TERRA.vita | Wandern durch 300 Millionen Jahre Erdgeschichte

Naturparks gibt es viele in Deutschland. Zwischen Teutoburger Wald und Wiehengebirge erstreckt sich allerdings eine Region, die wohl ihresgleichen sucht. Rund 1.500 Quadratkilometer Fläche umfasst der Natur- und Geopark TERRA.vita, der vom gleichnamigen Verein mit Sitz in Osnabrück verwaltet wird. Über 100 Naturdenkmale, Schutzgebiete und geologische Phänomene bündeln sich hier zwischen Emsland, Osnabrücker Land, Bielefeld, dem Kreis Steinfurt und dem Mühlenkreis Minden-Lübbecke. Seit 2015 trägt die Region das Siegel UNESCO Geopark und gehört damit zu den besonders auffälligen touristischen Angeboten in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Eine Auszeichnung, die gleichzeitig verpflichtet.

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Dr. Detlef Wilcke ist seit 2024 Geschäftsführer des Natur- und Geoparks, der als einziger deutscher Standort dieser Art den Kunstnamen TERRA.vita trägt. Die schiere Größe und Vielfalt habe einfach dafür gesprochen, sagt er. „TERRA.vita als Verein zählt viele Gemeinden und Städte sowie Landkreise aus Niedersachsen und NRW zu seinen Mitgliedern, aber auch Bildungsträger und andere Kooperationspartner“, sagt er. Wilcke selbst füllt den Job als Vorstand mit einem Teil seines Hauptberufs als Leiter des Umweltamts im Landkreis Osnabrück aus. Unterstützung erhält er von einem zehnköpfigen Team im Verein, darunter die stellvertretende Geschäftsführerin Ricarda Hirschmeier sowie zahllose ehrenamtliche Kräfte.    

Dinosaurierspuren entdecken

Was TERRA.vita so besonders macht? „Wir bilden in dieser Region rund 300 Millionen Jahre Erdgeschichte ab, die man an vielen Stellen wirklich sehen kann“, erklärt Wilcke. Von Karbon über Trias und Kreidezeit lassen sich in den leichten Mittelgebirgen zwischen Bielefeld und Hörstel Spuren der Erdgeschichte verfolgen. Beispielhaft dürften dafür die Dinosaurierspuren in Barkhausen sein – in Stein verewigte Abdrücke längst vergangener Zeiten. Oder der Hünenweg, eine Route entlang alter Großsteingräber im Osnabrücker Land. Oder das Naturdenkmal „Hockendes Weib“, eine Felsformation in den Dörenther Klippen bei Ibbenbüren. Das Besucherbergwerk Kleinenbremen in der Stadt Porta Westfalica. Der Silbersee-Stollen in Hagen am Teutoburger Wald. Das Kultur- und Heimathaus Borgholzhausen mit der weltweit größten zusammenhängenden Ansammlung von kreidezeitlichen Riesen-Ammoniten.

Auszeichnung als UNESCO Geopark

Diese besondere Vielfalt brachte dem Park letztlich die Auszeichnung als UNESCO Geopark ein. „Das Logo kennen Menschen auf der ganzen Welt“, betont Wilcke. „Das ist eine Auszeichnung von Weltrang, die für uns auch eine Verpflichtung ist.“ Power-Tourismus steht für TERRA.vita daher nicht im Fokus. Eher der bewusste Ansatz, Erdgeschichte für alle sichtbar und verständlich zu machen. Mit Führungen und Exkursionen durch sogenannte „TERRA.guides“, zertifizierten Natur- und Landschaftsführern als ehrenamtliche Helfer, beispielsweise. „Dabei setzen wir auf den Ansatz Past-Present-Future“, erklärt Wilcke. „Wir schauen also zurück in die Vergangenheit der Erde, verstehen anhand der Geschichte die Entwicklung, schlagen den Bogen in die Gegenwart und versuchen, einen Ausblick auf die Zukunft zu geben und unser Handeln so nachhaltiger zu gestalten. Naturwissenschaftliche Zusammenhänge zu erklären: Das ist unser Ansatz.“ Ein Blick in den Veranstaltungskalender des Vereins macht deutlich, was für eine Vielfalt TERRA.vita bietet. Alle vier Jahre lässt sich der Natur- und Geopark neu zertifizieren – das ist auch eine Vorgabe der UNESCO, um die Geoparks zu entwickeln und die Vernetzung untereinander zu fördern.   

Finanziell unterstützt wird der Verein von den Ländern Niedersachsen und NRW. „Das ist auch wichtig, denn wir wollen die Qualität des Natur- und Geoparks erhalten“, sagt Wilcke und verweist auf Infotafeln und auf Rastanlage zur Erholung. Der Verein muss dabei stets die Interessen vieler Parteien unter einen Hut bringen. Naturschutz und Tourismus, Wirtschaftlichkeit und Erhalt. Auch die Netzwerkarbeit steht im Fokus. Nicht nur national mit anderen Naturparks, sondern dank des UNESCO-Siegels auch auf internationaler Ebene.   

Gäste aus den Nachbarregionen

Gleichzeitig sei TERRA.vita eben auch einer der am häufigsten genannten Gründe für Besucher aus den Niederlanden, den Nachbarregionen oder dem Ruhrgebiet. „Das belegen die Gästebefragungen des Tourismusverbands Osnabrücker Land“, so Wilcke. Vor allem für Wander- und Radurlaube werde die Region um die Mittelgebirge gerne genutzt. „Das bietet sich angesichts der Vielzahl von Wanderwegen auch an“, betont Wilcke. „Und auch deshalb haben wir ganz bewusst diese Klammer als Naturpark für die gesamte Region gewählt.“ Und damit geht TERRA.vita die übergeordnete Idee an: Menschen für Natur zu begeistern und ein tieferes Verständnis für Erdgeschichte zu entdecken, die sonst eher verborgen bleibt.

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