Kreis Borken

Zweiter Techathon: „Die Arbeit an realen Problemen macht Spaß“

Steinfurt/Bocholt – Montag war es noch ein Problem, Freitag gab es schon die Lösung: Beim zweiten Techathon im Münsterland haben Studierende in der Westfälischen Hochschule in Bocholt und im MakerSpace der FH Münster in Steinfurt sich mit Problemstellungen von Unternehmen aus der Region befasst – und sie gelöst. In sieben Challenges bewiesen die Studentinnen und Studenten bei dem einwöchigen Ideen-Wettbewerb ihr Können und ihre Kreativität. Die Aufgabenstellungen der Unternehmen reichten von der Optimierung der Qualitätskontrolle in der Produktion über die Entwicklung eines Greifers für Obst und Gemüse bis zur Weiterentwicklung der Bestuhlung im Bundestag.

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In Bocholt hatte sich ein interdisziplinäres Team gebildet: Vier Studenten der Westfälischen Hochschule aus den Fachbereichen Bionik, Mechatronik und Wirtschaftsingenieurwesen stellten sich der Herausforderung des Familienunternehmens Pieron aus Bocholt: Spannringe, die als sogenanntes Schüttgut in loser Form aus der Produktion kommen, müssen für die Qualitätskontrolle in die Prüfanlage befördert werden. Das Problem: Für eine optimale Leistung der Prüfanlage müssen die Ringe einzeln und nacheinander der Anlage zugeführt werden. Ansonsten kann die Sensorik der Prüfanlage die Spannringe nicht erfassen und stößt diese als fehlerhaft aus.

Technologiescout Christopher Langner begleitete den Techathon vor Ort in Bocholt: „Am ersten Tag verschafften sich die Studenten einen Überblick über die Herausforderung und begannen mit dem Brainstorming. Bereits am zweiten Tag hatte sich die Gruppe für ein Lösungskonzept entschieden.“ Die Studenten erstellten erste Skizzen und Modelle. Bis tief in die Nacht produzierte der 3D-Drucker anschließend den Prototyp. Die Lösung der Studenten ist ein Drehkreuz, das die Ringe separiert und taktet. Das Drehkreuz inklusive Motor präsentierte die Gruppe bei der Abschlussveranstaltung den Verantwortlichen bei Pieron. Jonas Loskamp, Mechatronik-Student im fünften Semester, freut sich über den Erfolg seines Teams: „Die Arbeit an dem realen Problem hat mir viel Spaß gemacht. Der Techathon ist zudem eine super Chance, um mit Firmen in Kontakt zu kommen und mit freiwilligem Engagement einen guten Eindruck zu hinterlassen.“

In Steinfurt am MakerSpace der FH Münster war eine der Aufgabenstellungen, für die Firma Trendelkamp Technologie GmbH aus Nordwalde das Stuhlführungssystem für Plenarsäle weiterzuentwickeln. Die Sitze fahren nach dem Aufstehen automatisch an den Tisch zurück und werden etwa im Deutschen Bundestag eingesetzt. Die Challenge: eine Mechanik entwickeln, die es ermöglicht, sich mit dem Stuhl auch seitlich zu bewegen. Dafür stellte das Studierendenteam einen zunächst 3D-gedruckten Schwenkarm mit Zahnrädern vor. „An diesen Ansatz haben wir so noch nicht gedacht. Die Details müssen natürlich noch ausgearbeitet werden, aber ich sehe wirklich Potenzial in der Idee“, sagte Geschäftsführer Josef Trendelkamp bei der Abschlusspräsentation am Steinfurter Campus.

Wirtschaftsingenieur Jan Eric Müller und die beiden Informatikstudenten Friedrich Sudhoff und Sebastian Strasda haben für die Firma 5ahead GmbH aus Haren ein Konzept entworfen, wie Wohncontainer mittels Sensorik und dem Internet of Things smart und digital werden können. Ihr Fazit zum Techathon: „Es war super, das Wissen aus dem Studium an einer Industrie-Challenge zu testen und anzuwenden und vor allem in einem Team aus unterschiedlichen Fachrichtungen zu arbeiten.“ 

Bei der Abschlussveranstaltung kündigten die Organisatoren an: Eine weitere Runde des Techathons sei bereits in Planung, denn es habe sich gezeigt, dass dieser als Format für intensiven und praxisnahen Austausch zwischen Unternehmen und Studierenden großes Potenzial habe. Für die fünf Teams heißt es nun erstmal, gemeinsam mit den Unternehmen auszuloten, ob und wie die entstandenen Ideen weiterverfolgt werden können.

Initiator des münsterlandweiten Techathons ist das Projekt Enabling Networks Münsterland, das mit verschiedenen Maßnahmen im Bereich des Technologiescoutings die Vernetzung und den Austausch zwischen Unternehmen und Hochschulen fördert. In Kooperation mit der FH Münster, der TAFH Münster GmbH, dem MakerSpace und der Westfälischen Hochschule wurden die Challenges für den Wettbewerb organisiert. „Der Techathon hat sich als ein Format für intensiven Austausch zwischen Unternehmen und Studierenden nun zum zweiten Mal bewährt und hat aus unserer Sicht großes Potenzial“, sagt Bernd Büdding, Projektleiter vom Projekt Enabling Networks Münsterland beim Münsterland e.V.

MakerSpace-Mitarbeiter Lukas Rengbers ergänzt: „Ich denke, dass Techathons den Studierenden eine hervorragende Möglichkeit bieten, ihr erworbenes Wissen in interdisziplinären, selbstorganisierten Teams auf konkrete Problemstellungen der Wirtschaft anzuwenden. Sie lernen dabei voneinander neue Lösungsansätze und Herangehensweisen, so entstehen kreative und innovative Lösungsansätze.“ „Die Studierenden bekommen dabei die Gelegenheit, mit Unternehmen der Region in Kontakt zu treten und eine unternehmerische Perspektive einzunehmen“, so Mitorganisatorin Lea Wilkens von der TAFH Münster GmbH.

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