Bohmte

„Wir setzen auf Zukunftsthemen wie erneuerbare Energien“

Seit 2001 ist Markus Kleinkauertz in der Kommunalpolitik engagiert. Der heute 56-Jährige ist seit 2023 hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Bohmte. Er wurde gewählt, nachdem seine Amtsvorgängerin Tanja Strotmann ihr Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgab. Was er bisher angestoßen hat und welche Pläne er für die Gemeinde Bohmte hat, verrät er im Interview mit Wirtschaft aktuell.

Markus Kleinkauertz. Foto: Schulte

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Herr Kleinkauertz, viele Gemeinden klagen über wirtschaftlichen Druck, über Verschiebung von Pflichten von Bund und Ländern ins Lokale. Was macht das mit der Gemeinde Bohmte? 

Zunächst ist es so, dass auch unsere Gemeindefinanzen nicht ausgeglichen sind. Da reihen wir uns bei vielen Kommunen ein. Aber es geht uns im Vergleich noch ganz gut. Allerdings ist es als Flächengemeinde schon eine Herausforderung, das große Straßen- und Wegenetz instand zu halten. Auch die kommunale Wärmeplanung ist, wie der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder, schwierig. Aber wir gehen es schrittweise an.

Und Sie investieren sogar.

Das tun wir, weil wir uns sehr bewusst sind, dass es keine scharfe Trennung zwischen weichen und harten Standortfaktoren mehr gibt, dass die weichen Faktoren dafür sorgen, dass alles andere nicht zu hart wird. Wir sanieren ein Freibad für fünf Millionen Euro, wir verfügen in allen drei Ortsteilen über hervorragende Sporteinrichtungen, wir können bedarfsgerecht Krippen- und Kitaplätze anbieten. Und wir weisen Bauplätze aus, bei denen wir zudem rechtzeitig vom klassischen Einfamilienhaus auch Mehrfamilienhäuser und sogar Stellplätze für Tiny Houses in den Fokus gerückt haben. 

Und das spüren Sie?

Ja, denn es bedeutet, dass Unternehmen tatsächlich Fachkräfte nach Bohmte locken können. Was nützt ein Arbeitsplatz, wenn die Familie nicht mitzieht? Wir bieten eine abwechslungsreiche Gastronomie, einen lebendigen Einkaufsstandort und ein kulturelles Angebot. 

Der Wohnungsbau ist auch deshalb wichtig, oder?

Natürlich. Die kleinen, bezahlbaren Wohnungen fehlen uns im Moment. Aktuell hilft uns die Aufhebung der Stellplatzpflicht. Jetzt bauen Investoren wieder, die vorher gezögert haben. Der Nachteil: Aufs Auto werden die wenigsten verzichten, das wird den Parkdruck erhöhen. 

Hilft Ihnen denn die Lage mit der Nähe zu Osnabrück?

Wir sind sicher nicht der Speckgürtel von Osnabrück. Tatsächlich sind wir sogar eher nach Ostwestfalen hin orientiert. Aber der Bahnanschluss nach Osnabrück, mehr sogar der Ausbau der B51 ist natürlich ein Pfund.

Weil Sie den Bahnanschluss erwähnen: Der Bahnhof wird aktuell kräftig umgebaut. 

Das ist uns auch wichtig, ich stehe dazu in intensivem Austausch mit der Bahn. Derzeit stecken wir im barrierefreien Umbau und haben endlich die kleine Bahnhofshalle saniert. Bis 2027 wollen wir dort mit Aufzügen und erhöhten Bahnsteigen komplett barrierefrei sein. Wenn das abgeschlossen ist, kommt das alte Bahnhofsgebäude selbst dran. Rund 600 Quadratmeter Fläche bietet es, die wir gut nutzen wollen. Geplant ist unter anderem eine größere Halle mit kleinem Bistro und auch einem Veranstaltungsraum. Darüber ist Platz für Praxen. Und das alles ist schon ein Standortfaktor: Nach Osnabrück geht es in wenigen Minuten, nach Bremen in einer halben Stunde. 

Zugleich geht es darum, Bohmte selbst zu entwickeln. Was tun Sie dafür?

Wir haben noch Förderungen für einige Projekte zur Dorfentwicklung, das ist erst einmal schön. Wir streben aber auch noch eine Bürgerbeteiligung an, um private Investitionen anzuregen. Einige Projekte konnten wir schon erfolgreich umsetzen, unter anderem eine Gemeinschaftshalle in Stirpe. Im kommenden Jahr wollen wir den Jugendtreff modernisieren oder sogar neu bauen – das planen wir gerade. Ein ganz großer Brocken ist noch unsere Oberschule, die wir umfassend sanieren müssen. Dabei gibt es die Überlegung, die Schulform zu erweitern, als inte­grierte Gesamtschule oder gymnasiale Oberstufe. 

Das können Sie stemmen?

Das trauen wir uns zu, weil sich die Gewerbesteuern bis zum Ende des Jahrzehnts signifikant erhöhen werden. 

Wie das?

Weil wir in Bohmte auf Zukunftsthemen wie erneuerbare Energien setzen, beispielsweise mit einer großen Biomethananlage im neuen Hafen oder mit unserer grünen Steckdose, der Konverterstation für BalWin 1 + 2, sowie mit diversen Batteriespeichern, die folgen werden. Und für die Gewerbegebiete Hunteburg und Bohmte Nord weisen wir zusätzliche Flächen für kleinteilige Ansiedlungen aus. Da kommt ein guter, siebenstelliger Steuerbetrag für unsere Gemeinde zusammen. 

Geld, das Bohmte benötigt, wie Sie beschrieben haben. Was steht denn noch auf der Agenda? 

Wir wollen das Thema Jugendbeteiligung massiv angehen. Vom Dirtpark, den wir bis Anfang 2026 umsetzen, bis zum gerade erwähnten Jugendtreff. Wenn man jungen Menschen zuhört, macht man die Gemeinde zukunftsfähig.

Zum Schluss die Frage: Wo verbringt denn der Bürgermeister gerne seine Zeit?

Ich genieße im Außenbereich der Gemeinschaftshalle Stirpe den Blick ins Wiehengebirge oder trinke gerne einen Kaffee an unserem Shared Space, einer Kreuzung ohne Verkehrszeichen, und verfolge das Treiben dort. Mit meinem Hund bin ich gerne auf der Freizeitwiese an der Römerbrücke Hunteburg, da gibt es einen tollen Wanderweg zwischen der Elze und der Hunte.

Das Interview führte Carsten Schulte

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