Herr Legrand, Sie sind seit Mitte Juni neu in der Geschäftsleitung bei Kuhlmann Cars. Wie haben Sie sich bislang eingelebt?
Ich fahre jeden Morgen mit einem Lächeln zur Arbeit. Der sukzessive Einarbeitungs- und der Übergabeprozess mit dem Unternehmensgründer von Kuhlmann Cars, Udo Schmidt, läuft sehr gut und macht mir große Freude. Ich habe von Anfang an die Möglichkeit bekommen, mich selbst einzubringen und Prozesse mitzugestalten. Bereits Anfang Juli habe ich die Vertriebsleitung von Udo Schmidt übernommen, der sich nunmehr auf die technische Entwicklungsarbeit konzentrieren wird. Die Dynamik und die Geschwindigkeit, mit der die Veränderungen bei Kuhlmann Cars vorangetrieben werden, sind sehr beeindruckend, aber gleichzeitig durchdacht.
Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt?
Ich habe mein Leben lang schon in der Automobilbranche gearbeitet. Zum einen im Automobilhandel als selbstständiger Unternehmer sowie als angestellter Geschäftsführer, zum anderen habe ich als Unternehmensberater in der Automobilindustrie gearbeitet. Eine Facette fehlte mir also noch: Die Arbeit bei einem Fahrzeughersteller – diese Aufgabe hat mich sehr gereizt. Ein weiterer ausschlaggebender Punkt war, dass ich nun praktisch zuhause arbeite: Ich wohne in Schermbeck, einen Katzensprung von Heiden entfernt. Die kurzen Wege zur Arbeit sind für mich ein echtes Stück Lebensqualität, nachdem ich jahrelang in Hotels oder Dienstwohnungen in Stuttgart, Wolfsburg oder anderswo in Europa gelebt habe.
Michael Salzmann, Sohn des Gründers Udo Schmidt, ist ebenfalls in der Geschäftsführung tätig. Wie teilen Sie sich die Aufgaben auf?
Im Herbst steigt sogar mit Stefan Salzmann der zweite Sohn von Udo Schmidt ins Unternehmen ein, sodass wir auf der Führungsebene in Zukunft stark aufgestellt sind und uns gegenseitig perfekt ergänzen. Michael Salzmann ist der Kopf der Finanzen und der Produktion. Sein Bruder Stefan wird sich in den Bereich Materialwirtschaft einarbeiten. Da beide ihre Stärken eher in den Bereichen Finanzen bzw. Technik haben, übernehme ich von Udo Schmidt die Vertriebsleitung. Er wird sich – wie bereits angesprochen – künftig ausschließlich auf die Entwicklungsarbeit konzentrieren. Udo Schmidt ist der kreative Geist von Kuhlmann Cars: Er hat das Unternehmen in den vergangenen 30 Jahren erfolgreich aufgebaut. Er ist der Kopf, der neue Ideen entwickelt, welche eine hohe Akzeptanz bei den Kunden haben. Zahlreiche Entwicklungen verfügen zudem über einen Europaweiten Designschutz, der unser Angebot einzigartig macht. Auf diese Innovationen, auch mit Blick auf E-Mobilität, wird sich Udo Schmidt künftig noch mehr konzentrieren.
Dass im Münsterland Bestattungsfahrzeuge hergestellt werden, wissen nur die wenigsten. Wie sieht die Arbeit von Kuhlmann Cars aus?
Wir sind neben einem italienischen Hersteller Marktführer im Bestattungswagenbau in Deutschland und Europa. Das Besondere an unserer Arbeit ist, dass wir als Sonderfahrzeugbauer viele Komponenten selbst herstellen. Gleichzeitig haben wir mit Lieferanten aus der Umgebung einen starken regionalen Bezug. Vom Karosseriebau über die Lackierung und den Innenausbau bis hin zum Finish werden alle Arbeitsschritte in unserem Hause durchgeführt. Auch die Gesamtentwicklung neuer Fahrzeuge findet bei Kuhlmann Cars statt. Das Grundmodell, das wir für unsere Bestattungswagen nehmen, ist in der Regel ein Van oder eine E-Klasse von Mercedes-Benz. Wir verstehen uns als Premiumanbieter und deshalb passt die Marke Mercedes-Benz mit ihren komfortablen, hochwertigen Fahrzeugen perfekt zu uns.
Sie bauen also „normale“ Fahrzeuge um?
Genau. Beim Van müssen wir äußerlich relativ wenig verändern. Anders sieht das bei der E-Klasse aus, die wir auseinanderschneiden, verlängern und wieder zusammenfügen. Das kann längst nicht jeder Fahrzeugbauer! So entsteht letztlich ein Bestattungswagen von Kuhlmann-Cars. Diese Ausrichtung macht uns zu einem exklusiven Fahrzeugbauer, was uns für Fachkräfte besonders interessant macht. Wir beschäftigen insgesamt 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den drei Standorten in Heiden, Ramsdorf und Borken – darunter sind Kfz-Mechatroniker, Karosseriebauer, Lackierer und Industriemechaniker sowie Mediengestalter. Denn wir kreieren im Druck- und Plottverfahren individuelle Designs für unsere Kunden, die dann in den Fahrzeugen – zum Beispiel als Trennwand oder Gardinentafel – eingesetzt werden.
Wie hat sich das Geschäft in den vergangenen Jahren entwickelt?
Sehr positiv! Unser Unternehmen ist kerngesund. Neben der starken Positionierung auf dem deutschen Markt sind wir auch in Österreich und der Schweiz sehr gut vertreten. Darüber hinaus haben wir eigene Distributoren in Australien, Polen und Belgien. Aktuell haben wir sogar ein Fahrzeug für die Beerdigung eines Staatspräsidenten in Afrika gebaut. Uns fragen mittlerweile Kunden aus der ganzen Welt an, weil wir uns mit Qualität und vor allem Innovationsgeist, technischem Know-how sowie Mut am Markt durchgesetzt haben. Wir sind zum Beispiel einer der wenigen Hersteller, die Bestattungswagen mit Flying Windows, also Fenstern, die sich nach oben ausklappen lassen, fertigen.
Was bedeutet diese internationale Ausrichtung für Ihre Produktion?
Wir müssen uns in erster Linie sehr flexibel auf die unterschiedlichen Anforderungen unserer Kunden einstellen. Dabei spielen individuelle Wünsche und kulturelle Gepflogenheiten eine Rolle. In manchen Ländern ist beispielsweise eine Innenausstattung aus Edelstahl erforderlich, in anderen Ländern sind Leder und Holz gefragt. Auch die Art, wie der Sarg befestigt und bewegt werden kann, kann sich länderspezifisch unterscheiden, aber auch die gesetzlichen Vorgaben des Landes, in dem der Kunde tätig ist, sind entscheidend.
Inwiefern?
In einigen Ländern gibt es zum Beispiel bestimmte technische Vorgaben für den Sargraum die so protektionistisch sind, dass wir gut abwägen müssen, ob es für uns wirtschaftlich sinnvoll ist, in dem Markt zu agieren. Auch für Motoren gibt es unterschiedliche Richtlinien und auch Homologationsregeln, die festlegen, in welchen Ländern welche Fahrzeuge überhaupt zugelassen werden können. Für den afrikanischen Kontinent gibt es mitunter spezielle Motorvarianten. Generell ist also die Kommunikation mit dem Kunden und die Information über den Einsatzort sehr entscheidend für unsere Produktion.
Was sind Ihre Ziele mit Kuhlmann Cars?
Wir möchten das internationale Geschäft weiter ausbauen. Das wird ein Schwerpunkt meiner Arbeit in den kommenden Monaten sein. Unser Ziel ist es, die Produktionszahl weiter zu steigern.
Wie stellen Sie sich darauf ein?
Indem wir unser Team ebenfalls ausbauen. Zum einen suchen wir zurzeit Verstärkung für unseren Vertriebsaußen- und -innendienst. Der direkte Besuch ist insbesondere im deutschsprachigen Raum ein wichtiger Bestandteil unserer Kundenbindung. Aber auch für die Fertigung benötigen wir zusätzliche Handwerker wie Kfz.-Mechatroniker, Industriemechaniker und Lackierer. Unsere sogenannten Flying-Doctors fahren zu den Kunden und reparieren die Fahrzeuge vor Ort. Das ist ein Service, mit dem wir eine Alleinstellung auf dem Markt genießen. Darüber hinaus werden wir unser digitales Angebot erweitern, damit wir unsere Kunden noch besser betreuen können.