Sicherheitsbranche | Historische Höchststände

Oft reicht schon ein kurzer Moment der Unachtsamkeit und der Schaden für ein Unternehmen ist enorm: Ein Klick auf den falschen Link in einer E-Mail genügt, damit Hacker Zugriff auf das Firmennetzwerk erhalten. Ein Loch im Zaun wird zur Einladung für Einbrecher. Oder es fehlt teures Werkzeug, nachdem ein vermeintlicher Mitarbeiter der Stadtwerke „für Wartungsarbeiten“ ungestört im Betrieb unterwegs war. Cyberangriffe, Diebstähle, Einbrüche oder auch Extremwetterereignisse gehören zu den Risiken, mit denen Unternehmen täglich rechnen müssen. Entsprechend hoch ist der Stellenwert von Sicherheit geworden: Jahr für Jahr investieren Unternehmen in Deutschland Milliardenbeträge in Schutzmaßnahmen – und sorgen damit für ein kräftiges Wachstum in einer Branche, die laut Bundesverband der Sicherheitswirtschaft zuletzt „historische Höchststände“ bei Umsatz und Beschäftigtenzahl erreicht hat.

Grafik: Nadine Tenhaken

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Die Branche hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt, wie aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen. Die private Sicherheitswirtschaft – dazu zählen vor allem Sicherheitsdienstleister, aber auch Unternehmen aus den Bereichen Sicherheitstechnik und Sicherheitsberatung – festige damit ihre Rolle als stabiler Wachstumsfaktor in Deutschland, erklärte der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) unlängst in seinem Rückblick.

Lag der Umsatz im Jahr 2015 noch bei 6,96 Milliarden Euro, kletterte er demnach bis 2024 auf 14,02 Milliarden Euro. Für das vergangene Jahr 2025 prognostiziert der Bundesverband einen weiteren Anstieg auf 14,75 Milliarden Euro. Damit habe sich das Marktvolumen innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. 
Die positive wirtschaftliche Lage der Branche spiegele sich in den Beschäftigtenzahlen wider: Zum 30. Juni 2025 waren laut BDSW 290.871 Personen in der deutschen Sicherheitswirtschaft tätig – so viele wie nie zuvor. Davon entfallen allein 276.987 Beschäftigte auf die privaten Wach- und Sicherheitsdienste. 

Neun von zehn Unternehmen angegriffen

Aus der Studie „Wirtschaftsschutz 2025“ des Digitalverbands Bitkom geht hervor, dass knapp neun von zehn der befragten Unternehmen (87 Prozent) im vergangenen Jahr von Diebstahl von Daten und IT-Geräten, digitaler und analoger Indus­triespionage oder Sabotage betroffen waren. Vor einem Jahr lag der Anteil noch bei 81 Prozent. Weitere zehn Prozent vermuten Angriffe. Der Schaden durch diese analogen und digitalen Angriffe sei im Vergleich zum Vorjahr um rund acht Prozent auf 289,2 Milliarden Euro gestiegen, wie es in einer Pressemeldung des Bundesamts für Verfassungsschutz zu der Bitkom-Studie heißt. Darin enthalten sind Kosten etwa für Betriebsausfälle, Ersatzmaßnahmen, Erpressungen oder Rechtsstreitigkeiten, aber auch Umsatzeinbußen durch den Verlust von Wettbewerbsvorteilen oder Plagiaten.  

Kommunikations-, Kunden- und Finanzdaten gestohlen

Die meisten Angriffe auf Unternehmen erfolgen der Studie zufolge inzwischen digital. 73 Prozent der befragten Unternehmen waren von digitaler Sabotage betroffen oder mindestens vermutlich betroffen. Bei 62 Prozent wurde digitale Kommunikation wie E-Mails oder Videokonferenzen sicher oder vermutlich ausgespäht. Zwei Dritteln (66 Prozent) wurden Geschäftsdaten gestohlen oder sie vermuten das. Den davon betroffenen Unternehmen entwendeten die Täter vor allem Kommunikationsdaten (69 Prozent), Kundendaten (57 Prozent) sowie Finanzdaten (39 Prozent), heißt es dazu in der Pressemeldung des Bundesamts für Verfassungsschutz. Geistiges Eigentum wie Patente oder Informationen aus Forschung und Entwicklung flossen bei 29 Prozent der betroffenen Unternehmen ab, gefolgt von Zugangsdaten und Passwörtern (27 Prozent) sowie Daten von Beschäftigten (24 Prozent). 

Betroffen sind Unternehmen vor allem von Ransomware-Attacken, bei denen Daten verschlüsselt und nur gegen Lösegeldzahlung wieder freigegeben werden. 34 Prozent der befragten Unternehmen waren davon betroffen, das sind fast dreimal so viele wie 2022 mit zwölf Prozent. 

KI verstärkt im Einsatz

Bislang noch sehr selten entstehe Schaden durch neuere Angriffsmethoden wie Deepfakes (vier Prozent) und Robo Calls (drei Prozent), bei denen KI genutzt wird, um Opfern eine falsche Identität des Angreifers vorzugaukeln. Allerdings berichten 23 Prozent der befragten Unternehmen von Angriffen durch Robo Calls und elf Prozent von Deepfake-Attacken, bei denen kein Schaden entstanden ist. Zwei Drittel (66 Prozent) aller Unternehmen haben den Eindruck, dass bei Angriffen verstärkt Künstliche Intelligenz eingesetzt wird. 

Aber auch „klassische“ physische Einbrüche sind für Unternehmen nach wie vor eine Bedrohung. Wie der Sicherheitsmonitor 2025 – herausgegeben von VDMA, der Messe Essen und der VdS Schadenverhütung GmbH – zeigt, waren 41 Prozent der befragten Unternehmen in den letzten zwei Jahren mindestens einmal von einem Einbruch betroffen, während 40 Prozent das Risiko eines physischen Einbruchs als hoch einschätzen. 

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