Herr Krabbe, Sie gehen ins letzte Jahr Ihrer Amtszeit als Bürgermeister von Metelen. Wie geht es der Gemeinde denn aktuell?
Als Wirtschaftsstandort stehen wir in Metelen eigentlich sehr solide da. Nach einer schwierigen Zeit verzeichnen wir seit einigen Jahren eine dynamische Entwicklung – sowohl bei Investitionen, Arbeitsplätzen oder auch dem Mietwohnungsbau. Verschiedene Rankings bestätigen diesen Aufstieg. Dabei profitieren wir von einem Branchenmix ganz unterschiedlicher Wirtschaftszweige. Vor Ort werden Lebensmittel hergestellt, aber auch Metallprodukte oder Technologie im Bereich erneuerbarer Energien. Auch der Handel und der Dienstleistungsbereich haben sich prima entwickelt. Es zeigt sich also, dass Metelen ein interessanter Ort für Unternehmen und Privatpersonen ist. Natürlich spüren wir die aktuellen Herausforderungen durch externe Einflüsse auch hier.
Sie sprechen es an: Wo werden in den kommenden Monaten die größten Herausforderungen liegen?
Sicher im Bereich der allgemeinen wirtschaftlichen Herausforderungen, mit denen Unternehmen zu kämpfen haben, aber auch Kommunen selbst. Hinzu kommen gesetzliche Aufgaben, etwa die Unterbringung von geflüchteten Menschen. Das ist ein Bereich mit vielen Unwägbarkeiten.
Wenn man sich in anderen Gemeinden und Städten umhört, ist viel Kritik an Aufgaben, die von Bund und Ländern in die Region delegiert werden, zu hören. Spüren Sie so etwas hier auch?
Das ist schon seit Jahren ein Thema. Es will nur niemand hören: Bund und Land versprechen den Bürgern viel, entweder direkt finanziell oder indirekt durch staatliche Leistungen, ohne dabei die Möglichkeiten von Städten und Gemeinden ausreichend im Blick zu haben. Ja, auch in Metelen spüren wir deutlich, dass seit Jahren immer mehr Aufgaben durch die Kommune gelöst werden müssen, ohne dass wir in gleichem Maße finanzielle Unterstützung erhalten. Das ist bei der Betreuung und Bildung von Kindern und Jugendlichen spürbar, aber auch bei Sozialleistungen oder bei der Umsetzung von Klimazielen. Wir versuchen, die Herausforderungen kreativ und lösungsorientiert anzugehen.
Aber wie geht man solche Themen, die kaum planbar sind, an?
Wenn ich es wüsste, könnte ich es besser planen (lacht). Wenn ich es einmal grundsätzlich formulieren darf: Ich bin ein eher positiver Mensch und glaube daran, dass wir alle Themen nur gemeinsam – Rathaus, Politik und Bürgerschaft – angehen können. Es geht letztlich um die Frage, was Metelen langfristig am meisten weiterhilft. In kleineren Kommunen muss nach meiner Einschätzung Pragmatismus vor Formalismus gehen, wir müssen dabei Kompromisse suchen.
Wie meinen Sie das?
Lassen Sie mich ein Beispiel nennen. Alle wollen, dass sich der Ortskern gut entwickelt. Dann wird an einer Stelle ein altes Haus abgerissen und ein neues gebaut. Das gefällt den direkten Nachbarn nicht. So geht das oft: Alle haben ihre eigenen Bedürfnisse und Meinungen und die sind dann immer am wichtigsten. Als Bürgermeister kann ich es selbst auch nicht immer allen recht machen. Aber jede Veränderung wird mit der Zeit wieder zur Normalität. Also müssen wir uns mit Veränderungen arrangieren.
Sie haben im Dezember den Haushalt für das Jahr 2025 eingebracht. Darin übersteigen die Ausgaben bereits im Ansatz die Einnahmen. Was bedeutet das für die Projekte und die Arbeit in Metelen?
Ein Haushaltsdefizit schränkt unsere Spielräume ein, aber wir setzen klare Prioritäten – insbesondere für das Aufwachsen junger Menschen und für gemeinschaftsstärkende Projekte. Und wenn das Geld fehlt, muss auch mal ein Projekt etwas geschoben werden. Wichtig ist, dass wir langfristig denken und Investitionen tätigen, die nachhaltig wirken. Das erfordert eine gewisse Haushaltsdisziplin und eine enge Abstimmung bei der Umsetzung unserer Projekte. Aktuell können wir noch von Ausgleichsrücklagen profitieren, doch das wird nicht mehr lange so gehen.
Investieren wollen Sie in Metelen trotz der angespannten Lage. Welche Bauvorhaben und Projekte stehen aktuell und demnächst an?
Ein zentrales Projekt ist die Erweiterung der Grundschule, die für die Attraktivität unserer Gemeinde von Bedeutung ist. Daneben setzen wir weitere Maßnahmen zur Modernisierung der Infrastruktur und zur Förderung des sozialen Lebens in Metelen um.
Die Statistik wies Metelen im vergangenen Jahr ganz stark im Bereich der Baugenehmigungen aus, das Institut der Deutschen Wirtschaft wertet Metelens wirtschaftliche Entwicklung als dynamisch. Warum ist das so?
Metelen kann hier mit einer strategisch günstigen Lage, einer verlässlichen Wirtschaftsförderung mit kurzen Wegen und einer starken Gemeinschaft punkten. Hinzu kommt, dass wir durch unsere Infrastruktur und Baumaßnahmen Anreize schaffen, die sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen anziehen. Vielleicht kann ich das so sagen: Wir sind klein, aber dynamisch. Zügig pragmatische Lösungen zu finden statt endlose Diskussionen zu führen – das ist die Stärke kleiner Gemeinden wie Metelen.
Schauen wir auf ein weiteres aktuelles Thema – gemeint ist regenerative Energie. Im Windpark Moddefeld entstehen sechs Anlagen. Wann kann dort Strom produziert werden?
Ein exaktes Datum kann ich noch nicht nennen, aber die Anlagen im Moddefeld sollen natürlich zügig ans Netz gehen. Schon jetzt produzieren wir ein Vielfaches unseres eigenen Strombedarfs. Mit dem neuen Windpark werden wir einen weiteren Beitrag zur regenerativen Energieversorgung der Region und des Landes leisten. Wir planen auch noch weitere Windenergieanlagen.
Wenn wir von Energieerzeugung reden, dann stellt sich auch die Frage, wie man sie speichern kann. In Metelen soll in Kürze ein großer Batteriespeicher in Betrieb gehen. Wie ist der Stand bei diesem Projekt?
Das ist tatsächlich nicht nur irgendein Batteriespeicher. Das Projekt wird zu den zehn größten Anlagen in Deutschland gehören. Dort werden über 90 Millionen Euro in eine Großspeicheranlage investiert, die bis zu 231 Megawattstunden Energie speichern kann. Die Inbetriebnahme ist für Herbst 2025 vorgesehen, vielleicht erlebe ich die Eröffnung sogar noch im Amt. Der Speicher wird eine zentrale Rolle bei der effizienten Nutzung von Energie spielen und die Versorgungssicherheit der Region erhöhen. Die erste Anfrage landete Ende 2022 auf meinem Schreibtisch und wir haben anschließend alles dafür getan, das zügig umzusetzen. Für die Gemeinde ist das in vielerlei Hinsicht spannend. Nicht nur wegen der Gewerbesteuer, sondern auch durch die Lage zum Umspannwerk der Westnetz GmbH. Hier kann sich vielleicht perspektivisch noch mehr entwickeln.
Ende 2025 treten Sie nicht noch einmal als Bürgermeister an. Wenn Sie schon einmal einen kleinen Blick zurückwerfen – wie fällt Ihre Bilanz aus und was würden Sie in den kommenden Monaten gerne noch zum Abschluss bringen?
Ich schaue mit einem gewissen Selbstbewusstsein auf viele Projekte zurück, die wir gemeinsam realisiert haben. Wir haben Rekordinvestitionen getätigt und dafür Förderungen in bislang unbekannten Dimensionen eingeworben. Vom Ausbau der Infrastruktur von Straßen und Radwegen über Investitionen in Schule, Renaturierung der Vechte, bis hin zum Glasfaserausbau oder dem Ausbau der Gewerbeflächen. Der Ausbau sozialer Angebote für alle Altersgruppen lag mir am Herzen – von der Kita über Jugendangebote bis zu denen der Altenhilfe. Dennoch: Noch nie war die Ausgleichsrücklage der Gemeinde so hoch. Die Themen Klimaschutz, Digitalisierung oder auch Flüchtlingskrise haben wir mit einem engagierten Team im Rathaus gut bewältigt. In den kommenden Monaten möchte ich den Fokus noch darauf richten, laufende Projekte weiter voranzutreiben und insgesamt einen stabilen Übergang zu ermöglichen.
Welche Pläne oder Ideen haben Sie für die Zeit „danach“?
Erst einmal soll die Familie mehr von mir haben. Doch ich plane nicht, mich ins rein Private zurückzuziehen, dafür gibt es auch schon interessante Anfragen. Aber ich schaue in Ruhe, welche Möglichkeiten sich auftun. Und bis dahin gilt meine ganze Aufmerksamkeit meiner täglichen Arbeit. Die Dinge auslaufen zu lassen, ist nicht meine Art.