Titelstory: Zwischen Mode und Schutz

Das Unternehmen Rofa aus Schüttorf konfektioniert die Persönliche Schutzausrüstung.Grafschaft Bentheim
Das Unternehmen Rofa aus Schüttorf stellt Persönliche Schutzausrüstung her.

Schüttorf - Ob auf der Baustelle, im Chemiewerk oder in der Schlosserei – manchmal reichen technische und organisatorische Veränderungen im Sicherheitsmanagement nicht mehr aus, um Mitarbeitende vor möglichen Gefahrenquellen zu schützen. Dann schreibt der Gesetzgeber Persönliche Schutzausrüstung (PSA) vor. Das Textilunternehmen ROFA aus Schüttorf produziert diese PSA schon seit etwa 40 Jahren. Cornelia Jäger, Christa Foistner und Franziska Fürst geben einen Einblick in die aufwendigen Produktionsprozesse und verraten, warum das Design der Kleidung etwa sieben Jahre lang modern sein muss.

Persönliche Schutzausrüstung dient dazu, das Restrisiko für eine Verletzung oder einen Unfall zu verringern. Sie schützt vor speziellen Gefahren wie Flammen, Hitze, elektrischer Energie, kleinen Spritzern flüssiger Chemikalien oder Nässe. Die Anforderungen an die Kleidung sind dementsprechend hoch – je nach Gefährdung orientiert sich ROFA bei der Herstellung von Schutzkleidung an den Normen. Sie bilden den Stand der Technik ab und definieren Mindestanforderungen.  „Um die Normen zu erfüllen, benötigen wir zum Beispiel bestimmte Gewebegewichte mit ganz bestimmten Faserarten“, erklärt Cornelia Jäger, die bei ROFA für die Gewebeentwicklung verantwortlich ist. Auch spezielle Bindungen sind wichtig, um die Erfüllung der Schutzanforderungen zu ermöglichen. Dazu kommen Farbechtheit sowie Festigkeit, damit die Kleidung in der Industriewäsche gewaschen werden kann. Die PSA muss in aller Regel schwer entflammbar sein, Flüssigkeiten sollen an ihr abperlen. Das gilt für die gesamte Kleidung – also zum Beispiel auch für aufgestickte Etiketten. „Um konstante Qualität zu garantieren, pflegen wir gute Partnerschaften zu unseren Garnlieferanten“, gibt Jäger einen Einblick. „Nur wenige hochspezialisierte Hersteller produzieren das Garn, das wir für die Produktion der PSA benötigen.“ Die Herstellung des Garns ist übrigens der einzige Produktionsschritt, den ROFA nicht selbst übernimmt. Für alle anderen Schritte, von der Herstellung des Gewebes einschließlich Veredelung bis hin zur Konfektionierung, ist das Unternehmen selbst verantwortlich. Das Gewebe wird in Schüttorf produziert, konfektioniert wird vor Ort in Schüttorf und in einem eigenen Konfektionsbetrieb in Rumänien.

Bis es eine Kollektion auf den Markt schafft, dauert es aufgrund der hohen Anforderungen etwa drei Jahre. Die Entwicklung eines neuen Gewebes zum Beispiel dauert mindestens ein Jahr. Auch die Zertifizierung der Gewebe und der Kleidung nimmt mindestens ein halbes Jahr in Anspruch. Dazu kommen die Produktionszeit des Gewebes, Tragetests und dann die Serienfertigung. Die langen Prozesse fordern das ROFA-Team auch im Hinblick auf das Design heraus: Je nach Normanforderung kann zum Beispiel nicht jede Verschlusstechnik angewendet werden.

Design muss sieben Jahre passen

Während die Lebenszyklen von Modestücken meist kurz sind und sich Trends ständig ändern, soll die Persönliche Schutzausrüstung mindestens vier Jahre lang getragen werden. Addiert man die Entwicklungs- und Produktionszeit, muss das Design der Kleidung also mindestens sieben Jahre lang passen. „Wir setzen deshalb auf klassische Designs“, erklärt Fürst, die die Öffentlichkeitsarbeit in dem Schüttorfer Unternehmen verantwortet. „Wir haben einen Designer im Haus, der schon sehr lange für uns tätig ist. Er kennt die Anforderungen an die PSA deshalb gut, entwickelt aber auch losgelöst von den Vorgaben neue Ideen und Entwürfe“, erläutert Christa Foistner, zuständig für das Produktmanagement bei ROFA. Selbst kleine Veränderungen wie eine zusätzliche Tasche müssen vorab streng geprüft werden. „Unser Vorteil ist allerdings, dass wir die Normen für die PSA von Beginn an selbst mitgeprägt haben“, betont Foistner. „Deshalb haben wir einen großen Wissens-Fundus innerhalb des Unternehmens.“

Mehrere Mitarbeitende von ROFA sind Mitglied in sogenannten Normenausschüssen. In diesen Gremien treffen sich zum Beispiel Vertreterinnen und Vertreter von Prüfinstituten, Gewebeherstellern , Konfektionären und Berufsgenossenschaften. „Dort bringt jeder seine Erfahrungen und Anfragen mit“, erläutert Jäger. Aktuell ging es zum Beispiel um eine gesundheitliche Fragestellung: Eine Berufsgenossenschaft hat von ihren Mitgliedern erfahren, dass beim Schweißen Rötungen auf der Haut entstehen, trotz Schutzkleidung. Ein Prüfinstitut hat daraufhin festgestellt, dass diese Hautirritationen von UVC-Strahlungen ausgelöst werden. Nun arbeiten Gewebehersteller und Prüfinstitute zusammen, um ein Prüfverfahren zu etablieren, das als Mindestanforderung in die Schweißerschutznorm integriert werden kann. „Auch in gemeinsamen Projekten zwischen Hochschulen, Forschungsinstituten und dem Unternehmen geht es immer darum, Theorie und Praxis zusammenzubringen“, erklärt Jäger.

Zertifizierte Produkte

Die PSA, die das Textilunternehmen herstellt, ist gemäß Standard 100 von Oekotex zertifizert. Artikel, die mit diesem Label gekennzeichnet werden, gelten als gesundheitlich unbedenklich. Alle Bestandteile – selbst Knöpfe oder Nähgarne – wurden auf Schadstoffe geprüft. Immer wieder beschäftigt sich ROFA außerdem mit dem Aspekt Nachhaltigkeit und ist STeP-zertifiziert. Im Rahmen dieser Zertifizierung werden die Produktionsbedingungen unter den Aspekten Chemikalienmanagement, Umweltleistung, Umweltmanagement, soziale Verantwortung, Qualitätsmanagement sowie Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit betrachtet. Zusätzlich hat das Schüttorfer Unternehmen für bestimmte Produkte das Label „Made in Green“ erhalten. Diese Kennzeichnung können nur Produkte bekommen, wenn die Unternehmen bereits nach Oekotex STeP und Oekotex 100 zertifiziert sind. Bei Made in Green erhält jedes Kleidungsstück einen individuellen Code, mit dem sich der Produktionsprozess der Ware zurückverfolgen lässt.

Bei allen Anforderungen, Sicherheitsprüfungen und Vorschriften an die Herstellung der PSA gilt dennoch eines, wie Jäger betont: „Der Endanwender muss durch korrektes Tragen und die vorgeschriebene Pflege sicherstellen, dass die Persönliche Schutzausrüstung auch Wirkung zeigen kann. Wenn das nicht passt, nutzt das beste Produkt nichts.“  

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