Bissendorf

Nachhaltigkeit: „Der größte Fehler ist, das Thema auf die lange Bank zu schieben“

Die Umstellung auf erneuerbare Energie ist der Ursprung des Geschäftsmodells von Osnatech in Bissendorf und eines der Kernelemente der neuen EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichtserstattung (CSRD). Warum das Unternehmen, das nach der CSRD eigentlich noch gar nicht reportingpflichtig wäre, sich nun doch selbst frühzeitig damit auseinandersetzt, und welche Rolle dabei auch die enge Zusammenarbeit mit der WIGOS Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Landkreis Osnabrück spielt, erklären Malte Sulkiewicz, Marketingleiter bei Osnatech, und André Schulenberg vom UnternehmensService bei der WIGOS, im Interview.

André Schulenberg (WIGOS-UnternehmensService, links) und Malte Sulkiewicz (Osnatech) – hier zu sehen mit einem speziellen, ultraleichten Photovoltaik-Modul für Dächer und Fassaden – arbeiten in Sachen Nachhaltigkeit eng zusammen. Foto: Osnatech

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Herr Sulkiewicz, das Geschäft von Osnatech befasst sich im Kern mit Nachhaltigkeit. Als Entwickler und Lieferant von Photovoltaikanlagen und Wärmetechnik sind Sie deutschlandweit unterwegs. Neben den „normalen“ Projekten kommen Sie vor allem dann ins Spiel, wenn die Bedingungen bei Ihren Kunden komplizierter sind. Geben Sie uns doch mal ein aktuelles Beispiel. 
Malte Sulkiewicz: Aktuelle Beispiele sind die Photovoltaik-Fassaden beim Hersteller von Transportverpackungen Thermodyne in Osnabrück und die Dachanlage beim Fitness-Center FFS in Wallenhorst. Dort haben wir Photovoltaikanlagen an bzw. auf traglastbeschränkten Flächen installiert. Das funktionierte, weil wir dabei Module verwenden, die etwa 70 Prozent leichter als die handelsüblichen Glasmodule sind, sodass sie auch da angebracht werden können, wo es die Statik normalerweise gar nicht zulässt. Außerdem werden sie verklebt und nicht mit einer Metallkonstruktion verschraubt. Auf Fassaden und Dächern, auch an traglastbeschränkten Dächern, ist es möglich, eine solche PV-Anlage zu installieren. Dabei verfügen unsere Module selbstverständlich über alle Garantien, die schwere Anlagen auch haben. Dass Kunden mit solchen „komplizierteren“ Fällen überhaupt auf uns aufmerksam werden, verdanken wir auch unserer guten Zusammenarbeit mit der WIGOS Wirtschaftsförderungsgesellschaft für das Osnabrücker Land.

Das müssen Sie erklären.
Sulkiewicz:  Mit ihrer kostenlosen Transformationsberatung Solar und Impulsberatung Nachhaltigkeit – die wir übrigens vor Kurzem selbst in Anspruch genommen haben – ist die WIGOS naturgemäß nah dran an den Unternehmen in der Region. Das Team rund um André Schulenberg bekommt in den Gesprächen also sehr genau mit, wo der Schuh bei den Unternehmen drückt. Die WIGOS denkt uns mit, wenn es in Betrieben bei der Installation von Photovoltaik statische Herausforderungen gibt. Umgekehrt machen wir bei unseren Kunden gerne auf das Angebot der WIGOS zur Nachhaltigkeitsberichterstattung nach der CSRD aufmerksam. Denn im Zuge unserer Kundengespräche taucht zwangsläufig auch immer die Frage auf, welchen Mehrwert eine PV-Anlage in Bezug auf die CSRD hat. Genau das wird im Nachhaltigkeitsbericht erfasst. Das ist übrigens auch für unser eigenes Nachhaltigkeits-Reporting spannend.

Aber angesichts Ihrer Unternehmensgröße sind Sie gemäß der CSRD-Richtlinie noch gar nicht zu einer Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet, oder?
Sulkiewicz: Das stimmt, aber einige unserer Kunden und viele unserer Interessenten sind oder werden bald reportingpflichtig. Klar ist: Sie werden die Frage, inwiefern eine PV-Anlage sich auf das eigene Nachhaltigkeits-Reporting auswirkt, weitergeben – an uns. Und wir wollen das umfassend beantworten können. Daher wollen wir eine eigene Nachhaltigkeitsberichterstattung implementieren, aus der hervorgeht, welchen Einfluss die von uns entwickelten Photovoltaikanlagen auf die Energiebilanz unserer Kunden haben. Wir möchten unseren Kunden also CSRD-konforme Daten für ihr Photovoltaik- oder auch Wärmeprojekt zur Verfügung stellen. Dafür planen wir, eine zusätzliche Stelle in unserem Team zu schaffen. Aus der Impulsberatung Nachhaltigkeit der WIGOS haben wir dazu und zu weiteren Nachhaltigkeitsfaktoren unseres Unternehmens wichtige Erkenntnisse gewonnen. 

Herr Schulenberg, gehört Osnatech mit ihren Zielen, schon jetzt CSRD-konform zu berichten, zu den Vorreitern im Landkreis Osnabrück, oder wie sensibel nehmen Sie die Wirtschaft für das Thema Nachhaltigkeit bereits wahr?
André Schulenberg: Im Landkreis Osnabrück beschäftigen sich tatsächlich schon einige, noch nicht berichtspflichtige Unternehmen mit dem Thema Nachhaltigkeit. Viele davon haben sich in den vergangenen Jahren allein schon aus Kostengründen Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit gemacht. Wir haben im Rahmen unserer Transformationsberatung Effizienz in den Jahren 2022 und 2023 sehr viele Gespräche zu den Themen Material- und Energieeffizienz geführt. Dazu gehören aber auch noch andere Themenfelder, wie etwa die soziale Nachhaltigkeit. Ich selbst bin im Familienbündnis der Region Osnabrück aktiv und zertifiziere familienfreundliche Arbeitgeber, was ein Teil der sozialen Nachhaltigkeit ist. Da hat sich insbesondere in den vergangenen Jahren sehr viel getan. Auch Osnatech ist nicht von rechtlichen Auflagen getrieben, sondern beschäftigt sich sehr weitsichtig und intrinsisch motiviert mit dem Thema – das ist meiner Meinung nach auch genau der richtige Weg, um sich fundiert und bestmöglich dem großen Themenfeld frühzeitig zu widmen. Wir freuen uns, wenn wir mit unserer kostenfreien Impulsberatung zur Nachhaltigkeit helfen können. Zusammen mit einer erfahrenen Beraterin analysieren wir dabei die Potenziale und erarbeiten konkrete Nachhaltigkeitsziele.

Das allein ist aber sicher nicht die einzige Schnittstelle der engen Zusammenarbeit zwischen Osnatech und WIGOS.
Schulenberg: Nein, tatsächlich nicht. Es geht vielmehr darum, dass wir im Geschäftsalltag die Interessen gegenseitig im Fokus behalten und somit gemeinsam die Wertschöpfung in der Region voranbringen. Wenn ich Maltes Nummer auf meinem Display sehe, dann bin ich jedes Mal gespannt, welche kreative Idee er dieses Mal für mich mitgebracht hat. Die Zusammenarbeit ist wirklich toll, weil wir ganz breit gefächert in den verschiedensten Themenbereichen unterwegs sind. Wir sprechen über Fördermöglichkeiten, unsere Beratungsangebote und Netzwerke. Aber auch über Projektideen, die die Region voranbringen. Das ist gelebte Wirtschaftsförderung.
Sulkiewicz: Die Zusammenarbeit mit der WIGOS macht einfach Spaß und erfolgt auf Augenhöhe. Lob und Kritik werden von beiden Seiten gleichermaßen geäußert und auch sehr schnell umgesetzt. Man ist ehrlich zueinander und lösungsorientiert – immer mit dem Fokus auf eine gute Entwicklung der gesamten Wirtschaftsregion. 

Mit welchen Punkten in Sachen Nachhaltigkeit sollten sich Unternehmen in den kommenden Monaten besonders beschäftigen?
Sulkiewicz: Die Frage ist vielmehr: Mit welchen nicht? Die EU hat die Richtlinien grundsätzlich festgezurrt. Änderungen im Reporting-Umfang werden nichts an der grundsätzlichen Initiative und der Umsetzung durch die Mitgliedstaaten ändern. Genauso wenig, wie sich das Klima oder der Anstieg der Energiepreise aufgrund der wachsenden Nachfrage durch zeitlich begrenzte, politische Veränderungen beeindrucken lassen. Das Themengebiet ist allerdings so komplex, dass ich verstehen kann, wenn es im Tagesgeschäft keinen Platz findet. Daher sind die kostenlosen Angebote der WIGOS gar nicht hoch genug einzuschätzen. Und wir versuchen, durch unser Geschäftsmodell natürlich auch zu helfen.
Schulenberg: Die Unternehmen, die dieses Jahr berichtspflichtig geworden sind, müssen ihre Hausaufgaben schon seit über einem Jahr machen. Neben den rechtlichen Themen wie CSRD und Lieferkettensorgfaltspflicht kann es meiner Meinung nach für jedes Unternehmen – unabhängig von der Größe – nur von Vorteil sein, sich dem Thema frühzeitig zu widmen. In unseren Impulsberatungen stellen wir immer wieder fest, dass es für jedes Unternehmen sehr gute Ansatzpunkte gibt, sich mit der Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen – selbst für die kleineren Unternehmen. Das können einfache Maßnahmen sein, wie die Verschriftlichung der bisherigen Nachhaltigkeitsleistung, die Gründung eines internen Nachhaltigkeitsteams oder auch einfach schon die Nutzung eines der vielen Fortbildungsangebote, beispielsweise zum Thema Wesentlichkeitsanalyse. Den größten Fehler, den Unternehmen derzeit machen können, ist, das Thema gar nicht anzugehen und auf die lange Bank zu schieben.

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