Kordel | Strategische Entscheidung für Neubau

Knapp 20 Kilometer sind es vom Sitz des Dülmener Unternehmens Kordel Antriebstechnik bis zum neuen, rund 15.000 Quadratmeter großen Standort in Olfen, direkt an der B 235 gelegen. Nach einem Jahr Bauzeit und dem Umzug laufen dort seit Anfang 2024 die ersten Maschinen. Für Geschäftsführer Thomas Schotte war der Neubau eine strategische Entscheidung: „Wir haben in Olfen die Möglichkeit bekommen, unsere Kegelradfertigung mit einer Härterei zu kombinieren.“

Visualisierung des Neubaus in Olfen, in dem Kordel Antriebstechnik seit Anfang 2024 unter anderem Getriebegehäuse produziert. Quelle: Kordel

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In Olfen produziert Kordel nun Kegelradsätze und Getriebegehäuse. Am Stammsitz in Dülmen werden weiterhin alle übrigen Komponenten wie beispielsweise Getriebedeckel, Stirnräder und zusätzlich benötigte Antriebskomponenten produziert und montiert.  

Zudem fertigen auch die beiden polnischen Standorte in Jawor und Bialogard unverändert weiter. Schotte betont: Auch die Verwaltung mitsamt Auftragswesen bleibe in Dülmen am Standort Rödder, der Olfener Standort sei vor allem für die Produktion ausgelegt. Das Personal dafür stammt zum einen aus dem bisherigen Produktionsstandort im Dülmener Industriegebiet Dernekamp, zusätzlich sind Mitarbeiter vom Hauptstandort Dülmen-Rödder mit der Abteilung Gehäusebearbeitung verlagert worden. 

Bereits 2019 hatte Kordel das rund fünf Hektar große Grundstück in Olfen gekauft, mit dem Bau begann das Unternehmen dann 2022. Dass diese Phase mitten in die Corona-Pandemie fallen würde, konnte man während der frühen Projektplanung nicht ahnen. „Die Probleme in den Lieferketten wurden auch erst später deutlich“, erinnert sich Geschäftsführer Schotte.   

Ganz bewusst habe man sich für die Realisierung dann einen vergleichsweise großen Partner gesucht, das Bielefelder Bauunternehmen Goldbeck. „Zum einen, weil Goldbeck über eine hohe Eigenfertigungstiefe verfügt, zum anderen, weil wir auf eine stabile Lieferlage gehofft haben“, beschreibt Schotte. Eine Hoffnung, die sich erfüllte. „Auch, weil wir große Teile des Materials frühzeitig vorbestellt haben, beispielsweise Iso-Wandpaneele, Dachtrapezbleche und Stahlmatten für die Betonsohle.“ Ohne diese Vorbestellungen wäre „der Preis während der Pandemie deutlich weggelaufen“, wie Schotte sagt. So sei man am Ende größtenteils im Kostenrahmen geblieben.  

Unabhängier von Gas machen

Warum überhaupt ein neuer Standort notwendig wurde, kann Schotte schnell erklären. „Uns fehlte am Dernekamp eine Härterei, wir hatten daher deutlich mehr Transportfahrten.“ Doch nicht nur die zusätzlichen Möglichkeiten gaben den Ausschlag für den Neubau. Auch die sich abzeichnende Gasmangellage zu Beginn der Corona-Zeit sprach dafür. „Wir wollten uns einfach unabhängiger machen von Gas“, so Schotte. In Olfen erfolgt die Produktion nun elektrisch, dank umfangreicher PV-Anlagen auf dem Hallendach kann das Werk weitgehend selbst versorgt werden. „Außer am Wochenende müssen wir nur wenig Strom ins öffentliche Netz einspeisen, der Großteil der erzeugten Energie wird selbst verbraucht.“ Bis zu rund einem Megawatt Energie kann jetzt in Olfen produziert werden. Für diese Lösung habe es allerdings auch einiger Gespräche mit der zuständigen Kreisbehörde bedurft, wie Schotte sagt. Die ursprüngliche Auflage, neben der Dachanlage eine zusätzliche PV-Anlage über den Parkplätzen zu errichten, hätte am Ende eine deutliche Kostensteigerung mit sich gebracht. Obwohl schon die Mindestauflagen zur Installation einer PV-Anlage mit mehr als der dreifachen Menge auf den Hallendächern erfüllt war, hatte der Kreis auf die Installation einer Parkplatzanlage mit Errichtung von Carports zunächst bestanden, wie Schotte berichtet. Erst ein eigens erstelltes Gutachten ergab dann, dass von der Anlage an bestimmten Sonnentagen eine Blendwirkung in Richtung Kreisstraße ausgehen könne, sodass die Kreisbehörde das Projekt letztlich in der jetzigen Form absegnete.  

Strom bleibe aber grundsätzlich ein Thema, gibt Schotte zu. Für den Augenblick klappe es, doch die ausfallsichere Energieversorgung bleibe ein gewisser „Unsicherheitsfaktor“. Bereitschaft für die Errichtung einer Stromtrasse gebe es zwar in Olfen, die Gespräche liefen, doch das sei nicht kurzfristig zu realisieren. Derzeit sei jedoch auch der Bedarf nur bedingt vorhanden, beschreibt Schotte die wirtschaftliche Lage. Eine „Durststrecke“ sei derzeit zu spüren. Der Bereich Landmaschinen und Baumaschinen schwächele bereits seit zwei Jahren, der Ukraine-Krieg schlage sich aufs Geschäft nieder. „Auch im Bereich Straßenbau, der bei uns eine große Rolle spielt, erleben wir, dass Projekte zurückgestellt werden.“ Dagegen sei der Bereich Logistik relativ stabil. Flurförderfahrzeuge oder Stapler seien weiterhin gefragt.

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