Herr Broekhuijsen, warum haben Sie sich für PV-Anlagen entschieden?
Wir haben im Zuge unseres Standortwechsels vom Dülmener Gewerbegebiet Dernekamp zum ehemaligen Kasernengelände 2017 ein komplett neues Energiekonzept entwickelt. Vorgesehen waren eigentlich eine Windkraftanlage sowie drei PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 500 kW, des weiteren Wärmepumpen und Batteriespeicher. Die Windkraftanlage wurde aus verschiedenen Gründen, unter anderem wegen der aufwändigen gesetzlichen Vorgaben, letztendlich doch nicht errichtet. Stattdessen haben wir neun PV-Anlagen mit einer Gesamterzeugung von mehr als 1.000 Megawattstunden pro Jahr und einer maximalen Wechselrichterleistung von 900 kW errichtet. Daran angeschlossen sind mehrere gekoppelte Stromspeichereinheiten mit einer Gesamtkapazität von 440 Kilowattstunden sowie eine große Wärmepumpe mit zwei Kompressoren mit einer Leistungsaufnahme von je 20 kW. Die Wärmepumpe kann damit rund 200 kW an Wärmeleistung und im Sommer 200 kW an Kühlleistung bringen. Außerdem sind weitere kleinere Wärmepumpen angeschlossen.
Das klingt nach einem Mammutprojekt …
Richtig. Wir sind deshalb von vorneherein ganz bewusst stufenweise vorgegangen. Die neun Anlagen wurden über vier Jahre hinweg zwischen 2018 und 2021 gebaut. So konnten wir den finanziellen Aufwand streuen und wichtige Erfahrungen sammeln, die wir bei den nächsten Ausbaustufen direkt einfließen lassen konnten. Das hat sich sehr gelohnt. Ab einer bestimmten Größe der Anlage muss man außerdem eine Mittelspannungsstation errichten, um die eigene Stromversorgung zu stabilisieren und weitere PV-Anlagen in Betrieb nehmen zu können. Das war bei uns etwa bei 200 kW Wechselrichterleistung der Fall.
Wofür nutzen Sie den selbsterzeugten Strom?
Zum einen für unseren eigenen Stromverbrauch im Roboteraufbau und für die Laseranlage, zum anderen versorgen wir damit das Hotel und die Tierarztpraxis auf dem Gelände. Auch die Wärmepumpen, die E-Ladesäulen für Autos und Stapler sowie die LED-Beleuchtung und die Stromspeicher für die Nacht werden über die PV-Anlagen versorgt.
Wo sehen Sie noch Verbesserungspotenzial?
Alle Komponenten – also PV-Anlagen, Wechselrichter, Wärmepumpen inklusive der Nebenaggregate und der Wärmetauschanlage, der allgemeine Stromverbrauch, der Trafo sowie die Stromspeicher und ihre Leistung – müssen passend aufeinander abgestimmt sein. Eine intelligente Abstimmung fehlt jedoch immer noch. Es wäre unter anderem sinnvoll, dass sich die Wärmepumpe für einige Stunden zurückschalten würde, wenn die Stromspeicher leer sind. So könnten die Speicher noch besser genutzt werden, aber das unterstützen die Hersteller aktuell noch nicht.
Was sind Ihre Tipps für die Planung einer PV-Anlage?
Man sollte einen wirklich guten Planer haben oder muss sich selbst sehr intensiv einarbeiten. Das ist natürlich in einer Bauphase ein erheblicher Aufwand.
Und welchen Rat würden Sie für den Bau geben?
Unbedingt flexibel bleiben, vor allem wenn es – wie bei uns – Erweiterungen oder Änderungen in der Produktion gibt und zum Beispiel neue Anlagen angeschafft werden, die viel Strom benötigen. Flexibilität ist aber auch bei den Komponenten und den Leistungen sehr wichtig. Vieles zeigt sich erst in der direkten Umsetzung. Daher gilt aus meiner Sicht auch hier: Am besten von einem guten Experten begleiten lassen. Technisch gab es die meisten Probleme mit den Stromspeichern.
Was hätten Sie rückblickend gerne zu Beginn der Planungen gewusst?
Noch mehr über die Technologie an sich und den Stand der Technik bei den Stromspeichern. Ein Stromspeicher gehört aus meiner Sicht eigentlich zu jeder PV-Anlage dazu. Nur so kann der selbst erzeugte Strom effektiv genutzt werden, um die Nachtstunden zu überbrücken. Des Weiteren muss einkalkuliert werden, dass der PV-Ertrag im Sommer fast um den Faktor zehn höher als im Winter ist.
Wie fällt Ihr Fazit aus?
Zusammengefasst hat es bei uns so gepasst wie geplant – und es hat sich gelohnt: Wir nutzen bereits 80 Prozent aller Dachflächen für die PV-Anlagen. Da der damit erzeugte Strom im Jahresdurchschnitt den Eigenbedarf zu mehr als 75 Prozent abdeckt, im Sommer sogar zu 100 Prozent, ist keine Erweiterung mehr geplant. Allerdings wollen wir zeitnah weitere Stromspeicher anschaffen.
Das Interview führte
Sabrina Becker