Im Interview erklärte Winter anschaulich, was Führungskräfte von ihren Erfahrungen aus Cockpit, Rettungseinsatz und Raumfahrt für ihren unternehmerischen Alltag lernen können. Denn auch wenn die Situationen im Kampfjet und im Unternehmen unterschiedlich sind, ist die grundlegende Herausforderung ähnlich: Entscheidungen müssen unter teilweise schwierigen Bedingungen und Stress getroffen werden.
Unter dem Titel „Souverän unter Druck: Entscheidungsstärke und Resilienz aus dem Cockpit“ ging es im Gespräch mit Moderatorin Annelen Bergenthum darum, wie man gute Entscheidungen trifft, wenn wichtige Informationen fehlen, Entwicklungen kaum vorhersehbar sind und gleichzeitig der Entscheidungsdruck steigt.
Jetpilotin und Krisenmanagerin
Denn genau dieses Szenario ist gegenwärtig Realität: Geopolitische Spannungen, technologische Veränderungen, volatile Märkte und sich verändernde Rahmenbedingungen machen es für Unternehmen zunehmend schwieriger, Entscheidungen auf Basis vollständiger Informationen zu treffen. Genau hier setzte Nicola Winter an. „Als Jetpilotin ist man automatisch Krisenmanagerin. Lediglich Prozent der Ausbildung dreht sich darum, was wir machen, wenn im Cockpit alles wie geplant läuft. 90 Prozent sind Übungen, bei denen wir Notfälle und Krisensituationen durchlaufen und lernen, was dann zu tun ist“, erklärte Winter.
Handlungsfähig nach Schrecksekunden bleiben
Und egal, wie oft man solche Fälle übe, eines bleibe immer gleich: „Die typische Schrecksekunde kann sich der Mensch naturgemäß nicht abtrainieren. Nicht im Kampfjet, nicht im Auto und auch nicht im Geschäftsalltag, wenn ein Unternehmer plötzlich vor einem Problem steht.“
Und trotzdem könne man Resilienz in solchen Situationen trainieren, um nach der Schrecksekunde handlungsfähig zu bleiben: „Erst einmal kurz durchatmen, analysieren und dann handeln“, erläuterte Winter. Sie ergänzte: „Wichtig ist, schnell ins Doing zu kommen. Wer ewig analysiert, aber nicht handelt, hat ein Problem und kann die Krisensituation erst recht nicht lösen.“
Vertrauen und Debriefing
Dass es dabei auch auf die richtige Führung ankomme, machte Winter im Interview ebenfalls klar. Sie zeigte, dass gerade in Krisensituationen nicht der Einzelne, sondern das Team den Unterschied machen könne. Der Methode „Führung mit Auftrag“ komme dabei eine wichtige Rolle zu. „Unternehmer müssen nicht alles selbst entscheiden. Vielmehr gilt es, gute Mitarbeiter im Team zu haben und ihnen den entsprechenden Raum zu geben, selbst zu handeln und zu entscheiden. Schließlich sind sie inhaltlich oftmals viel näher am Problem als der Geschäftsführer selbst“, betonte die Krisenexpertin. Und: „Unternehme müssen dann allerdings auch aushalten können, wenn ihre Mitarbeitenden andere, aber nicht unbedingt schlechtere Entscheidungen treffen als sie selbst.“ Vertrauen und Debriefings seien daher ebenfalls wichtig, um aus Krisensituationen zu lernen und es beim nächsten Mal besser zu machen.
Anknüpfungspunkte für die eigene unternehmerische Praxis
Dem münsterländischen Mittelstand schrieb Winter dafür gute Voraussetzungen zu. „Große Konzerne tun sich in Krisensituationen häufig schwer, weil sie lange Entscheidungswege haben und somit zum langsamen Dampfer werden. Kleine und mittelständische Unternehmen haben hingegen haben sowohl intern im Team als auch extern ein gutes Netzwerk, sodass Experten und Entscheidungsträger schnell an einen Tisch geholt werden können“, verdeutlichte Winter. Für die Gäste von „Wirtschaft trifft“ bot der Abend damit Anknüpfungspunkte für die eigene unternehmerische Praxis.
Austauschen und Kontakte knüpfen
Im Anschluss stand das Netzwerken im Mittelpunkt. Bei Imbiss und Gesprächen nutzten die Gäste die Gelegenheit, die Impulse des Abends weiter zu diskutieren, Erfahrungen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.
„Die neunte Ausgabe von ‚Wirtschaft trifft‘ war ein rundum gelungener Abend“, resümierte Robert Schneider, Geschäftsführer von „Wirtschaft aktuell“. „Nicola Winter hat viele spannende Impulse für unsere Gäste gegeben – und gleichzeitig hat man wieder gesehen, was ‚Wirtschaft trifft‘ ausmacht: Menschen zusammenbringen. Als ‚Wirtschaft aktuell‘ wollen wir Unternehmer nicht nur über relevante Themen informieren, sondern ihnen auch die Gelegenheit geben, miteinander ins Gespräch zu kommen, Erfahrungen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Genau das ist an diesem Abend passiert – und darüber freuen wir uns sehr.“
Auch Norbert Hypki, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Westmünsterland, zog ein positives Fazit: „Unternehmerinnen und Unternehmer müssen heute Entscheidungen unter Bedingungen treffen, die sich häufig nicht vollständig vorhersehen lassen. Nicola Winter hat sehr eindrucksvoll gezeigt, wie Klarheit, Vertrauen, Verantwortung und Resilienz dabei helfen können, auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben. Genau dieser Praxisbezug ist für uns als Sparkasse wichtig. Wir wollen mit unserem Engagement bei ‚Wirtschaft trifft‘ dazu beitragen, Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region zusammenzubringen und ihnen Impulse für ihre tägliche Arbeit zu geben.“