Nottuln ist vor allem aufgrund der Lage vor den Toren Münsters und durch den Autobahnanschluss ein gefragter Gewerbestandort. Bestes Beispiel dafür: das Gewerbegebiet Beisenbusch unmittelbar an der A43, das die Kommune 2016 ausgewiesen hat und das aufgrund der starken Nachfrage innerhalb weniger Jahre ausverkauft war. „Das war eine echte Erfolgsgeschichte“, blickt Wirtschaftsförderer Christian Driever zurück.
Angrenzend zum Beisenbusch baut aktuell noch das Agrarhandelsunternehmen Agravis ein neues, 43.000 Quadratmeter großes Distributionszentrum, das im Herbst eröffnen soll. Der Neubau gliedert sich in vier Hallenabschnitte plus dreistöckigem Bürotrakt und soll die bisherigen Logistikstandorte der Agravis in Münster ablösen. Durch die Bündelung an einem Standort will das Unternehmen die Anzahl der Lkw-Fahrten reduzieren. Dadurch sowie durch den Einsatz eines ersten E-Lkw, der zwischen Nottuln und Münster pendeln soll, reduziere sich zudem der CO2-Ausstoß. Auch das Gebäude selbst erfülle nach Angaben des Unternehmens „hohe Nachhaltigkeitskriterien“. Es wird nach dem Platinstandard der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen mit einer Photovoltaikanlage zur Eigenstromerzeugung, einem 5.000 Quadratmeter großen Gründach sowie einer Fassadenbegrünung auf 2.500 Quadratmetern errichtet, wie Agravis mitteilte. Insgesamt investiert der Münsteraner Agrarhändler rund 60 Millionen Euro in Nottuln. In dem Distributionszentrum sollen rund 180 Arbeitsplätze entstehen.
Keine Vergabe nach Windhundprinzip
Wer sich im neuen Gewerbegebiet in der Nachbarschaft ansiedeln kann, will die Gemeinde über bestimmte Vergabekriterien steuern. Dazu zählen zum Beispiel Nachhaltigkeitsaspekte beim Bau und Betrieb des Gebäudes, etwa durch den Einsatz von Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen oder Dachbegrünung. Auch die Anzahl der entstehenden Arbeitsplätze sowie weitere, wirtschaftliche Kennzahlen sollen miteinfließen. „Wir möchten aber auch kleineren Handwerksbetrieben, die nicht so viele Mitarbeitende beschäftigen, eine Chance geben. Insofern gilt es, die Kriterien mit Augenmaß anzuwenden. Klar ist aber, dass wir die Grundstücke nicht nach dem Windhundprinzip vergeben und auch keine reinen Lagerflächen entstehen sollen“, betont Driever. Die endgültigen Voraussetzungen für eine Ansiedlung soll der Rat der Gemeinde bald festlegen.
Den Bebauungsplan für das Areal will die Kommunalverwaltung noch in diesem Jahr aufstellen. Dafür muss allerdings erst noch der Regionalplan angepasst werden und auch ein Gutachten für den Artenschutz ist in Auftrag gegeben worden. „Die Bezirksregierung Münster erarbeitet aktuell einen neuen Regionalplan, auf den wir warten müssen. Wir rechnen damit, dass wir in den kommenden zwei Jahren die Flächen erschließen und in die Vermarktung gehen können“, blickt Driever voraus.