Camping- und Freizeitanlage Dreiländersee | Visionäre am Ufer

Beim Spaziergang hatte Wilhelm Hewing eine Idee. In Ufernähe des Dreiländersees bei Gronau sah er eine kaum genutzte Fläche. Aus gesundheitlichen Gründen war eine berufliche Veränderung notwendig. Wieso dann nicht Natur und Freizeit verbinden? Das war 1999, wie Irmgard Hewing heute berichtet. Mit einer Minigolfanlage begann das Abenteuer am See, dann entstanden nebenan ein Campingplatz, Freizeitanlagen, später übernahm das Ehepaar auch noch den Wohnmobilstellplatz der Stadt Gronau. „Wir waren schon ein bisschen Visionäre“, sagt Unternehmerin Irmgard Hewing heute und muss selbst schmunzeln. Manchmal ergeben sich neue Perspektiven eben aus purem Zufall. Zuletzt wagte das Team noch einen eher ungewöhnlichen Schritt – mit einem Holzblockhaus für Seminare und Workshops. Arbeiten mit Blick in die Natur.

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Was in der Rückschau so einfach klingt, war harte Arbeit, das gibt Hewing gerne zu. „Wir haben viel mit den Naturschutzbehörden diskutiert, viele Gespräche mit der Stadt geführt. Aber unser Konzept hat am Ende überzeugt.“  

Im Laufe der Jahre sind auf zweieinhalb Hektar Fläche fünf Blockhäuser entstanden, ein Campingplatz mit 20 Plätzen und auf einer Wiese ist klassisches Naturcamping möglich, rund 120 Wohnmobilplätze sind verfügbar. Auch das Team wuchs: Nina Rövekamp unterstützt die Familie seit einigen Jahren als festangestellte Mitarbeiterin. „Das war schon ein wichtiger Schritt“, sagen beide über diese Entscheidung.   

Dauercamper, Monteure, Wanderer

Mit seinem Angebot spricht das Team ganzjährig Kurzurlauber an, Radtouristen und Wanderer, aber auch durchreisende Touristen, die auf dem Weg in die Niederlande (oder andersherum) einen Zwischenstopp am Wasser einlegen. Und einige Dauercamper, so gehört es sich, füllen den Platz zusätzlich mit Leben. Gerade in der Nebensaison werde die Anlage auch von Monteuren oder Geschäftsreisenden genutzt, sagt Hewing.  

Zu verbessern gebe es immer etwas: Eines der Blockhäuser erhielt zuletzt einen Anbau und bietet nun Platz für Seminare und Workshops. „Freiraum am See“, so nennt Hewing das neue Angebot. Sie selbst ist als Kunsttherapeutin und als Businesscoach aktiv und nutzt die neuen Flächen auch für eigene Projekte.   

Deutschland-Tourismus hält an

Im Tourismusmix des Münsterlandes spielt die Camping- und Freizeitanlage Dreiländersee so eine echte Rolle. Seit Corona-Zeiten noch einmal deutlich mehr, wie Hewing sagt. Während der Pandemie entdeckten viele Menschen das eigene Land als attraktives Ziel. „Dieser Trend hat bis heute trotz leicht rückläufiger Zahlen gehalten“, sagt Hewing. „Wir sehen immer noch viele Camping-Neulinge. Und wir sehen auch an den Fahrzeugen, dass Menschen zunehmend mehr in die Ausstattung investieren.“ Das gelte übrigens auch fürs Rad. Moderne E-Bikes sind am Platz längst regelmäßig zu entdecken, aber auch das Thema Gravelbike sei in den vergangenen Jahren spürbar größer geworden. „Das spielt uns als Fahrradregion natürlich voll in die Karten.“ Und als Teil der 100-Schlösser-Route oder des 450 Kilometer langen Radwegs Flamingo-Route spreche der Platz weitere Touristen an. Attraktiv für Gäste ist auch das rock’n’popmuseum in Gronau mit dem Landesgartenschaugelände, zudem ist auch der schnelle Weg in die Niederlande ein Argument.  

Die Gäste kommen längst nicht mehr nur aus dem Ruhrgebiet oder dem gesamten Münsterland oder den benachbarten Niederlanden. Damit mussten auch die Strukturen der Anlage wachsen. „Unser digitales Buchungssystem war ein großer Schritt“, berichtet Rövekamp. Die bequeme Online-Buchung gehört längst zum Standard. Und im vergangenen Jahr wurde eine Kennzeichenerkennung an der Schranke zum Platz eingeführt. „Damit ist die Einfahrt noch schneller möglich.“ In Zeiten der Digitalisierung haben Hewing und Rövekamp zudem eine Veränderung im Besucherverhalten registriert. „Früher kamen die meisten Besucher spontan“, erinnert sich Hewing. „Wer zuerst kam, suchte sich die besten Plätze.“ Spätestens seit der Pandemie habe sich das völlig verändert. „Mittlerweile liegt der Anteil der digitalen Platzreservierungen bei rund 80 Prozent.“   

Persönliche Ansprache

Eines zähle aber auf einem Campingplatz trotz aller Technologie noch immer besonders: die persönliche Ansprache, die Stimmung auf der Anlage. „Das ist uns sehr wichtig“, betonen Hewing und Rövekamp unisono. „Die Mischung macht es aus. Probleme lassen sich doch immer am besten im persönlichen Gespräch abfedern.“ Ein gutes Gefühl im (Kurz-)Urlaub zu haben, das ist ja der Grundgedanke. Mit so einem Gefühl begann schließlich vor mehr als 25 Jahren auch das Abenteuer für die Familie Hewing selbst. 

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