat. „Im Kreis haben wir zuletzt 2023 eine Bedarfsanalyse durchgeführt, sowohl mit lokalen Versorgern als auch mit großen Unternehmen.“ Könning berichtet vom Interesse vieler Unternehmen, die längst konkret an Plänen arbeiten – vom Blockheizkraftwerk bei 2G Energy in Heek, das bereits für den Einsatz von H2 vorbereitet ist, bis zu Unternehmen wie Mitsubishi Chemical Advanced Materials in Vreden, die an Komponenten für Elektrolyseure zur Herstellung von Wasserstoff arbeiteten. „Wir spüren hier ein großes Interesse am Thema Wasserstoff“, sagt Könning, auch wenn man stets im Einzelfall die Wirtschaftlichkeit prüfen müsse. 

Um das alles in Bahnen zu lenken, hat sich die WFG umfangreich vernetzt. „Wir unterstützen aktuell gemeinsam mit der Westfälischen Hochschule Pilotprojekte, zugleich sind wir mit der FH Münster im Austausch, die ebenfalls im Bereich Wasserstoff forscht.“ Auch über den Kreis hinaus gibt es Verbindungen, seit 2024 beispielsweise zum Steinfurter Wasserstoff-Netzwerk. Mehr Druck durch Bündelung gleicher Interessen – das ist die Idee.  

Rückschläge

Ohne Rückschläge ist der Energiewechsel allerdings nicht zu haben. Manche hoffnungsvolle Idee hat sich zwischenzeitlich zerschlagen. Eine geplante Wasserstofftankstelle im Kreis Borken lässt noch auf sich warten. Und auch das Gedankenspiel um eine Wasserstoff-betriebene Buslinie als Pilotprojekt habe sich wegen zu hoher Kosten vorerst „zerschlagen“, wie Könning sagt. Letztlich bewege sich das ganze Thema in einem gewissen „Henne und Ei“-Problem. „Es gibt viele Unternehmen, die Interesse haben. Allerdings bedürfte es dazu erst einer Infrastruktur, die es mangels konkreter Projekte eben noch nicht gibt.“  

Zuletzt hat sich der Kreis Borken an einem Gemeinschaftsstand auf der Rotterdamer Messe World Hydrogen Summit beteiligt und dort weitere Impulse für die Energieversorgung mit Wasserstoff bekommen. „Man sieht, dass das Thema Fahrt aufnimmt.“ 

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