Während im Norden noch Potenzial schlummert, ist im Gewerbegebiet Süd erst einmal alles voll. Damit rückt fast automatisch eine andere Fläche in den Fokus. Im Neuenkirchener Ortsteil St. Arnold, südöstlich gelegen, soll sich etwas tun. Rund 14,5 Hektar groß ist das Gewerbegebiet St. Arnold, für dessen Erweiterung südlich der Erich-Kästner-Straße seit 2021 auch Baurecht existiert. Von 2.000 Quadratmeter bis 1,6 Hektar groß sind die einzelnen Parzellen, aktuell ist etwa die Hälfte davon bereits vermarktet.
Wenn es so kommt, wie sich die Beteiligten vorstellen, könnte hier ein „grünes Gewerbegebiet“ entstehen, das seinen Energiebedarf praktisch selbst deckt. Gelingen soll das unter anderem mit Freiflächen-Photovoltaik, mit Windkraft, aber auch mit nachhaltig produziertem Wasserstoff.
Landwirte bauen Elektrolyseur
Eine Gruppe lokaler Landwirte will hier einen Elektrolyseur zur Herstellung von Wasserstoff bauen. Dass diese Idee planungsrechtlich möglich ist, hängt auch mit dem Engagement der Gemeinde und von Bürgermeister Brüning zusammen. Der war einer der Initiatoren einer Gesetzesänderung, die das Genehmigungsverfahren für Elektrolyseure bis fünf Megawatt Leistung erheblich vereinfacht. „Das bringt uns deutlich nach vorn“, betont Brüning. In St. Arnold ist eine Anlage mit 1,8 Megawatt geplant. Interesse von lokalen und benachbarten Unternehmen zur Nutzung von Wasserstoff oder mindestens dem „Abfallprodukt“ Wärme wurde längst hinterlegt, wie Brüning sagt. Gespräche mit dem benachbarten Arnold-Janssen-Gymnasium seien bereits geführt worden.
Derzeit ist noch vieles im Planungsstadium und mangels Leitungen ist auch klar, dass der Wasserstoff zunächst pragmatisch in Tanks abgefüllt und dann zum Verwendungsort transportiert wird. „Doch irgendwann haben wir hier auch Leitungen“, schaut Brüning voraus. „Wasserstoff ist Teil der Energiewende.“ Dem Bürgermeister und seinen Mitstreitern schwebt bis dahin eine Art „Mikrolabor“ vor. Ein Gewerbegebiet, das mit Windkraft und Wasserstoff punktet, die Unternehmen vor Ort direkt versorgt. „Wir wollen zeigen, wie so etwas funktionieren kann und das dann auch anderen veranschaulichen“, sagt Brüning. „Wir machen das sozusagen im Kleinen und machen deutlich, wie man anschließend skalieren kann.“
Ganz bewusst zählen Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu den Kriterien für künftige Ansiedlungen. Die Gemeinde erlässt Unternehmen bis zu 50 Prozent der Grundstückskosten, wenn sie in CO2-sparende Projekte investieren. „Das soll dann ein Anreiz für passende Unternehmen sein“, so Brüning.