Herr Dimek, bitte beschreiben Sie Glandorf für alle, die mit dem Ort nicht so vertraut sind. Was macht Glandorf aus?
Zunächst ist es die Mischung aus ländlichem Charme und solider Wirtschaftsstruktur. Ich erlebe Glandorf als einen Ort, der von starkem Zusammenhalt lebt und über ein lebendiges Vereinsleben verfügt. Man hat das Gefühl, jeder aus Glandorf ist irgendwo ehrenamtlich tätig. Die Unternehmen vor Ort bilden eine starke Basis, und das führt dazu, dass Glandorf als Gemeinde funktioniert. In unserer Ortsmitte gibt es Bäcker und Metzger – das ist ja nun nicht mehr überall die Regel. Entlang der Hauptstraße trifft man sich, das prägt den Ort schon.
Die Gemeinde liegt ja mitten in einem großen Städtedreieck zwischen Münster, Bielefeld und Osnabrück. Das spielt sicher eine große Rolle.
Das ist richtig. Die Entfernung zu den Oberzentren ist nicht weit. Mit Blick auf unsere geografische Lage ist Glandorf sicher etwas in Richtung Osnabrück orientiert, aber wir haben viele Menschen, die beispielsweise hier wohnen und in Münster arbeiten. Zum nächstgelegenen Bahnhof in Kattenvenne ist es auch nicht weit. In Warendorf ist das Krankenhaus ein Faktor, und auf das Gymnasium Collegium Johanneum in Ostbevern gehen viele Schülerinnen und Schüler aus Glandorf. Ich betone die Beziehungen nach NRW deshalb, weil die Landesgrenze früher auch eine Art „Kopfgrenze“ war. Das ist heute längst nicht mehr so – wir pflegen viele Verbindungen über die Landesgrenze hinweg.
Wenn Sie über die Beziehungen sprechen, könnten Sie auch die Vorzüge erwähnen, die Glandorf selbst bietet.
Da gibt es auch einiges zu sagen. Beispielsweise ist der Radverkehr ein großes Thema. Glandorf ist Teil der Radwege Grenzgängerroute Teuto-Ems und der Friedensroute zwischen Osnabrück und Münster. Im Ortsteil Schwege haben wir einen schönen Rastplatz geschaffen. Die Naturumgebung mit ihren Gewässern ist sowieso immer ein Argument. Nicht zu vergessen ist auch unsere Windmühle als Wahrzeichen der Gemeinde. Dort gibt es Mühlentage, zugleich ist sie auch unser stimmungsvolles Standesamt. Schützenfeste und Märkte wie der Kürbismarkt ziehen viele Besucher an. Und wir sind durchaus eine Hochburg des Karnevals im südlichen Osnabrücker Land.
In Niedersachsen?
Tatsächlich! Beim letzten Umzug hatten wir fast 20 Gruppen – das ist nicht selbstverständlich bei einer Gemeinde mit rund 6.700 Einwohnern. Und es gibt noch einen Tipp: Unsere Eisdiele im Glandorfer Ortskern muss keinen Vergleich scheuen …
Wenn wir noch kurz beim Thema Verbindungen bleiben: Sehen Sie Glandorf gut aufgestellt?
Im Kern ja. Wir haben die Schnellbuslinie nach Osnabrück, die durch das Projekt „Moin+“ des Landkreises Osnabrück ermöglicht wurde. In 35 bis 40 Minuten ist man am Hauptbahnhof in Osnabrück – das geht auch mit dem Auto nicht viel schneller. Bei der Anbindung nach Warendorf wünschen wir uns eine Taktverdichtung, was auch für die Schnellbuslinie S40 gilt. Und wir haben noch den Bürgerbus Glandorf–Lienen, mit dem wir den Bahnhof in Kattenvenne anbinden. Im Rahmen der Fortschreibung des Nahverkehrsplans haben wir einige Wünsche hinterlegt, aber das muss natürlich auch alles finanzierbar sein. Wir haben übrigens auch einmal das Thema Carsharing in Angriff genommen, aber das wurde nicht gut genutzt.
Kommunen klagen überall über wirtschaftliche Probleme. Wie geht es Glandorf?
Wir werden jetzt tatsächlich erstmals in meiner Amtszeit keinen ausgeglichenen Haushalt schaffen. Dabei haben wir den Gewerbesteuer-Hebesatz schon von 380 auf 400 angehoben. Für uns ist das die Grenze, bei der Unternehmen nicht über Gebühr beansprucht werden. Wir brauchen aber Geld, um die Steigerungen beim offenen Ganztag, bei den Tariferhöhungen für das Personal und beim Wohngeld abfedern zu können. Mit der Politik haben wir vereinbart, dass wir uns jetzt externe Unterstützung holen, um unseren Haushalt einmal „auf links“ zu drehen und zu schauen, wo wir Einnahmen und Ausgaben optimieren können. Die gute Nachricht ist: Die Politik setzt in Glandorf auf die Sachthemen – da ziehen wir alle an einem Strang.
Welche Folgen hätte denn ein Sparkurs für die Menschen in Glandorf?
Die gesetzlichen Verpflichtungen werden nicht geändert. Freiwillige Leistungen wie Zuschüsse für Vereine stehen dagegen auf dem Prüfstand. Im Hallengartenbad in Glandorf werden die Eintrittspreise angehoben, und wir werden auch benachbarte Kommunen ansprechen, die das Bad für das Schulschwimmen nutzen. Perspektivisch kann man auch über die Grundsteuer nachdenken. Eigentlich muss sich der Haushalt über Steuerbeiträge rechnen, zuletzt waren dafür aber Kredite notwendig, die uns belasten.
Über die Gewerbesteuer haben Sie gesprochen. Sie kennen die Unternehmen vor Ort – schaffen die das?
Die Gewerbesteuer ist ja eher ein Spätindikator. Sie zeigt, wie es den Unternehmen vor ein bis zwei Jahren ging. Wir haben im vergangenen Jahr rund 4,8 Millionen Euro eingenommen, davor waren es weniger als vier Millionen. Das hat sich also positiv entwickelt. Im vergangenen Quartal hatten wir ein paar Gewerbesteuerrückzahlungen, aber meine Prognose ist, dass uns ein guter Branchenmix hilft.
Welche Rückmeldungen bekommen Sie denn aus den Unternehmen in Glandorf?
Beim jüngsten Unternehmerfrühstück ging es beispielsweise um Fachkräfte aus dem Ausland. Das ist für viele Unternehmen ein großes Thema. Hier unterstützt uns die WIGOS Wirtschaftsförderung Osnabrücker Land, aber auch die Arbeitsagentur. Außerdem ganz weit oben: Bürokratieabbau und damit verbunden die Verschlankung und Verkürzung von Genehmigungsprozessen wie Bauleitverfahren. Das dauert alles viel zu lange. Wir versuchen auch als Gemeinde, schnell zu arbeiten, müssen aber immer wieder Gutachten einholen – und das kostet viel Zeit.
Auch die Gemeinde selbst steht vor Herausforderungen.
Für uns wird es künftig um den Ausbau von Stromnetzen gehen. Das ist ein Standortthema, denn Unternehmen benötigen Energie, und dafür braucht es ein stabiles Netz. Wir sind durch große Windkraftanlagen eigentlich gut aufgestellt, weitere sechs solcher Anlagen sind geplant, aber der Strom muss eben auch verteilt werden. Die Kommunale Wärmeplanung ist ebenfalls ein großes Thema, das uns im Ortskern hilft, in den Außenbereichen aber nicht. Ein weiteres Thema ist der Wohnungsbau. Auf dem ehemaligen Feuerwehrgrundstück entstehen 36 neue Wohneinheiten. In den Ortsteilen Schwege und Schierloh rücken wir Eigenheime wieder in den Fokus, damit Familien hier vor Ort auch eine Heimat finden.
Auch das Thema Bildung gehört dazu.
Ich glaube, dass wir hier ganz gut aufgestellt sind. Zuletzt sind 60 neue Kitaplätze entstanden, damit können wir im Grunde allen Familien ein Angebot machen. Im Sommer startet der Ausbau der Grundschule, bei dem eine Mensa und ein Verwaltungsgebäude entstehen werden. In Schwege nutzen wir das Gebäude eines alten Kindergartens, um den Ganztag anzubieten. Insgesamt investieren wir im Kindergarten- und Schulbereich zwölf Millionen Euro. Das ist ein ordentliches Brett für Glandorf, aber für Bildung ist jeder Euro gut investiert.
Welche Themen haben Sie als Bürgermeister denn selbst noch im Kopf?
Ich glaube, die Digitalisierung ist ein großes Thema: von zu Hause aus verschiedene Dienstleistungen online beantragen, also das „Open Rathaus“, oder ein elektronischer Rechnungslauf. Da sind wir noch nicht, aber wir arbeiten daran. Und der Klimaschutz ist wichtig. Gemeinsam mit Bad Laer wollen wir in Glandorf eine Kläranlage schaffen – das ist ein großes Projekt.
Viel Arbeit also. Aber wenn Sie doch mal ausspannen wollen in der Gemeinde: Wo zieht es den Bürgermeister dann hin?
Ich verriet ja schon, dass wir eine tolle Eisdiele haben. Ein Milchshake oder ein klassisches Spaghetti-Eis – das ist schön. An der Windmühle oder an einem der zahlreichen Rastplätze zu sitzen, entspannt. Im Außenbereich von Glandorf gibt es dafür noch viele weitere schöne Flecken. Ich selbst brauche da nicht viel mehr.
Das Interview führte Carsten Schulte