Industrie 4.0: So kann's gehen! (Beispiel Neuenhauser Gruppe)

Jenko Scheffer, Geschäftsführer I.T.Out (Foto: Neuenhauser Gruppe)Grafschaft Bentheim
Jenko Scheffer, Geschäftsführer I.T.Out (Foto: Neuenhauser Gruppe)

Nordhorn - Die digitale Transformation kann nur gelingen, wenn das gesamte Team in den Prozess integriert ist und alle Mitarbeiter partizipieren. Davon ist Jenko Scheffer überzeugt, der seit rund einem halben Jahr das IT-Unternehmen I.T.Out aus Nordhorn führt. Das Systemhaus gehört seit rund zwei Jahren zur Neuenhauser Gruppe, die im Maschinenbau und der Metallverarbeitung tätig ist.

Mit dem Kauf von I.T.Out holte sich die Neuenhauser Gruppe das zusätzliches Know-how ins Haus, um die digitale Transformation voranzutreiben. Mit Geschäftsführer Scheffer ist außerdem ein Experte an Bord, der seit 30 Jahren in der IT tätig ist und sich seit 20 Jahren mit dem Schwerpunkt Transformation beschäftigt. Er ist sich sicher: Es kommt vor allem auf das Mindset, die Unternehmenskultur, die richtige Führung und die Zusammenarbeit im Team an. „Der digitale Transformationsprozess hat großes Potenzial – und zwar im positiven wie im negativen Bereich. Wenn mögliche Sorgen, Ängste oder auch Frustration der Mitarbeiter nicht wahrgenommen werden, führt das zu großen Problemen“, betont Scheffer. Deshalb sei es enorm wichtig, jeden Menschen im Unternehmen mitzunehmen. Eine Aufgabe, die vor allem das Engagement der Führungskräfte fordert: „Sensibilität seitens der Führung ist sehr wichtig. Denn mit der Transformation verändern sich auch Strukturen innerhalb eines Unternehmens.“ Das Team werde gestärkt, die Eigenverantwortung des einzelnen Mitarbeiters wachse. „Führungskräfte müssen in Zukunft nicht managen, sondern führen und coachen“, erläutert der 53-Jährige. „Sie müssen neue Produkte und Ideen gemeinsam mit dem Team entwickeln, auch in ergebnisoffenen Prozessen. Das kennen noch nicht alle Verantwortlichen im Mittelstand.“ Doch eine Unternehmenskultur entwickele sich nicht von heute auf morgen. Auch deshalb dauere die digitale Transformation nicht nur wenige Monate, sondern mehrere Jahre.

Um die Kommunikation mit den Mitarbeitern zu sichern und zu stärken, gibt es seit kurzem eine neue Ansprechpartnerin in der Neuenhauser Unternehmensgruppe. Sie beschäftigt sich ausschließlich mit den Themen Change Management, Unternehmenskultur und Kollaboration. „Gleichzeitig ist es wichtig, dass die Mitarbeiter selbst Veränderungsbereitschaft und Offenheit mitbringen. Neue Dinge sind nicht gleich schlecht“, verdeutlicht Scheffer. „Durch die digitale Transformation lassen sich positive Effekte im eigenen Beruf erzielen. Sie ist eben nicht nur ein IT-Projekt, sondern ein Prozess für jeden einzelnen Mitarbeiter.“ Neben der Kommunikation mit den Mitarbeitern sei auch der enge Schulterschluss zwischen der IT und dem Vorstand entscheidend, so Scheffer. „Die digitale Transformation muss von Beginn an zu einem vom Vorstand getragenen Prozess werden, der das gesamte Unternehmen mit einschließt. Das ist ein umfassender, langwieriger und sehr mühsamer Prozess, der hohe Aufmerksamkeit erfordert.“ Nur so könne die digitale Transformation erfolgreich vorangetrieben werden.

Ganz konkret hat sich die Neuenhauser Gruppe auf vier Kernelemente festgelegt, die sie in der digitalen Transformation fokussiert. Zu den sogenannten „Corner Stones“ gehört zum Beispiel die Prozesseffizienz in der Produktion und im kaufmännischen Bereich. „Aktuell treiben wir mit der Digitalisierung und Automatisierung unserer Rechnungseingangsprozesse ein großes Projekt voran“, gibt Scheffer einen Einblick. Außerdem sollen digitale Geschäftsmodelle rund um die eigenen Ingenieursprodukte gefunden werden: zum Beispiel eine Software für Kompressoren, die mithilfe von Predictive Maintenance – vorbeugender Instandhaltung – dabei hilft, Produktionsausfälle und -Stillstände zu vermeiden. Auch Mietmodelle kann sich Scheffer künftig vorstellen. Außerdem soll die Sensorik an den Maschinen verbessert werden, um noch zuverlässigere Analysen zu ermöglichen.

Langfristig verfolgt die Neuenhauser Unternehmensgruppe eine klare Vision. „Wir wollen nicht nur bei uns, sondern auch generell in der Anlagen- und Maschinenbaubranche eine führende Rolle einnehmen“, wirft Scheffer einen Blick in die Zukunft. „So können wir andere Mittelständler beraten und Partnern dabei helfen, die eigene digitale Transformation anzugehen. Damit leisten wir wiederum einen Beitrag zu einem erfolgreichen Deutschland.“ Die Vernetzung mit anderen Unternehmen ist für Scheffer ein wichtiger Schritt für die digitale Transformation: „Die vertikale Vernetzung, zum Beispiel zwischen Konzern, Lieferant und Zulieferer, ist bereits weit vorangeschritten. Viel wichtiger ist aber die horizontale Vernetzung mit anderen Unternehmen. Die ist bei Mittelständlern aktuell noch eher wenig zu sehen.“ Insgesamt seien mittelständische Unternehmen in Deutschland noch recht zögerlich, wenn es um die digitale Transformation geht. „International ist die deutsche Ingenieursleistung sehr anerkannt. Das hat auch seine Berechtigung, aber wir dürfen uns nicht darauf ausruhen“, unterstreicht der IT-Experte. Der Benefit in der digitalen Transformation liegt vor allem in einem Punkt, betont der Geschäftsführer: „Zugespitzt formuliert: Das Unternehmen existiert aufgrund der digitalen Transformation auch in fünf und zehn Jahren noch.“

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