Unternehmenskommunikation im Handwerk | Was man vom „Baumädchen“ lernen kann

Sandra Hunke aus Greven ist Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik und Model. Unter dem Label „Baumädchen“ hat sie eine eigene Arbeitskleidung-Kollektion für Frauen im Handwerk herausgebracht. Und sie gehört zu den einflussreichsten Handwerks-Influencerinnen Deutschlands. Allein auf Instagram hat sie fast 300.000 Followerinnen und Follower, denen sie Einblicke in ihren Alltag als Handwerkerin gibt. Was macht ihren Social-Media-Auftritt so erfolgreich und was können Handwerksbetriebe davon lernen? Das beantwortet Professor Dr. Markus Kiefer in seiner Kolumne für Wirtschaft aktuell. Kiefer nimmt Lehraufträge zu Kommunikationsthemen an unterschiedlichen Hochschulen – unter anderem an der FOM Hochschule und an der Hochschule Darmstadt – wahr.

Grafik: Nadine Tenhaken

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Bei dem Social-Media-Profil von Sandra Hunke dominieren vier inhaltliche Dimension. 

1. Persönliche Autorität durch Authentizität
Sandra Hunke zeigt sich als echte Handwerkerin – mit Werkzeug, Praxiswissen und Baustellenalltag. Diese Authentizität schafft Vertrauen bei einer Zielgruppe, die sonst selten transparent mit so realistischen Einblicken beliefert wird. Hunke kombiniert fundierte fachliche Expertise mit persönlicher Erfahrung und öffnet so Türen in die echte Handwerkswelt. 

2. Humor als Türöffner und Bindeglied 
Mit einer Prise Humor gelingt ihr der Draht zur Community spielerisch. Ihre Posts und Videos enthalten oft witzige oder überraschende Momente, die den Arbeitsalltag sympathisch machen und Kommunikationsbarrieren abbauen. Sandra Hunke nimmt sich selbst nicht allzu ernst und stattdessen oft genug auf die Schippe. So bleibt sie stets nahbar und menschlich. 

3. Mehrdimensionale Persönlichkeit 
Sandra Hunke lebt eine Mischung aus Handwerksprofi und „Glamour-Welt“. Ihre Modelqualitäten nutzt sie geschickt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, ohne die handwerkliche Glaubwürdigkeit zu verlieren. Das Aufbrechen von Berufsklischees und die Offenheit für verschiedene Facetten ihrer Persönlichkeit schaffen ein vielfältiges Bild, das eine breite Zielgruppe anspricht – auch jenseits der Handwerker-Milieus.
 
4. Themenvielfalt jenseits des Handwerks 
Neben handwerklichen Themen spricht sie offen über Gleichberechtigung der Geschlechter, Mutterschaft und persönliche Entwicklung. Mit dieser thematischen Mischung aus beruflicher Kompetenz, eigener Biografie und gesellschaftlicher Relevanz bietet sie ihren Followern echten Mehrwert. Sie wird damit zur Alltagsberaterin und Vorbild über das Handwerk hinaus. 

Getragen werden diese vier inhaltlichen Dimensionen von herausragender Bildsprache und hoher Interaktivität mit der Community. 

Visuelle Gestaltung 
Sandra Hunke verbindet meisterhaft den rauen Baustellenalltag mit einem ästhetischen, fast schon glamourösen Look. Ihre Fotos und Videos zeigen häufig stark kontrastierende Bildwelten: Nahaufnahmen ihrer Hände, die präzise arbeiten, kombiniert mit Bildern, auf denen sie selbst mit professionellem, strahlendem Lächeln und gepflegtem Erscheinungsbild posiert. Eines ihrer Videos zeigt sie etwa bei der Montage eines neuen Wasserhahns. Dabei ist die Kamera oft ganz nah auf Werkzeug und Hände gerichtet, um technische Details sichtbar zu machen, während die Beleuchtung den Arbeitsschritt gut in Szene setzt.  

Interaktion mit der Community 
Sandra Hunke betrachtet ihre Social-Media-Präsenz als echten Dialograum. In Kommentaren reagiert sie häufig direkt: „Danke, freut mich, dass Dir der Tipp hilft!“. Und auf kritische Anmerkungen mit ruhigen, sachlichen Antworten wie „Guter Hinweis, das werde ich beim nächsten Mal beachten“. Ihre Stories nutzt sie interaktiv: Umfragen wie „Welches Werkzeug soll ich testen?“ oder der Aufruf „Fragt mich alles zum Thema Wasserinstallation!“ sorgen für eine direkte Beteiligung der Community. Diese Nähe fördert ein starkes Gemeinschaftsgefühl und eine hohe Follower-Bindung. 

Drei Beispiele
Sanitärhandwerk: In einem Video dokumentiert sie Schritt für Schritt den Ausbau eines alten und den Einbau eines neuen Wasserhahns. Dabei erklärt sie lebendig und für Laien verständlich, wieso es wichtig ist, bestimmte Handgriffe genau so auszuführen – etwa das richtige Anziehen der Verschraubungen, um Leckagen zu vermeiden. Mit ruhiger Stimme und nahbaren Kommentaren vermittelt sie technisches Know-how ohne zu überfordern. Dazu zeigt sie nah am Geschehen ihre Hände und Arbeitswerkzeuge, was die Authentizität unterstreicht und Praxisnähe schafft. 

Werbung für Handwerkernachwuchs: Engagement für den Nachwuchs beweist Sandra Hunke in einem Post, in dem sie mit strahlendem Lächeln und in Arbeitskleidung auf einer Baustelle steht. Der Text dazu ist eine leidenschaftliche Aufforderung an junge Menschen, sich für Handwerksberufe zu entscheiden. Sie betont, wie vielfältig, spannend und sinnstiftend eine Ausbildung im Handwerk sein kann. Die Kombination aus persönlichen Worten („Ich liebe meinen Beruf!“) und visueller Energie macht die Botschaft glaubwürdig und motivierend. Die Kommentare zeigen eine hohe Zustimmung und regen Follower zum Teilen eigener Erfahrungen und zu Empfehlungen für Ausbildungsplätze an. 

Persönlichkeit und Werte: Im emotionalen Post „Kleiner Reminder an euch: Ihr habt nur dieses eine Leben“ spricht Sandra Hunke offen über Selbstfürsorge und mentale Gesundheit. Sie appelliert, sich selbst mit Freundlichkeit zu begegnen und das Leben bewusst zu genießen. Die Bildsprache ist schlicht, aber stark – Sandra Hunke blickt direkt in die Kamera, der Text ist persönlich und empathisch. Dieser Post löste eine lebhafte Diskussion aus, viele Follower teilten ihre eigenen Geschichten und zeigten sich berührt. Dadurch festigt sie nicht nur ihre persönliche Autorität, sondern baut tiefe Bindungen zu ihrem Publikum auf. 

Botschafterin für das Handwerk
Sandra Hunke agiert als leuchtende Botschafterin für das Handwerk. In einem Post schreibt sie: „Handwerk ist cool, kreativ und voller Möglichkeiten – traut euch, das ist ein Beruf mit Zukunft!“ Damit motiviert sie junge Menschen, eine Ausbildung im Handwerk zu beginnen. Ihr Einfluss zeigt Wirkung, nicht nur bei Jugendlichen und jungen Frauen, sondern auch auf Branchenebene. Industriepartner und Verbände kooperieren gerne mit ihr, um das Image des Handwerks zu fördern. Auf der Sanitär-Leitmesse agiert sie souverän in der Rolle als Moderatorin. Sie glänzt als wortgewandter Gast in der „3 nach 9“-Talkshow des NDR und als Kinderbuchautorin. 

Fazit
Sandra Hunke ist ein Paradebeispiel dafür, wie Handwerksbetriebe ihre Social-Media-Kommunikation abwechslungsreicher und wirksamer gestalten können. Die Kombination aus fachlicher Kompetenz, persönlichem Zugang, Humor, breiter Themenauswahl und aktiver Community-Pflege ist der rote Faden zu ihrem Erfolg. Gerade für Handwerksbetriebe, die junge Menschen gewinnen müssen, bietet sich hier ein inspirierendes Modell an. 

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