Energie.Macher.Münsterland

„Nicht zu lange warten, sondern anfangen“

Die Energiewende im Münsterland hat Fahrt aufgenommen – aber sie ist noch eine Menge Arbeit. Silke Wesselmann, beim Kreis Steinfurt tätig als Leiterin des Amtes für Klimaschutz und Nachhaltigkeit sowie gleichzeitig Geschäftsführerin des energieland2050 e.V., erklärt im Interview, warum die Region schon gut dasteht, wo noch große Potenziale schlummern und weshalb Unternehmen nicht auf die perfekte Lösung warten sollten.

Silke Wesselmann, Geschäftsführerin des energieland2050 e.V. Foto: Kreis Steinfurt

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In Deutschland ist das Unternehmen mit zwei Standorten vertreten: Dülmen und Egelsbach. Am Standort Dülmen entstehen durch die Expertise und Erfahrung von über 160 Mitarbeitenden Maschinenlinien, die Vliesstoffe für Feuchttücher, Hygieneprodukte, Filtermedien oder Kunstledersubstrat herstellen.   

Dabei sind am Standort Dülmen sämtliche zentrale Unternehmensfunktionen angesiedelt: von der Forschung und Entwicklung über die Konstruktion, Montage, Qualitätssicherung, den Einkauf und das Controlling bis hin zu Service, Innen- und Außendienst. Zudem ist das Unternehmen international vernetzt und arbeitet eng mit Schwesterfirmen in den USA, Indien und China zusammen.  Nachhaltigkeit ist integraler Bestandteil der Entwicklung: Ressourcenschonender Materialeinsatz, energieeffiziente Prozesse und digitale Werkzeuge wie das Assistenzsystem T-ONE optimieren Qualität, Energieverbrauch und Materialeffizienz.  

Durch gezielte Investitionen in moderne Fertigungsbereiche und ergonomisch optimierte Arbeitsplätze stärkt Trützschler Nonwovens seine Position als einer der größten industriellen Arbeitgeber in der Region und verlässlicher Partner für den Wirtschaftsstandort Dülmen. 

Frau Wesselmann, die Energiewende gilt als Marathon, nicht als Sprint. Haben Sie das Gefühl, dass wir gerade auf der Zielgeraden sind oder eher an einer besonders steilen Etappe? 
Unser Zeitplan gibt eigentlich vor, dass wir langsam auf die Zielgerade einbiegen. Die Realität zeigt allerdings, dass die wohl anspruchsvollste Etappe vor uns liegt. Unser Ziel ist es, den Kreis Steinfurt bis 2040 klimaneutral zu machen – und damit sogar schneller zu sein als Land, Bund oder EU es vorgegeben haben. Dafür müssen wir das Tempo beim Ausbau der erneuerbaren und beim Ausstieg aus den fossilen Energien erhöhen. 

Es gibt also noch eine Menge zu tun. Welche Zeugnisnote würden Sie dem Münsterland heute in Sachen Energiewende geben? 
Im Vergleich mit anderen Regionen würde ich dem Münsterland eine Zwei geben. Wir haben in den vergangenen Jahren bereits sehr viel erreicht. Die Ausbauzahlen in den Bereichen Windenergie, Photovoltaik oder Bioenergie sind für eine ländliche Region wie unsere sehr gut. Zumindest die Stromwende haben wir schon gut geschafft. Gleichzeitig sind die Ziele so ambitioniert und der Zeitplan so eng, dass relatives „gut“ allein nicht ausreicht. Wir müssen in den anderen Sektoren noch besser werden.

Woran hapert es denn noch? 
Die größeren Herausforderungen liegen jetzt in der energetischen Gebäudesanierung, beim Energiesparen sowie beim Umstieg auf klimafreundliche Wärme und Mobilität. Diese Maßnahmen sind deutlich investitionsintensiver und oft nicht unmittelbar wirtschaftlich. Aber wenn wir die Energiewende ganzheitlich schaffen wollen, müssen wir in diesen Bereichen jetzt konsequent nachlegen. 

Wo stehen wir heute im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland? 
Beim Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung gehört das Münsterland zu den führenden Regionen in Nordrhein-Westfalen und auch deutschlandweit zu den Vorreitern. Im Kreis Steinfurt wird der Strombedarf beispielsweise inzwischen nahezu vollständig aus erneuerbaren Energien gedeckt, wir decken fast 100 Prozent unseres Stromverbrauchs selbst. Gerade im Vergleich zu Ballungsräumen, in denen zum Beispiel Windkraft aus strukturellen Gründen keine so große Rolle spielen kann, haben wir als ländliche Region klare Vorteile. Anders sieht es bei den übrigen Bausteinen der Energiewende aus: Bei der energetischen Gebäudesanierung, der klimafreundlichen Wärmeversorgung oder der Mobilität bewegen wir uns eher im guten Durchschnitt. Das Münsterland ist eine starke Region mit einer prosperierenden Wirtschaft. Insofern haben wir eigentlich gute Ressourcen, um uns zukunftsfest aufzustellen.

Unsere ländliche Struktur hilft also bei der Energiewende? 
Ja, zum Beispiel auch durch die hohe Ein- und Zweifamilienhausquote. Wer ein Eigenheim besitzt, installiert vielleicht eine Photovoltaikanlage, ergänzt später dann eine Wärmepumpe und steigert seinen Eigenverbrauch noch über die Anschaffung eines Elektroautos, das bequem zu Hause geladen wird. In diesem Fall spielt die öffentliche Ladeinfrastruktur, die in Ballungsgebieten sicherlich stärker ausgebaut ist, oft eine deutlich geringere Rolle. Herausfordernder ist die Situation allerdings für Mieterinnen und Mieter in verdichteten Innenstädten. Dort können sie weder günstigen Strom vom Dach nutzen noch ein Ladekabel vom Haus zur Parkbucht legen. Öffentliche Ladesäulen dagegen sind zu selten und teuer. Um den Umstieg auf Elektromobilität attraktiver zu machen, brauchen wir deshalb eine flächendeckende, bezahlbare Ladeinfrastruktur und intelligente Stromtarife. 

Sie haben bereits die verschiedenen Bereiche der erneuerbaren Energien angesprochen. Windkraft, Photovoltaik (PV) oder Biogas zum Beispiel. In welchem Feld sehen Sie die Region besonders stark aufgestellt? 
Sowohl bei der Windenergie als auch bei der Photovoltaik ist das Münsterland bereits heute gut aufgestellt. Bei der installierten Leistung liegen beide Technologien in der Region nahezu gleichauf. Im Kreis Steinfurt beträgt die installierte Leistung bei Windkraft und PV jeweils rund 600 Megawatt peak. Allerdings darf man nicht nur auf die installierte Leistung schauen: Windenergieanlagen erreichen deutlich mehr Volllaststunden – etwa 2.400 – als Photovoltaikanlagen mit rund 900 Stunden. Windräder erzeugen deshalb über das Jahr gerechnet wesentlich mehr Strom. Gleichzeitig gibt es in beiden Bereichen noch erhebliche Ausbaupotenziale. Bei der Windenergie sehen wir – rein von den verfügbaren Flächen aus betrachtet – noch die Möglichkeit, die ins­tallierte Leistung etwa zu verdreifachen. Das bedeutet allerdings nicht, dass künftig dreimal so viele Windräder in der Landschaft stehen. Ein großer Hebel ist das Repowering. 

Also neue Anlagen mit mehr „Schmackes“ dahinter? 
(lacht) Ganz genau. Viele der bestehenden Anlagen sind bereits 20 Jahre oder älter und werden nach und nach durch moderne, deutlich leistungsstärkere Windenergieanlagen ersetzt. Dadurch lässt sich die Stromerzeugung vervielfachen, obwohl die Zahl der Anlagen insgesamt nur moderat steigt. Noch größer ist das Potenzial bei der Photovoltaik.  

Und zwar? 
Gerade bei Dachanlagen wäre theoretisch sogar eine Verfünffachung der installierten Leistung möglich. Zwar sieht man inzwischen auf vielen Gebäuden Solaranlagen, gleichzeitig gibt es aber – insbesondere auf den Dächern von Unternehmen, landwirtschaftlichen Betrieben und großen Gewerbeimmobilien – noch sehr viele geeignete Flächen, die bislang ungenutzt sind. Das zeigt auch unser Solarkataster: Viele Dächer bieten hervorragende Voraussetzungen für Photovoltaik und sind dennoch noch nicht belegt. Hier liegt für die kommenden Jahre ein enormes Ausbaupotenzial. Wie viel erneuerbare Energie wir erzeugen, können wir für den Kreis Steinfurt übrigens ganz transparent nachverfolgen. 

Wie? 
Wir haben einen „Energiemonitor” aufgesetzt, der sichtbar macht, was die Energiewende vor Ort tatsächlich leistet – und das ist wirklich spannend. Er berechnet, wie viel Strom im Kreis Steinfurt aktuell aus erneuerbaren Energien erzeugt und wie viel gleichzeitig verbraucht wird. Dabei fließen zum Beispiel Wetter- sowie Verbrauchsdaten und Angaben aus dem Marktstammdatenregister ein. Der Monitor vermittelt so im Viertelstundentakt ein sehr realistisches Bild. Vor allem schafft er Transparenz. Er zeigt, dass sich der Ausbau der erneuerbaren Energien messen lässt und dass die Fortschritte, die wir in der Region erzielen, tatsächlich Wirkung entfalten. Das ist nicht nur für die Bürgerinnen und Bürger interessant, sondern auch für Politik und Wirtschaft. Der Monitor macht Zusammenhänge sichtbar – etwa, wie Erzeugung und Verbrauch im Tagesverlauf zusammenhängen.  

Welche Rolle spielt da eigentlich Wasserstoff? 
Grundsätzlich ist Wasserstoff ein sehr spannender Energieträger. Das Problem ist derzeit vor allem seine Herstellung: Sie ist sehr energieintensiv und wegen der hohen Umwandlungsverluste vergleichsweise teuer. Wirtschaftlich interessant wird Wasserstoff erst dann, wenn wir sehr große Mengen erneuerbarer Energie zur Verfügung haben, die wir nicht mehr direkt ins Stromnetz einspeisen können. Wenn wir diesen Strom per Elektrolyse in Wasserstoff umwandeln und ihn für verschiedene Zwecke nutzen können, wäre das natürlich ideal. Das ist jedoch derzeit nicht wirtschaftlich darstellbar. Hinzu kommt, dass sich die Batterietechnologie in den vergangenen Jahren rasant weiterentwickelt hat. Strom lässt sich heute häufig effizienter in Batteriespeichern „zwischenlagern”. Die Batterietechnik übernimmt damit vielfach die Rolle, die man ursprünglich dem Wasserstoff als Energiespeicher zugedacht hatte. Was vor fünf Jahren vielerorts noch als zu teuer oder technisch kaum realisierbar galt, ist heute Realität: Lkw, Busse und sogar Landmaschinen fahren inzwischen mit Batterien. Das bedeutet allerdings nicht, dass Wasserstoff keine Zukunft hat. Gerade in Bereichen wie der Luftfahrt, der Stahlproduktion oder der chemischen Indus­trie spielt Wasserstoff eine wichtige Rolle.

Wo erleben Sie aktuell die größten Hemmnisse beim Ausbau der erneuerbaren Energien – sind es Genehmigungsverfahren, regulatorische Vorgaben, Fachkräftemangel oder andere Faktoren? 
Ein großes Thema ist nach wie vor der Netzausbau. Gerade bei Photovoltaik stoßen wir im ländlichen Raum immer häufiger an Kapazitätsgrenzen. Wenn beispielsweise ein landwirtschaftlicher Betrieb eine größere Dach- oder Freiflächenanlage errichten möchte, kann es passieren, dass der Netzbetreiber den Anschluss zunächst nicht ermöglichen kann, weil das Verteilnetz ausgelastet ist. Hinzu kommen lange Lieferzeiten und hohe Kosten bei wichtigen Komponenten wie Transformatoren. Das bremst den Ausbau. Noch gravierender ist derzeit allerdings die rechtliche Unsicherheit.  

Inwiefern? 
Viele Investoren warten auf Klarheit darüber, wie die künftigen Rahmenbedingungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes aussehen. Es wird über Änderungen bei der Förderung von Photovoltaik- und Windenergieanlagen diskutiert. Gleichzeitig ist offen, wie sich die Vergütung künftig entwickelt. Für Projektentwickler und Banken ist diese Unsicherheit ein echtes Problem. Wenn sich die Wirtschaftlichkeit eines Projekts nicht mehr verlässlich kalkulieren lässt, werden Investitionen verschoben oder gar nicht erst umgesetzt. Viele Windenergieprojekte gehen deshalb noch schnell in die Ausschreibung, weil niemand weiß, wie die Rahmenbedingungen künftig aussehen. Das erhöht den Wettbewerb und drückt die Vergütungssätze. Die Folge: Es gibt bereits genehmigte Projekte, die sich wirtschaftlich nicht mehr rechnen und deshalb vorerst nicht gebaut werden. Das ist aus meiner Sicht eine gefährliche Entwicklung. Die Bereitschaft, zu investieren, ist grundsätzlich vorhanden – bei Unternehmen ebenso wie bei Landwirten oder Projektentwicklern. Entscheidend ist aber, dass die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen verlässlich bleiben. Nur dann kann der Ausbau der erneuerbaren Energien mit dem notwendigen Tempo weitergehen. 

Welche Rolle spielt denn die Wirtschaft? 
Die Unternehmen in unserer Region sind beim Thema Energie sehr wach und rechnen genau. Wenn sich eine Investition wirtschaftlich lohnt, wird sie in der Regel auch umgesetzt. Das gilt insbesondere für Photovoltaikanlagen auf Unternehmensdächern. Gerade Betriebe mit einem hohen Stromverbrauch, wie beispielsweise produzierendes Gewerbe, können den erzeugten Strom direkt selbst nutzen. Der Eigenverbrauch ist der wirtschaftlichste Weg und sorgt dafür, dass sich eine Anlage innerhalb einiger Jahre amortisieren kann. Bei Projekten, die sich wirtschaftlich schwieriger darstellen – wenn etwa viel Dachfläche, aber nur ein geringer Eigenverbrauch vorhanden ist –, braucht es andere Modelle. Hier können beispielsweise Energiegenossenschaften einspringen. Sie haben andere Renditeerwartungen als Unternehmen und können solche Projekte dadurch trotzdem betreiben. Eine besondere Stärke im Kreis Steinfurt sind außerdem die Bürgerwindparks. 
 
Erklären Sie das mal.  
Bürgerwindprojekte werden von den Flächenbesitzern selbst projektiert und verantwortet. Sie ermöglichen der Region, unmittelbar von der Energiewende zu profitieren. Bürgerinnen und Bürger bekommen das Angebot, direkt zu investieren. Sie erhalten dadurch eine finanzielle Rendite und werden zugleich zu aktiven Gestaltern der Energiewende. Das stärkt die Identifikation mit lokalen Projekten und erhöht die gesellschaftliche Akzeptanz. Regionale Unternehmen und Banken sind beteiligt, die Wertschöpfung bleibt in der Region. Diese weitreichende Form direkter Bürgerbeteiligung ist in Deutschland ziemlich einzigartig. Sie wird in unseren Leitlinien Bürgerwind definiert und seit Neuerem auch durch den energieland2050 e.V. zertifiziert.

Apropos energieland2050 e.V. – was macht der Verein, insbesondere für Unternehmen?
Vielen Unternehmern fehlt im Alltag schlicht die Zeit, sich intensiv mit ihren Energiefragen zu beschäftigen. Oft würde schon eine kurze Erstberatung zeigen, welche Maßnahmen wirtschaftlich sinnvoll sind. Genau dabei möchten wir mit unserem Verein energieland2050 unterstützen – nie­drigschwellig und praxisnah. 

Mit welchen Fragen kommen die Unternehmen am häufigsten auf Sie zu? 
Viele Unternehmen beschäftigen ganz praktische Fragen: Lohnt sich für meinen Betrieb eine Photovoltaikanlage? Wo kann ich Energie einsparen? Genau hier setzen wir an. Wir bieten eine kostenlose Erstberatung an, verschaffen einen Überblick und zeigen auf, wo Potenziale liegen. Dabei verstehen wir uns bewusst als Lotsen und nicht als Marktteilnehmer. Wenn sich aus der Erstberatung weiterer Handlungsbedarf ergibt, vermitteln wir an qualifizierte Fachbetriebe oder unsere energieland2050-Berater und informieren auch über passende Fördermöglichkeiten. Dafür werden wir auch dieses Jahr wieder kostenfreie Erstberatungen anbieten. 

Bei der Energiewende geht es also auch darum, die richtigen Akteure miteinander zu vernetzen. Mit dem energieland2050 e.V. wollen Sie gleichermaßen Kommunen, Wirtschaft und Wissenschaft im Kreis Steinfurt zusammenbringen. Wie gelingt Ihnen das bislang? 
Unser Verein feiert im kommenden Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Entstanden ist er aus einem Unternehmensnetzwerk, das später in eine Vereinsstruktur überführt wurde. Heute verstehen wir uns vor allem als Netzwerk-Knotenpunkt und Anlaufstelle für alle, die Fragen rund um die Energiewende haben: Wer kann mich unterstützen? Wo finde ich den richtigen Ansprechpartner? Welche nächsten Schritte sind sinnvoll? Unsere Rolle ist dabei weniger, alles selbst umzusetzen. Mit unserem Team können wir nicht jede Aufgabe persönlich begleiten. Vielmehr arbeiten wir mit vielen Multiplikatoren zusammen und bringen die richtigen Menschen und Kompetenzen zusammen. Wir verstehen uns auch als Scout für neue Themen: Wir greifen Entwicklungen auf, bieten beispielsweise Veranstaltungen, Webinare oder telefonische Erstberatungen an und helfen dabei, erste Fragen zu klären. Gleichzeitig bietet das Netzwerk unseren Mitgliedsunternehmen eine Plattform, um sichtbar zu werden. Unternehmen können zeigen, dass sie Teil der regionalen Energiewende sind – ob als Unternehmen in der Erneuerbaren-Branche, als Berater, als Gewerbe- und Handwerksbetrieb, als Stadtwerk oder Finanzpartner. Genau diese Vielfalt macht unser Netzwerk aus.

 Welche größeren Projekte haben Sie in diesem Zusammenhang bislang umgesetzt? 
Ein Beispiel ist die Servicestelle Windenergie, die beim energieland2050 e.V. angesiedelt ist und über das EU-Förderprogramm LEADER unterstützt wird. Mit dieser Servicestelle begleiten wir insbesondere den Ausbau von Bürgerwindparks im Kreis Steinfurt und bringen die verschiedensten Interessensgruppen an einen Tisch. Es geht beispielsweise um ein gemeinsames Verständnis von Bürgerwind, um die Berücksichtigung von Arten- und Naturschutz, um rechtliche Rahmenbedingungen. Wir entwickeln unter anderem Musterverträge, die zwischen Kommunen und Bürgerwindparks geschlossen werden. Darüber hinaus organisieren wir jährlich einen Bürgerwindgipfel und begleiten lokale Projekte, bei denen es um den Austausch und den Umgang mit möglichen Konflikten geht. Unser Ziel ist es, verschiedene Interessen zusammenzubringen und Lösungen zu ermöglichen. Ich bin überzeugt: Ohne die Servicestelle Windenergie hätte sich die Bürgerwindlandschaft im Kreis Steinfurt nicht in dieser Form entwickeln können. Sie ist über die Jahre zu einem wichtigen Knotenpunkt in einem regionalen Netzwerk vieler engagierte Akteure geworden, das die regionale Energiewende gemeinsam voranbringt. 

Welche besonderen Schwerpunkte wollen Sie mit Ihrem Verein in den kommenden Monaten setzen? 
Ein wichtiges Thema bleibt für uns die Bürgerwindenergie mit dem Bürgerwindgipfel als großes Netzwerktreffen Ende September. Darüber hinaus bieten wir in ausgewählten Quartieren Beratungen zur Gebäudesanierung an und informieren breit zum Thema Wärmepumpen, insbesondere beim Wärmepumpeninfotag im November – offen für alle Interessierten. Für Unternehmen bieten wir ab Herbst kostenfreie Erstberatungen an. Und natürlich haben auch die Kollegen für BNE – also Bildung für nachhaltige Entwicklung – ein schönes Programm für Schulen und Kitas aufgelegt. Darüber hinaus ist es uns wichtig, die positive Stimmung und den Einsatz für die Energiewende wieder stärker in den Vordergrund zu rücken.  

Reden wir zu viel über Probleme und zu wenig über Fortschritte? 
Ja und nein. Die Diskussionen rund um das Gebäudeenergiegesetz und die Wärmeversorgung haben einfach viel Unsicherheit ausgelöst. Viele Menschen fragen sich: Welche Lösung passt zu mir? Welche Fördermöglichkeiten gibt es? Lohnt sich eine Wärmepumpe? Manche warten noch auf Wasserstoff – aus unserer Sicht ist aber klar: Die Zukunft der Energieversorgung wird vor allem elektrisch sein, nicht molekülgetrieben. Deshalb wollen wir verstärkt positive Beispiele zeigen. Mit unseren Solar- und Wärmebotschaftern haben wir Menschen, die aus eigener Erfahrung berichten können, welche Vorteile erneuerbare Energien im Alltag bringen. Diese Geschichten wollen wir stärker erzählen. 

Bei welcher Floskel zur Energiewende verdrehen Sie innerlich die Augen?  
Was ich tatsächlich häufig höre und schwierig finde, ist: „Ich warte noch auf das Wasserstoffauto“ oder „Ich warte noch ein paar Jahre, dann kommt die Wasserstoffheizung.“ Dahinter steckt manchmal eine Ausrede, oft aber der Irrglaube, dass irgendwann die perfekte Lösung kommt, die günstiger, einfacher und besser ist. Meine Empfehlung ist: nicht zu lange warten, sondern anfangen. Niemand weiß genau, wie sich die Förderbedingungen und Rahmenbedingungen in Zukunft entwickeln werden. Wer sich heute energetisch modernisiert, wird unabhängiger, selbstbestimmter und senkt die Kosten für die kommenden Jahre. 

Lassen Sie uns abschließend in die Glaskugel schauen: Wo steht das Münsterland in Sachen Energieerzeugung im Jahr 2050? 
Unser eigentliches Ziel ist es ja, bereits 2040 klimaneutral zu sein. Das ist ambitioniert und wird eine große Herausforderung. Wenn wir aber einmal bis 2050 schauen, dann ist meine Erwartung: Spätestens dann sollten wir die Energie, die wir hier verbrauchen, auch bilanziell selbst erzeugen können. Das bedeutet: Wir nutzen unsere erneuerbaren Potenziale so umfassend, dass wir daraus auch unsere Wärmeversorgung und Mobilität elektrifizieren können. Fossile Energieträger sollten dann der Vergangenheit angehören – also keine Gasheizungen, keine Öltanks und keine fossilen Antriebe mehr. Stattdessen sehen wir eine Region, in der Wärmepumpen und Wärmenetze selbstverständlich sind und die Mobilität weitgehend elektrisch funktioniert. Die Potenziale bei Windenergie und Photovoltaik werden erschlossen sein. Auch Biogas wird weiterhin eine Rolle spielen – dort, wo es sinnvoll eingesetzt wird, beispielsweise für Wärmenetze oder grundlastfähige Stromerzeugung in Dunkelflauten. Meine Erwartung für 2050 ist deshalb: Die Region erzeugt ihre Energie selbst und 

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