Kreis Coesfeld

Agravis will in Nottuln investieren

Nottuln – Agravis will am Standort in Nottuln eine Aufbereitungsanlage für Saatgetreide errichten. Entstehen soll sie direkt vor dem Distributionszentrum des Agrarhandelsunternehmens auf der bereits im Bestand befindlichen Fläche im Gewerbegebiet Beisenbusch. Das Logistikzentrum hatte die Agravis im September 2024 in Betrieb genommen. Geplant ist eine Anlage mit einer Produktionskapazität von rund 25.000 Tonnen Wintergetreide im Jahr. Auf diese Weise will die Agravis die stabile Nachfrage nach zertifiziertem Saatgut aus eigener Produktion bedienen und gleichzeitig externe Abhängigkeiten und Unsicherheiten deutlich reduzieren, wie das Unternehmen in einer Pressemeldung mitteilte. Die Investition umfasse einen „einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag“.

Anzeige

Dr. Dirk Köckler, Vorstandsvorsitzender der Agravis Raiffeisen AG, unterstreicht die Bedeutung von Saatgetreide: „Der pünktliche Zugriff auf leistungsfähige Sorten, eine hohe technische Reinheit und verschiedene Bausteine der Saatgutbehandlung sind wichtige Treiber für eine innovativ-nachhaltige Getreideproduktion.“ Ziel sei eine Verbundlösung mit den umliegenden Genossenschaften. Diese organisieren sowohl die Produktion bei den landwirtschaftlichen Saatgutvermehrern als auch den Verkauf und den Transport des zertifizierten Saatgetreides zu den Landwirten. 

Baustart im Frühjahr 2027

Die Gemeindeverwaltung Nottuln bringt das Projekt noch vor der Sommerpause in die politischen Gremien ein, um die planungsrechtlichen Voraussetzungen für das Projekt zu schaffen. Dieses Verfahren werden einige Monate in Anspruch nehmen. Aktuell sehe der grobe Zeitplan vor, im Frühjahr 2027 mit dem Bau zu beginnen. Ein Produktionsstart wäre dann im Frühsommer 2028 möglich. Dieses Zeitfenster ermögliche es, die notwendigen Beschlüsse, Kooperationen mit den Partnern und nicht zuletzt das Bauvorhaben selbst zu realisieren, so Köckler weiter.

Der Standort Nottuln biete aus Sicht der Agravis für eine eigene Aufbereitung optimale Voraussetzungen: eine leistungsstarke Infrastruktur durch das bestehende Distributionszentrum, vorhandene Flächen und nicht zuletzt die gute Verkehrsanbindung. Nottuln liege mitten im Vertriebsgebiet und erlaube die wirtschaftliche Produktion und den Absatz des Saatgetreides in einem engen Radius.

Zur Anlage: Die sogenannte Rohware der landwirtschaftlichen Saatgutvermehrer wird nach der Anlieferung zunächst in einer Siloanlage mit bis zu 100 Zellen zwischengelagert, anschließend gereinigt, in einem Produktionsturm aufbereitet und in Big Bags oder 25-Kilo-Säcken verpackt. In einer Logistikhalle steht das zertifizierte Saatgut dann zur Abholung bereit. Geplant ist, neben den klassischen Beizmethoden auch eine rein elektronische Saatgutbehandlung mit dem E-Vita-Verfahren anzubieten. Das Gebäude, zu dem auch ein Bürotrakt gehört, werde circa 27 Meter hoch sein. Agravis strebt an, die Anlage energieautark zu betreiben. Der selbst produzierte Solarstrom soll über einen Batteriespeicher unabhängig vom Stromnetz zur Verfügung gestellt werden. 

Über die rein operative Erweiterung hinaus sende das Projekt auch ein klares Signal in den Markt, heißt es weiter. „Wir investieren bewusst in unsere Zukunft vor der Haustür“, so Köckler. „Das Projekt steht für langfristige Perspektiven – für unsere Kunden, unsere Partner und unsere Mitarbeitenden. Die Saatgutaufbereitung in Nottuln ist ein zentrales Element zur Stärkung unserer genossenschaftlichen Kernbereiche und ein wichtiger Teil der verabschiedeten Investitionsstrategie.“

Artikel teilen