Borken

Insolvenzvorkommen erreicht Höchststand seit 2013

Münsterland - Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2026 um 7,8 Prozent auf 12.900 Fälle gestiegen und hat damit den höchsten Stand seit 2013 erreicht. So heißt es in einer Mitteilung der Wirtschaftsauskunftei und des Inkassodienstleisters Creditreform. Hauptursachen sind die anhaltende wirtschaftliche Stagnation sowie gestiegene Energie- und Rohstoffpreise infolge des Nahost-Konflikts. Betroffen sind zunehmend junge Betriebe und Großunternehmen, während die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ebenfalls leicht zunahm.

Symbolbild: Insolvenzen in Deutschland. Grafik: WA mit KI

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Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland sei im ersten Halbjahr 2026 um 7,8 Prozent auf 12.900 Fälle gestiegen, was den höchsten Stand seit dem Jahr 2013 darstelle. Wie es in einer Mitteilung der Creditreform Wirtschaftsforschung aus Neuss heißt, sind viele Betriebe nach Jahren der wirtschaftlichen Stagnation und Rezession finanziell geschwächt. Der durch den Iran-Konflikt ausgelöste Öl- und Energiepreisschock habe die Situation zusätzlich verschärft. Auch bei den Privatpersonen stiegen die Insolvenzzahlen weiter. Im ersten Halbjahr 2026 wurden rund 38.800 Verbraucherinsolvenzen gemeldet, was einem Zuwachs von 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (37.920 Fälle) entspricht.

„Die steigenden Insolvenzzahlen offenbaren eine tiefe strukturelle Krise bei unseren Unternehmen, die durch den Konflikt im Nahen Osten noch mal verschärft wurde. Der erhoffte Konjunkturaufschwung ist durch die monatelange Blockade der Straße von Hormus bisher ausgeblieben“, erklärt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. Vor allem der Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise habe Unternehmen und Verbraucher belastet. Die Schadenssumme infolge von Unternehmensinsolvenzen belief sich im ersten Halbjahr 2026 auf rund 28,5 Milliarden Euro. Zudem waren im bisherigen Jahresverlauf rund 165.000 Arbeitsplätze betroffen, nachdem es im ersten Halbjahr 2025 noch 143.000 waren. „Immer mehr Unternehmen geraten zwischen die Auswirkungen von schwacher Nachfrage, hohen Kosten und anhaltender Unsicherheit. Der Pleite-Höhepunkt ist noch nicht erreicht. Diese Entwicklung wird sich erst dann wieder stabilisieren, wenn die Wirtschaft endlich wächst. Nach jetzigem Stand also frühestens 2027“, so Hantzsch weiter.

Junge Betriebe und Großunternehmen unter Druck

Die Untersuchung zeigt einen Anstieg bei jungen Unternehmen im Alter von bis zu zwei Jahren. In dieser Altersgruppe nahm die Zahl der Insolvenzen um 25,3 Prozent zu. Bei Unternehmen im Alter von drei bis vier Jahren betrug das Plus 11,1 Prozent. „Nach jahrelangem Rückgang werden nun wieder mehr Unternehmen gegründet. Viele Menschen suchen ihr Heil in der Selbstständigkeit, weil die Spannungen am Arbeitsmarkt signifikant zunehmen. Mehr Gründungen heißt aber auch, dass mehr scheitern. Das schwierige Umfeld verzeiht keine Fehlkalkulationen“, so Hantzsch.

Größere Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten verzeichneten im ersten Halbjahr 2026 einen Anstieg der Insolvenzen um 28,6 Prozent. Der überwiegende Teil der Insolvenzfälle entfällt jedoch weiterhin auf Kleinunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten, die 81,0 Prozent aller Fälle ausmachen. Zu den Großinsolvenzen des Jahres zählten die Hotelkette Revo Hospitality Group mit rund 5.000 Beschäftigten sowie die Feneberg Lebensmittel GmbH aus Kempten (Allgäu) mit rund 2.900 Mitarbeitern. Im Handel kam es gegen den Trend zu einem Rückgang der Insolvenzzahlen um 1,3 Prozent. Im Baugewerbe war ein Zuwachs um 4,5 Prozent zu verzeichnen, während im Dienstleistungssektor die Zahl der Insolvenzen um 12,6 Prozent stieg. Fast 7.900 Insolvenzen entfielen auf diesen Wirtschaftsbereich, dessen Anteil am Gesamtgeschehen damit auf 61,2 Prozent stieg.

„Der Dienstleistungssektor steht gleich von mehreren Seiten unter Druck. Viele Betriebe sind klein, verfügen nur über begrenzte finanzielle Reserven und hängen oft von wenigen Auftraggebern ab. Gleichzeitig verändern Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz deren Geschäftsmodell. Wer sich nicht schnell genug anpasst, gerät ins Hintertreffen und wird selbst zum Treiber der steigenden Insolvenzzahlen“, erklärt der Insolvenzforscher.

In einem Schwerpunkt betrachtet die Studie die Fähigkeit der Unternehmen, ihre Kreditverpflichtungen zu erfüllen. Die Auswertung zeigt, dass immer mehr Unternehmen ihre Zinszahlungen nicht mehr ausreichend aus dem operativen Ergebnis decken können. Bei 7,5 Prozent der Unternehmen reichte das operative Ergebnis 2024 nicht aus, um die anfallenden Zinszahlungen zu bedienen (2015: 6,5 Prozent). Besonders betroffen ist der Dienstleistungssektor, in dem 9,1 Prozent der Unternehmen keine ausreichende Zinsdeckung erreichten. Eine Verschlechterung der Schuldentragfähigkeit ist in den vergangenen Jahren auch bei Großunternehmen zu beobachten (2024: 10,0 Prozent; 2015: 7,0 Prozent). „Die lange Rezession und die schwache Konjunktur führten zu rückläufigen Umsätzen und Erträgen. Gleichzeitig waren viele Unternehmen mit Krediten belastet, die infolge der Inflationsbekämpfung der Europäischen Zentralbank 2022/2023 deutlich teurer geworden waren. Kreditgeber müssen nun verstärkt mit Zahlungsausfällen rechnen“, schließt Hantzsch.

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