„Wir sind in einer Luxussituation“

Tim MeerkötterBorken
Tim Meerkötter

Digitalisierung und Breitbandausbau – diese Themen bewegen und begleiten die Wirtschaft im Kreis Borken bereits seit einigen Jahren. Anlässlich unserer Kreisausgabe haben wir anhand eines Praxisbeispiels beleuchtet, warum diese beiden Themen so essentiell und wichtig für die Unternehmen in der Region sind und wie sie den Unternehmensalltag ganz konkret verändern.

Für Tim Meerkötter ist die Digitalisierung eine echte Leidenschaft. Der Borkener führt gemeinsam mit seinem Bruder Uli Meerkötter das Unternehmen Meerkötter Werkstattbedarf, einen Großhandel für Werkzeug inklusive Fachgeschäft in Borken. Meerkötter hat den digitalen Wandel schon früh sehr entschlossen vorangetrieben. Und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht: Mit dem nun anstehenden Anschluss ans Breitbandnetz öffnen sich weitere Türen in Sachen Digitalisierung.


Bereits seit dem vergangenen Jahr – und damit zwei Jahre eher als ursprünglich geplant – läuft bei Meerkötter alles papierlos, vom Urlaubsantrag über die Unternehmenskommunikation bis zu sämtlichen Geschäftsprozessen. Dabei haben sich die Borkener Unterstützung von einem IT-Partner aus Münster geholt. „Hier in der Umgebung gibt es viele innovative IT-Unternehmen. Ich glaube, es wird oft unterschätzt, wie viel Kompetenz es im Westmünsterland gibt“, betont Tim Meerkötter.


Der Weg in einen fast vollständig digitalen Arbeitsalltag war allerdings alles andere als einfach. Insbesondere die Digitalisierung des Lagerverwaltungssystems war eine große Herausforderung für das Meerkötter-Team, erklärt der Geschäftsführer: „Die Logistik gehört zu den sensibelsten Stellen in einem Unternehmen. Die Kundenzufriedenheit hängt wesentlich davon ab.“ Umso wichtiger war es also, dass die Logistik trotz der Umstellung auf das neue System möglichst reibungslos weiterlief. Dazu kam eine weitere Herausforderung: Das von Meerkötter eingesetzte Programm ist eigentlich auf Großunternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern ausgelegt. Das 44-köpfige Borkener Team wollten das System trotzdem einführen – und startete ein Pilotprojekt mit dem Ziel, das Produkt salonfähig für den Mittelstand zu machen. „Das war eine nervenaufreibende und belastende Zeit“, blickt Meerkötter zurück. „Wir haben uns oft gefragt: Warum tun wir uns das an? Letztendlich haben wir es durch enorm harte Arbeit geschafft, das System zu etablieren.“ Und die Mühe hat sich gelohnt: Seit der Einführung des neuen Programms ist die Zahl der Bestellungen gewachsen. „Wir sind zuverlässiger geworden“, betont Meerkötter.


Noch herausfordernder als der technische Wandel war aber der kulturelle Wandel im Unternehmen. Rund zehn Jahre habe dieser gedauert. „Der Mensch mag Gewohntes“, erklärt der Geschäftsführer. „Unsere Ideen und Ansätze sind deshalb bei unserem Team nicht immer auf unmittelbare Begeisterung gestoßen.“ Deshalb sei es extrem wichtig gewesen, jeden Mitarbeiter ins Bord zu holen und dem Team permanent die eigene Vision vor Augen zu führen. „Wir haben immer wieder verdeutlicht: Es gibt das folgende Problem und das schaffen wir mit einer digitalen Lösung aus dem Weg“, erläutert Meerkötter in der Rückschau. „So ist es uns gelungen, dass heute alle an einem Strang ziehen.“ Um die Mitarbeiter an die Hand zu nehmen, hat Meerkötter außerdem „Meertube“ gestartet. Das ist eine interne Schulungsplattform, die alle Geschäftsprozesse in Kurzvideos erklärt. Für jede Abteilung gibt es einen eigenen Kanal, außerdem erscheinen regelmäßig die „Meerkötter News“ mit Neuigkeiten aus dem Unternehmen. „In der Corona-Zeit ist das Tool super, um mit Mitarbeitern im Homeoffice in Kontakt zu bleiben“, unterstreicht der Geschäftsführer, der die Videos selbst gedreht hat. Außerdem spart Meerkötter so eine Menge Zeit in Sachen Schulungen. „Unser Lagerlogistiksystem zum Beispiel war sehr schulungsintensiv. Ich habe ungefähr 60 Videos mit jeweils zwei bis drei Minuten Länge gedreht und jeden einzelnen Schritt erklärt.“ Haben die Mitarbeiter Fragen, können sie sich die Videos beliebig oft anschauen. Auch für die Einarbeitung von neuem Personal ist das hilfreich.


Die Digitalisierung ist ein Trumpf im Ärmel des noch relativ jungen Unternehmens, ist sich Meerkötter sicher. „Insbesondere im technischen Handel gibt es zahlreiche Player, die bereits seit Jahrzehnten erfolgreich am Markt etabliert sind. Wir haben versucht, uns durch technische Hilfsmittel einen eigenen Platz zu erobern. Letztendlich haben wir so bereits Konkurrenten überholen können.“ Auch Nachwuchsschwierigkeiten hat das Unternehmen nicht. „Unser Team ist sehr jung, wir haben zurzeit sechs Auszubildende und keine Probleme, neue Azubis zu finden. Es hat sich herumgesprochen, dass wir gerne neue Wege gehen. Das ist gerade für junge Fachkräfte sehr wichtig.“


Um die digitalen Strukturen im Unternehmen noch weiter auszubauen, hat Meerkötter bereits einige Pläne, für die allerdings ein leistungsstarkes Breitbandnetz erforderlich ist. Das wird aktuell unmittelbar vor der Unternehmenstür verlegt. „Wir wollen unsere gesamte Telefonanlage, unser Dokumentenmanagement und unsere Serverlandschaft in eine Cloud laden“, gibt der Geschäftsführer einen Ausblick. Die Borkener arbeiten bereits mit einer Cloud, doch zum Teil dauert es mehrere Minuten, bis Dokumente daraus wieder heruntergeladen sind. Außerdem benötigt das Unternehmen eine Servererweiterung. Die ist kosten- und verwaltungsintensiv – ein Problem, das sich mit einer skalierbaren Cloud lösen lässt. „Wir wachsen nach wie vor, umso wichtiger ist es, im laufenden Prozess größer werden zu können“, betont Meerkötter. Darüber hinaus muss sich der Geschäftsführer dann keine Gedanken um Updates, eine aktuelle Hardware oder die Virenprüfung machen. Diese Aufgaben werden an den Hoster übertragen. Zurzeit mangelt es dem Großhändler außerdem an Speicherplatz für ein Backup. „Das ist ein heikles Problem“, betont der Geschäftsführer. Der Speicher muss nun mit hohen Investitionskosten und Aufwand nachgerüstet werden. Mit dem Schritt in eine Cloud ließe sich das Problem auf Knopfdruck lösen. Umso mehr freut er sich, dass der Breitbandausbau wie im gesamten Kreis Borken auch vor seiner Haustür so zügig vorangegangen ist: „Wir sind hier in einer echten Luxussituation. Wenn man im Kreis Borken Glasfaser will, dann bekommt man den Anschluss auch. Alle Beteiligten haben an dieser Stelle einen extrem guten Job gemacht. Darauf können wir stolz sein.“

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