Für die Wärmewende ist eine aktiv positive Bewegung aller Akteure erforderlich: die Kommune in der Wärmeplanung, die Bürger in ihren individuellen Entscheidungen und auch die unternehmerischen Entscheidungen der Lieferanten, beispielsweise für Biogas, Wärme und Abwärme. Anders als bei der Stromwende genügt in der Wärmewende weder ein bloßes Abwägen des Für und Wider noch ein passives Mittragen. „Wir brauchen eine starke Gemeinschaft, die die Veränderungen trägt und sich aktiv einbringen will“, betont Franziska Probst, Ingenieurin für Energietechnik bei ENWELO. Dabei bringt jeder Akteur eigene Rahmenbedingungen mit, die in einer Konzeption für die spätere Umsetzung früh mitgedacht werden müssen. Ein Beispiel hierfür ist ein Nahwärmenetz. Die Erzeugung von Wärme und Strom in einem Biogas-Blockheizkraftwerk kann eine wirtschaftliche Alternative zu dezentralen Wärmepumpen sein: Die Kette beginnt beim Energiepflanzenanbau, führt über die Biogasanlage zur Kraft-Wärme-Kopplungsanlage, die flexibel auf den Strommarkt reagiert und netzdienlich Strom und Wärme erzeugt. „Ein Wärmespeicher entkoppelt die Erzeugung vom aktuellen Bedarf und sorgt damit für Wirtschaftlichkeit“, erklärt Frau Probst. Über die Netzanschlüsse ist auch der Stromnetzbetreiber eingebunden. Am Ende steht der Endkunde, der sich entscheiden muss: Vertrag, Heizungsumbau und eine echte Bindung für die nächsten Jahre.
Für ein erfolgreiches Konzept sind Transparenz und Aufklärung wichtige Bausteine. „Analysen und Fragestellungen stehen im Vordergrund, um jedes Interesse, jede Sorge und jede Chance frühzeitig mitdenken zu können – und so eine Umsetzung zu ermöglichen“, erläutert Frau Probst.
Vernetzte Akteure
Im nächsten Schritt müssen Wirtschaftlichkeitsberechnungen erarbeitet werden, um die Preiswürdigkeit der Nahwärme zu belegen. Befragungen der Anwohner zu Anschlussquoten und Anschlussentwicklungen sind auszuwerten und einzuschätzen. Dabei ist es wichtig, die öffentlichen Planungsbelange wie Straßensanierungen mit einzubeziehen. „Wir sehen die fehlende Rolle in einer Entwicklungsgesellschaft – einer Gesellschaft, die hilft, Projekte zu initiieren, umzusetzen und für die Fragestellungen der Akteure den passenden Partner zu finden“, verdeutlicht die Ingenieurin. Besonders in kleinen Städten und ländlichen Regionen mit gut vernetzten Akteuren biete sich die Gründung einer solchen Gesellschaft als Schlüssel für die Wärmewende an.
Unter Beteiligung regionaler Akteure kann so ein tragfähiges Modell entstehen: mit dem örtlichen oder regionalen Handwerk für den Leitungsbau und den Betrieb der Netze, mit den Energie-Landwirten als Betreiber von Biogasanlagen und der KWK-Erzeugung für Wärme und Strom und mit den Bürgern als Kunden und aktive Mitgestalter sowie durch die Beteiligung über Bürgergenossenschaften. Gemeinden, Stadtwerke und Unternehmen, die diesen Weg gehen wollen, finden bei ENWELO einen Partner, der die Wärmewende lokal denkt und sie gemeinsam umsetzt.