Tischlerei Weckenbrock | „Die Kirche im Dorf lassen“

„Ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster“, sagt Heiko Weckenbrock. Der Geschäftsführer der gleichnamigen Tischlerei Weckenbrock aus Bad Bentheim kennt die Alltagsroutinen und Schwachstellen nur zu gut. Mal eben schnell zum Bäcker oder Supermarkt – und daheim bleiben Fenster auf Kipp oder Türen sind nicht verschlossen. So mache man es Einbrechern zu einfach, sagt er. Dabei lassen sich Fenster und Türen heute längst besser sichern.

Anzeige

Heiko Weckenbrock führt das 1869 gegründete Unternehmen mit seinem Bruder Jens in fünfter Generation. Das 35-köpfige Team betreut Kunden im Umkreis von „50 Kilometern rund um den Kirchturm“, wie er mit einem Schmunzeln sagt. Münster, Osnabrück, das sind die Grenzen. In der Region installiert das Unternehmen für gewerbliche und private Kunden Fenster und Türen. „Seit Anfang 2026 haben wir uns dabei auf Kunststoff spezialisiert“, sagt er. Der Werkstoff sei eine gute Alternative zu Holz, günstiger und langlebig zudem. „Wenn Sie zehn Meter entfernt stehen, sehen Sie auch gar keinen Unterschied mehr.“  

Schutz liegt im Verborgenen

Der Schutz liegt im Verborgenen: Sowohl die Beschläge, also Scharniere, als auch die beweglichen Teile im Fenster, die Schließstücke, müssten stabil im Stahlkern verankert sein. Der Kunststoff drumherum sei dann nur die Hülle. „Die Statik und Sicherheit wird durch den Stahl erzeugt, der eingeschoben wird.“ Weckenbrock ergänzt aber: Es komme auch darauf an, wie fest Fenster im Mauerwerk verankert seien. „Das beste Fenster hilft nichts, wenn es nicht sicher eingebaut ist.“  

Wie sicher Fenster selbst werden, entscheidet auch der Kunde. „Auf zwei Metern kann man drei Schließstücke nehmen oder fünf“, erklärt er. Einfache Faustregel: Je mehr Schließstücke, desto schwerer werde es für Einbrecher, Fenster einfach aufzuhebeln. Und genau das sei nach wie vor die gängige Methode für den unerlaubten Zutritt.  

Sicherheitsstufe individuell anpassen

Wie sicher Fenster sind, wird über Widerstandsklassen definiert. RC 1 bis RC 6 – je höher der Wert, desto besser fällt der Schutz aus. Wer diese Zertifizierungen will, muss das bezahlen, denn in jeder Klasse sind auch Materialien definiert, die verbaut sein müssen. Weckenbrock ordnet ein: „Da darf man auch die Kirche im Dorf lassen.“ Wie sicher ein Fenster vor Ort sein darf, entscheide sich oft sehr individuell. Muss es also zwingend Sicherheitsglas sein? „Die Mehrkosten kann man sich an vielen Stellen sparen.“ Und letztlich könne auch ein einfacher Rollladen für Sicherheit sorgen. Wer nicht reinsehen kann, weiß auch nicht, was ihn erwartet. Das schrecke ab. 

Was für Fenster gilt, gelte auch für Türen. „Wenn die Tür nicht abgeschlossen ist, ist sie offen“, sagt Weckenbrock nüchtern. Das klassische Bild von der Scheckkarte, mit der sich Türen so öffnen lassen, sei akkurat. „Der Gelegenheitsdieb sucht nach schnellen, einfachen Zugängen“, erklärt er. Mit dem Stemmeisen unterm Pullover liefen Einbrecher ganz locker durch Garten oder Hausflure. „Stumpf ist Trumpf“, so bezeichnet Weckenbrock dieses Verhalten. Je natürlicher sich jemand bewege, desto weniger werde er von zufälligen Beobachtern als Einbrecher erkannt. Und genau deswegen gelte es, dem Einbrecher die Dinge nicht auch noch einfacher zu machen. Und Zeit sei die Hürde, die den Unterschied mache. Je länger ein Einbruch dauere, umso unwahrscheinlicher sei er. 

Psychologische Abwehrstrategie

Die Tischlerei Weckenbrock bietet auch elektronische Systeme an, beispielsweise Fingerscanner für Türen. „Das ist vor allem ein Komfortthema“, sagt Weckenbrock. Aber die Systeme mit ihren kleinen Leuchten wirkten auf Gelegenheitseinbrecher wie eine „psychologische Abwehrstrategie“. Wer so etwas sehe, befürchte, dass Videokameras und Alarm aktiv sind.  

Am Ende gelte aber: Mechanischer Schutz stehe immer vor elektronischem Schutz. „Viel hilft viel“, sagt Weckenbrock, der trotzdem zu Pragmatismus rät. Je mehr Sicherheitssysteme integriert würden, desto mehr sinke der Komfort. Es biete sich an, individuell einzuschätzen, wo der Aufwand angebracht sei. Und wo nicht.  

Artikel teilen