Nach gut zwei Jahren, in denen zunächst im kleinen Kreis auf persönlicher Ebene und später dann im Rahmen konkreter Sondierungsgespräche die Grundlagen für den Zusammenschluss gelegt wurden, haben nun die Vertreter der Zweckverbände offiziell die Fusionspapiere unterzeichnet.
„Die Häuser passen einfach sehr gut zueinander. Beide Sparkassen wachsen stärker als der Durchschnitt. Sie haben eine fast identische Bilanzstruktur. Sie sind tief in der Region verwurzelt und sie stehen vor denselben Herausforderungen, die im Verbund deutlich leichter zu bewältigen sind. Daher bin ich mir sicher, dass durch die Fusion eine der erfolgreichsten Sparkassen im westfälisch-lippischen Sparkassenverbund entstehen wird“, zeigte sich der Verwaltungsratsvorsitzende der Verbundsparkasse, Emsdettens Bürgermeister Oliver Kellner, überzeugt.
Reiner Selbstzweck sei die Fusion jedoch nicht, wie Landrat Dr. Martin Sommer in seiner Funktion als Verwaltungsratsvorsitzendender der Kreissparkasse betonte. Durch den Zusammenschluss werde eine Sparkasse entstehen, die auch künftig sehr leistungsfähig im Sinne der Menschen im Kreis Steinfurt agieren könne. „So werden wir auf lange Sicht die finanzielle Versorgung unserer starken heimischen Wirtschaft sichern. Zudem wird die neue Kreissparkasse mit Blick auf Gewerbesteuern, Spenden und Sponsoring, aber auch als Arbeitgeber nicht unbeträchtliche Mehrwerte im Kreis Steinfurt schaffen“, stellte der Landrat klar.
Insbesondere bei den gewerblichen Krediten habe die neue Kreissparkasse Steinfurt – so der Titel der fusionierten Bank – deutlich größere Spielräume, erläuterte auch Langkamp. Aufgrund der sehr starken Wirtschaft im Kreisgebiet, sei die Nachfrage nach Krediten groß: „Dabei geht es nicht selten um echte Großprojekte im dreistelligen Millionenbereich. Auch in diesen Größenordnungen wollen und können wir den Unternehmen künftig noch besser zur Seite stehen“, verdeutlichte der alte und neue Vorstandsvorsitzende.
Einen besonderen Schwerpunkt sieht Langkamp dabei insbesondere im Bereich der Energiewende. Um die für die Wende erforderliche Transformation zu schaffen seien allein im Kreis Steinfurt in den kommenden 20 bis 30 Jahren Investitionen in einem Gesamtvolumen von fünf Milliarden Euro erforderlich. Darauf will sich die fusionierte Kreissparkasse noch besser einstellen. Zum einen durch die zusätzlichen Spielräume bei der Kreditvergabe und zum anderen durch den Aufbau von Expertise in diesem speziellen Finanzierungssegment.
In der Summe zeigten sich die Vertreterinnen und Vertreter beider Häuser mit dem Ergebnis ihrer Fusionsverhandlungen sehr zufrieden. Obwohl die Verbundsparkasse Emsdetten-Ochtrup mit einer Bilanzsumme von fast 1,3 Milliarden Euro im Vergleich zur Kreissparkasse mit einer Bilanzsumme von 5,5 Milliarden das deutlich kleinere Haus ist, seien die Verhandlungen komplett auf Augenhöhe verlaufen. „Natürlich gab es auf unserer Seite auch eine gewisse Unsicherheit. Insbesondere die Mitarbeitenden machen sich bei einem solchen Schritt Gedanken. Umso schöner ist es, dass wir im Zuge der Sondierungsgespräche ein gemeinsames Sozialpaket entworfen haben, das diesen Ängsten die Grundlage entzieht. Niemand wird seinen Arbeitsplatz verlieren. Lediglich einige wenige Kolleginnen und Kollegen werden künftig pendeln müssen. Aber auch dafür haben wir in dem Paket eine gute Lösung gefunden. In der Summe denke ich sogar, dass wir durch die Fusion und die Möglichkeiten, die sich in diesem größeren Umfeld bieten, einen noch attraktiveren internen Arbeitsmarkt geschaffen haben“, verdeutlichte der Vorstandsvorsitzende der Verbundsparkasse, Dr. Peter Eckhardt, und sein Verwaltungsratsvorsitzender Oliver Kellner ergänzte: „Die größte Hürde lag für uns schon im Vorfeld der Gespräche. Natürlich haben auch wir uns darüber Gedanken gemacht, wie wir die Verbundsparkasse zukunftssicher aufstellen können. Die Idee, diesen Weg mit der Kreissparkasse zusammenzugehen, war zwar naheliegend, am Ende geht es aber immer auch um Emotionen. Und da haben wir als kleiner Partner, der dann ja auch seinen Namen aufgeben muss, schon mit uns gerungen. Mit den Sondierungsgesprächen haben sich diese Bedenken dann jedoch schnell zerschlagen. Das gute Gesprächsklima und die Erkenntnis, dass wir gemeinsam zu einer belastbaren, zukunftsfähigen Sparkasse werden können, haben allen Beteiligten gezeigt, dass wir den richtigen Weg beschreiten.“
Info:
Die juristische Fusion soll zum 1. Januar 2023 erfolgen, die technische Fusion soll bis zum 20. August 2023 vollzogen werden. Den Vorstand der fusionierten Kreissparkasse bilden Dr. Peter Eckhardt, Carl-Christian Kamp, Peter Hensmann und Rainer Langkamp als Vorstandsvorsitzender. Nachdem Eckhardt Ende April 2023 altersbedingt in den Ruhestand gehen wird, soll der Vorstand künftig nur noch drei Mitglieder umfassen.