Treiber des Wachstums waren 2023 insbesondere die Kundengeldanlagen. Sie lagen zum Jahresende bei 4,2 Milliarden Euro (plus 600 Millionen Euro oder 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr). „Durch den Zinsanstieg sind die Möglichkeiten für Geldanlagen und die Nachfrage entsprechend gestiegen. Deshalb hat sich dieser Bereich sehr positiv entwickelt“, erklärte Vorstand Matthias Entrup. Allein das betreute Wertpapiergeschäft der VR-Bank Westmünsterland belief sich im vergangenen Jahr auf rund 1,5 Milliarden Euro. „Immer mehr Kunden wollen frühzeitig Reserven aufbauen“, so Entrup.
Der Kreditbestand stieg um 2,9 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Die VR-Bank hat 2023 neue Kredite in Höhe von 443 Millionen Euro vergeben. Davon entfallen circa 320 Millionen Euro auf das Firmenkundengeschäft und 123 Millionen Euro auf das Baufinanzierungsgeschäft. „Aufgrund des höheren Zinsniveaus war die Kreditnachfrage im privaten Baufinanzierungsbereich wie erwartet geringer. Eine stärkere Nachfrage gab es hingegen bei den energetischen Sanierungen und Modernisierungen, insbesondere im Firmenkundenbereich. Die Unternehmen haben mit den Krediten außerdem Erweiterungen und Betriebsmittel finanziert“, erläuterte Entrup. Der Vorstand blickte „verhalten optimistisch“ auf das Kreditgeschäft im neuen Jahr: „Die Nachfrage auf dem Immobilienmarkt wird sich aus unserer Sicht in der zweiten Jahreshälfte wiederbeleben. Auch aus der Wirtschaft wird es weitere Investitionsimpulse geben. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels rechnen wir beispielsweise mit Investitionen in die Automatisierung von Produktionsprozessen und die Anwendung von KI, ebenso wie in die Energieeffizienz, um sich CO2-neutral aufzustellen.“
In der Jahrespressekonferenz zog der Vorstand außerdem Bilanz für in 2023 neu gestartete Projekte. „Wir haben den sogenannten Nachhaltigkeitsdialog etabliert, bei dem wir Firmenkunden beraten, wie sie Investitionen in die Nachhaltigkeit finanzieren können. Dabei wollen wir Partner auf Augenhöhe im Transformationsprozess zu einer nachhaltigen Wirtschaft sein, kein Lehrmeister“, erläuterte der Vorstandsvorsitzende Düerkop. Auch für sich selbst hat die genossenschaftliche Bank das Thema oben auf der Agenda platziert: In den vergangenen dreieinhalb Jahren hat die VR-Bank ihren CO2-Fußabdruck um 70 Prozent reduziert. 2023 sank der CO2-Ausstoß auf rund 400 Tonnen, ursprünglich waren es 1.900 Tonnen. Um das zu erreichen, hat die Bank unter anderem Photovoltaikanlagen auf ihren Gebäuden installiert und ihren Fuhrpark auf E-Autos umgestellt.
Der 2023 erstmals ausgelobte Nachhaltigkeitspreis der VR-Bank soll ebenfalls wieder in diesem Jahr vergeben werden. „Die starke Resonanz mit über 80 Bewerbungen im vergangenen Jahr hat uns gezeigt, wie groß das Interesse an nachhaltigem Handeln in unserer Region ist. Für die neue Runde können noch bis zum 31. März Projekte eingereicht werden“, informierte Vorstand Berthold te Vrügt.
Auch zur rückwirkend zum 1. Januar 2024 geplanten Fusion mit der Volksbank Südmünsterland-Mitte gab der Vorstandsvorsitzende bei der Jahrespressekonferenz ein Update. „Wir sind in guten, partnerschaftlichen Verhandlungen. Nach der Unterzeichnung des ‚Letter of Intent‘ im Dezember des vergangenen Jahres werden wir den Fusionsvertrag vorbereiten und im Mai in den Vertreterversammlungen beider Banken über den Zusammenschluss final abstimmen“, erläuterte Düerkop die nächsten Schritte. Fest steht schon jetzt der neue Name der gemeinsamen Bank: Volksbank Westmünsterland. Der neue Vorstand soll sich dann aus den bisherigen Vorständen beider Banken zusammensetzen. Düerkop bekräftigte zudem: „Wir wollen alle Niederlassungen und Mitarbeitenden beibehalten. Die regionale Präsenz vor Ort ist ein Erfolgsfaktor unseres Geschäfts. Das merken wir auch am ungebrochenen Zustrom an Neukunden.“
Auf das laufende Geschäftsjahr blickte der Vorstand positiv: „Wir schließen uns den Prognosen der Deutschen Bundesbank an, laut der sich die deutsche Wirtschaft – mit Verzögerung – erholen wird und 2024 wieder Fahrt aufnimmt“, fasste te Vrügt zusammen. Demnach werde Deutschland „wachsen, aber nicht Europas Klassenbester werden“. Als Treiber für Investitionen sieht te Vrügt vor allem das Thema Nachhaltigkeit. „Hier muss die Politik aber mit Augenmaß agieren: Zu viel bürokratischer Aufwand in der Finanzierung schreckt Unternehmen ab, Geld für grüneres Wirtschaften auszugeben. Ohne Bankkredit wird die Transformation im Energiebereich aber nicht gelingen“, betonte te Vrügt.