Kreis Coesfeld

Nachhaltigkeit: „Unsere Unternehmen sind im Vorteil“

Stadtlohn - Das Ziel steht fest, der Weg und die Zeitschiene noch nicht so ganz: Um die Wirtschaft stärker auf Nachhaltigkeitsfragen einzuschwören, sollen die Banken in der EU künftig dazu verpflichtet werden, bei der Kreditvergabe auch Nachhaltigkeitsaspekte zu berücksichtigen. Darüber haben wir im Wirtschaft aktuell-Podcast mit Berthold te Vrügt, Vorstandsmitglied bei der VR-Bank Westmünsterland, gesprochen. Seine feste Überzeugung: „Eine nachhaltigkeitsbedingte Kreditklemme wird es im Wirtschaft aktuell-Raum nicht geben.“

Berthold te Vrügt, Vorstandsmitglied VR-Bank Westmünsterland, Foto/Quelle: VR-Bank Westmünsterland

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Das Vorstandsmitglied der VR-Bank verdeutlichte, dass es auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit einen massiven Transformationsprozess geben werde. Er verwies auf neue Geschäftsmodelle, neue Produkte, neue Verfahren, neue Lieferketten und auch neue Standards, die vor diesem Hintergrund Einzug halten werden. „Für unsere Wirtschaft ist das eine echte Chance. Die Unternehmen sind extrem kreativ und innovativ, deshalb ist die Ausgangsposition wirklich gut“, wie te Vrügt betonte. Auch die Größe der Unternehmen im Westmünsterland sei in diesem Zusammenhang ein echter Wettbewerbsvorteil. „Unsere kleinen und mittelständischen Unternehmen können einfach schneller entscheiden. Damit sind sie – mal wieder – im Vorteil gegenüber den großen, unbeweglichen Akteuren.“ Eine Kreditklemme angesichts der in diesem Zusammenhang bevorstehenden Investitionsnotwendigkeiten der regionalen Wirtschaft sieht te Vrügt bei der VR-Bank nicht. Deren Unternehmenskunden hätten ja auch in der Vergangenheit schon immer – und somit auch nachhaltig – in zukunftssichernde Themen investiert und so ihre starke Position erarbeitet und gesichert. Auch wenn seitens der Politik im Nachhaltigkeitskontext erweiterte Kreditvergabekriterien – immer noch sehr unkonkret – diskutiert würden, sei die Strategie der ständigen Investitionen in die Zukunft für die Wirtschaft weiterhin richtig und auch künftig umsetzbar. Den Unternehmen im Einzugsgebiet, die sich auf das Thema vorbereiten wollen, legte der Genossenschafts-Banker ans Herz, das zu tun, was sie eigentlich immer tun: Sie sollten sich fragen, was ihre wichtigsten Stakeholder – also insbesondere Kunden und Mitarbeitende – bei diesem Thema in Zukunft von ihnen erwarten und daraus entsprechende Konsequenzen für ihre Produkte, Dienstleistungen und Prozesse ableiten. „Diese Herangehensweise ist in den meisten Unternehmen ohnehin gelebte Praxis. Die Nachhaltigkeit wird dabei lediglich zu einer weiteren Nebenbedingung“, so te Vrügt.

Nachhaltigkeitspreis

Um ihre Kunden auch bei diesem Thema möglichst effektiv beraten zu können, hat sich die VR-Bank auch selbst schon vor geraumer Zeit auf Nachhaltigkeits-Kurs begeben. Am Anfang standen dabei eine Bestandsaufnahme samt Dokumentation und daraus abgeleitet die Entwicklung einer Strategie. „Ich halte es für wichtig, dass man die Dinge zumindest ein Stück weit verschriftlicht. Uns hat das sehr geholfen“, berichtete te Vrügt. Als besonders hilfreich haben sich aus seiner Sicht auch die Nachhaltigkeitsberichte erwiesen, die die VR-Bank seit 2020 freiwillig auf Basis des deutschen Nachhaltigkeitskodexes herausgibt. Der Kodex gibt 20 Kriterien vor, an denen man sich im Laufe des Prozesses entlangarbeiten kann. „Das kann ich wirklich nur jedem Unternehmen empfehlen, weil es wie eine kostenlose Unternehmensberatung ist“, unterstrich te Vrügt. Die VR-Bank hat im Zuge ihrer Nachhaltigkeitsstrategie zuletzt ein ganzes Bündel an Projekten aufgelegt. „Wir sind mittlerweile schon tief in den Zusammenhängen angekommen und das ist wirklich hilfreich“, wie der Bankvorstand erklärt. Unter anderem konnte die Genossenschaftsbank so seit 2019 ihren CO2-Verbrauch von 1.500 Tonnen auf 500 Tonnen reduzieren und will nun bis 2025 sogar komplett CO2-neutral im eigenen Geschäftsbetrieb werden. 

Um die Chancen, die mit Nachhaltigkeit einhergehen, noch stärker in die Öffentlichkeit zu tragen, hat die VR-Bank nun sogar einen neuen Nachhaltigkeitspreis aus der Taufe gehoben. Mit Beginn dieses Jahres möchte die Genossenschaftsbank einmal jährlich besonders nachhaltige Projekte auszeichnen. Neben Unternehmen und Privatpersonen können sich auch Vereine, Schulklassen und andere Zusammenschlüsse um den Preis bewerben. „Passend zu unserem sehr offenen Nachhaltigkeitsverständnis machen wir dafür keine engen Vorgaben, sondern wir sind gespannt auf die Vorschläge, die uns erreichen werden. Wir werden jedenfalls versuchen, das gesamte Spektrum der Nachhaltigkeit abzubilden. Und das wird uns auch bestimmt gelingen“, zeigte sich te Vrügt optimistisch.
Der Nachhaltigkeitspreis richtet sich an alle Menschen in der Region. Ganz egal ob soziales, ökonomisches oder ökologisches Engagement, jeder kann mitmachen und jedes Engagement zählt. Insgesamt hat die VR-Bank allein in diesem Jahr ein Preisgeld von 30.000 Euro ausgelobt. Die Bewerbungsphase läuft noch bis zum 15 April. Eine Jury – bestehend aus Mitarbeitenden der VR-Bank und Mitgliedern der VR-Bank-Gremien – wird dann die besten Projekte auszeichnen. Die Preisverleihung ist im Juni im Umfeld der Vertreterversammlung geplant. Bewerbungen können online über die Website der VR-Bank erfolgen.

Weitere Infos zum Thema gibt es in unserem Podcasst mit Berhold te Vrügt: https://wirtschaft-aktuell-podcast.podigee.io/52-nachhaltigkeit_vr_bank

Fünf Fragen zum Thema an:

Sophia Gröting, Nachhaltigkeitsmanagerin der VR-Bank Westmünsterland

Frau Gröting, als Nachhaltigkeitsmanagerin haben Sie sich einem Thema verschrieben, das viele Unternehmen umtreibt, aber auch umtreiben muss. Wie schwierig ist es, Firmen, Institutionen oder Einrichtungen, die das Thema bis dato kaum im Fokus hatten, in die nachhaltige Spur zu bringen?
Ich glaube, dass es immer dann schwierig wird, wenn ein Unternehmen die Frage nach dem „Warum?“ für sich noch nicht beantwortet hat. Für die VR-Bank war das vollkommen klar, weil es entsprechende Regularien gibt und auch weil unsere Stakeholder von uns eine nachhaltige Ausrichtung erwarten. Jedes Unternehmen, das sich nachhaltiger aufstellen will, sollte daher für sich individuell die Warum-Frage klären, sonst wird es vermutlich manchmal nicht funktionieren.

Welchen Mehrwert schafft in diesem Zusammenhang die VR-Bank mit dem neuen Nachhaltigkeitspreis?
Der Preis soll animieren, inspirieren und die Region in eine nachhaltige Schwingung versetzen. Es kann sich praktisch jeder bewerben, sodass wir zeigen können, wie vielfältig Nachhaltigkeit sein kann und wie einfach es manchmal ist, Dinge umzusetzen. Der Wettbewerb wird Best-Practices in den Fokus rücken, die andere wiederum aufgreifen können. Die Ausrichtung des Preises soll die Vielfalt des Nachhaltigkeitsbegriffes zeigen und sich dabei am ganzheitlichen Nachhaltigkeitsverständnis der VR-Bank orientieren. Es geht nicht nur um den Klimaschutz, sondern ebenfalls um soziales und ökonomisches Handeln.

Haben Sie einen Tipp für Unternehmen, die sich dem Thema zielführend nähern wollen?
Am Anfang ist Grundlagenarbeit gefragt. Was ist unsere Motivation? Wo stehen wir? Was ist die Vision? Was ist die Strategie? Die Erfahrung bei der VR-Bank zeigt, dass diese Grundlagen extrem wichtig sind. Um ein Beispiel zu nennen: Wir haben in unserem Prozess zu Anfang fünf Handlungsfelder definiert. Eines davon ist der betriebliche Umweltschutz. Hier haben wir ein klares Ziel definiert: Wir wollen bis 2025 CO2-neutral sein. Das ist seither bei allen Entscheidungen und Handlungen im Hinterkopf – mit messbarem Erfolg: Zwei Drittel des Weges haben wir seit 2019 bereits geschafft. Ohne die Grundlage aus dem Nachhaltigkeitsprozess wäre das sicher nicht möglich gewesen – auch wenn ich zugeben muss, dass mir die Grundlagenarbeit persönlich nicht am meisten Spaß macht, ist dies sehr relevant um den gesamten Nachhaltigkeitsprozess im Unternehmen erfolgreich anzugehen.

Sind kleinere Betriebe mit einer angespannten Personaldecke überhaupt in der Lage, das Thema nebenbei voranzutreiben?
Auf jeden Fall! Im ersten Schritt geht es ja darum, umzudenken und ein solcher Umdenkprozess lässt sich in kleineren Unternehmen sicher leichter anstoßen und umsetzen als in großen Konzernen. Natürlich können größere Unternehmen mit mehr Kapazitäten am Ende quantitativ auch mehr umsetzen. Aber es spricht für kleinere Betriebe überhaupt nichts dagegen, mit Einzelmaßnahmen zu beginnen. Ein wenig Nachhaltigkeit ist immer noch besser als keine Nachhaltigkeit.

Wie sollten kleinere Unternehmen das Thema angehen?
Einfach anfangen, ist immer gut! Setzen Sie sich kleine Ziele und ganz wichtig: Binden Sie Ihre Stakeholder ein, das ist sehr hilfreich!

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