Kreis Coesfeld

Ein „Anpacker“ sagt Tschüss

Ahaus – Dass man nach 36-jähriger Vorstandstätigkeit bei der Sparkasse, davon fast 30 Jahre als Vorstandsvorsitzender, eine Menge Arbeit zu erledigen hatte, liegt auf der Hand. Dass man in dieser Zeit aber auch für die Region – insbesondere für die Wirtschaft im Westmünsterland – vieles vorangebracht und geprägt hat, ist nicht selbstverständlich. Umso deutlicher fielen die lobenden Worte aus, die Heinrich-Georg Krumme bei seiner Verabschiedung als langjähriger Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Westmünsterland von zahlreichen Wegbegleitern und Partnern bekam. Im Atrium von Tobit.Software in Ahaus sagte er nun vor rund 350 Gästen „Tschüss“.

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„Dass jemand eine so lange berufliche und erfolgreiche Karriere bei der Sparkasse vorweisen kann, ist etwas ganz Besonderes. Heinrich, Du kannst auf ein tolles Lebenswerk zurückblicken. Was Du über 30 Jahre hinweg für die Region bewegt hast – bei der Sparkasse aber auch in Deinen vielen Ehrenämtern –, kann sich wahrlich sehen lassen“, betonte Dr. Christian Schulze Pellengahr, Landrat des Kreises Coesfeld und Vorsitzender des Verwaltungsrates der Sparkasse Westmünsterland. Krumme sei nicht „bange vor Veränderungen gewesen“, so Schulze Pellengahr, der dabei auf die insgesamt sieben Fusionen der Sparkasse Westmünsterland unter der Führung des Vorstandsvorsitzenden verwies. „Du hast Dich immer gekümmert, nicht verbiegen lassen und immer im Sinne der Sparkassen-Idee gehandelt. Du hattest aber auch stets ein Ohr für die kommunale Seite“, betonte der Landrat. 

Dem stimmte auch Borkens Landrat Dr. Kai Zwicker als Vorsitzender der Verbandsversammlung des Sparkassenzweckverbands zu. Er zog dabei eine Parallele zwischen Krumme und dem „fürs Münsterland so typischen Menschenschlag, der Dinge anpackt“. „Heinrich, Du warst Motor für die Entwicklung unserer Region, Du hast Dich dabei auf die Chancen konzentriert, anstatt Dich von Risiken bremsen zu lassen“, betonte Zwicker anerkennend.

„Familienunternehmen brauchen Sparringspartner“

Dass Heinrich-Georg Krumme auch für die regionale Wirtschaft ein wichtiger Ansprechpartner war, machte Professor Dr. Timm Homann, CEO der Coesfelder Unternehmensgruppe Ernsting’s family, deutlich. „Familienunternehmen brauchen Sparringspartner – vor allem in herausfordernden Zeiten, wie wir sie zuletzt und auch aktuell erleben. Heinrich-Georg Krumme war das für uns jederzeit. Seinen pragmatischen und klaren Blick, seinen Willen, nach gemeinsamen Lösungen zu suchen, seine Präzision und zugleich seine Gelassenheit – all das habe ich immer sehr bewundert“, beschrieb Homann die Zusammenarbeit mit dem Sparkassen-Vorstandsvorsitzenden. Dabei verwies er auch auf Krummes Sinn für Unternehmertum: „Es ist die Fähigkeit, ein Zukunftsbild mit einer angemessenen Risikobeurteilung in eine bestimmte Richtung zu lenken und dabei die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für diese Idee zu begeistern und mitzunehmen. Dafür braucht man eine gewisse Portion Hartnäckigkeit und Biss, weil man auch mal gegen den Mainstream denken muss.“ Klare Ziele, fachliche Kompetenz und die Fähigkeit, gut mit Menschen umgehen zu können, seien entscheidend für gute Führung. Genau diese Merkmale habe Krumme stets in seiner Arbeit verbunden.

Der CEO von Ernsting’s family appellierte dafür, dass sich Banken und Sparkassen generell als „Möglichmacher“ verstehen sollten. „Angesichts der strenger werdenden Regularien ist das heute aber gar nicht so einfach. Regeleinhaltung um jeden Preis bringt uns allerdings nicht weiter. Vielmehr müssen Kundenorientierung, Hilfestellung und Gestaltungswillen im Vordergrund einer Bank stehen. Kontrollieren kann jeder, aber die Kunst ist es doch, Dinge zu initiieren. Diesen Ansatz hat Heinrich-Georg Krumme stets verfolgt“, betonte Homann. 

Herausforderungen der Zukunft

Bei der Abschiedsfeier warfen die Träger, Partner und Vertreter der Sparkasse Westmünsterland aber auch einen Blick nach vorne. Bei einer Podiumsdiskussion sprachen Professor Dr. Liane Buchholz, Präsidentin des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe, der künftige Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Westmünsterland, Norbert Hypki, sowie die Landräte Dr. Christian Schulze Pellengahr (Kreis Coesfeld) und Dr. Kai Zwicker (Kreis Borken) über die Herausforderungen der Zukunft. „Das Sparkassen-Geschäftsmodell ist kommunal und regional nah durch und durch. Das wird auch künftig so bleiben. Aber klar ist auch, dass wir digitaler werden müssen“, blickte Präsidentin Buchholz voraus. 

Diesen Weg will auch der künftige Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Westmünsterland Hypki gehen: „Wir werden den Geld- und Wirtschaftskreislauf in der Region in Gang halten. Das rote ‚S‘ wird weiterhin für Finanzdienstleistungen vor Ort stehen. Natürlich müssen wir bei der digitalen Transformation Geschwindigkeit aufnehmen, gleichzeitig werden wir die persönliche Präsenz bei unseren Kunden nicht aufgeben.“

„Ich werde die Sparkasse immer in meinem Herz behalten“

Dass das der Sparkasse Westmünsterland gelingt, daran hat Krumme keinen Zweifel: „Sie ist für die Zukunft und mit meinen Nachfolgern sehr gut aufgestellt. Ich bin stolz und froh, dass ich für diese Sparkasse arbeiten dufte.“ Er ergänzte: „All das wäre aber ohne starke Partner, unsere verlässlichen Träger, unsere leistungsstarken Mitarbeitenden und treuen Kunden nicht möglich gewesen. Daher gilt ihnen mein großer Dank – ebenso wie meiner Frau und meiner Familie, die mir die Kraft gegeben hat, mich mit einem solchen Engagement für die Sparkasse einzusetzen.“ Über 40 Jahre für die Sparkassen-Idee zu arbeiten, sei eine große Erfüllung gewesen. „Ich werde die Sparkasse immer in meinem Herz behalten“, betonte Krumme sichtlich bewegt zum Abschluss. 

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