Den stärksten Zuwachs im Münsterland verzeichnet die IHK im Kreis Warendorf mit 8,2 Prozent (801 neue Ausbildungsverträge). Es folgen der Kreis Coesfeld (6,3 Prozent / 492 neue Verträge), die Stadt Münster (6,1 Prozent / 1.324), der Kreis Steinfurt (3 Prozent / 1.255) und der Kreis Borken (1,9 Prozent / 1.324).
Für die gesamte Region ist das der dritte Anstieg in Folge. „Und das trotz rückläufiger Schulabgängerzahlen“, betont Dr. Jochen Grütters, stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen. „Die Zahl junger Menschen, die den Wert einer betrieblichen Ausbildung erkennen, steigt“, freut er sich.
Grütters hofft jetzt auf einen Nachahmungseffekt, „dass die neuen Auszubildenden ihre Freunde mit ihrer Entscheidung anstecken“ und in nächsten Wochen noch viele Schulabgänger, die noch unentschieden sind, eine betriebliche Ausbildung beginnen. „Und das ist grundsätzlich jederzeit möglich“, sagt Grütters, „nicht nur zum 1. August oder 1. September“.
Allein in der IHK-Lehrstellenbörse sind noch rund 1.000 Ausbildungsplatzangebote von Unternehmen aus dem Münsterland und aus der Emscher-Lippe-Region offen. „Die Unternehmen könnten noch deutlich mehr junge Menschen einstellen. Sie finden aber nicht genügend passende Bewerberinnen und Bewerber für die Stellen“, beschreibt Grütters die Situation auf dem Ausbildungsmarkt.
Azubizahl im Handwerk leicht rückläufig
Für die handwerklichen Ausbildungsberufe zählte die Handwerkskammer (HWK) Münster zum Stichtag 26. Juli 3.578 neue Lehrverträge für 2023 im Kammerbezirk. Das sind 2,2 Prozent weniger als zur gleichen Zeit des Vorjahres. „Diese Zahl ist allerdings nur eine Momentaufnahme“, betont Knut Heine, stellvertretender Hauptgeschäftsführer. Auch nach dem Start des Ausbildungsjahres am 1. August gingen täglich rund 40 bis 50 neue Verträge ein, wie die HWK mitteilt. Wegen der Sommerferien schwankten die Bearbeitungszeiten bei Betrieben, den Kreishandwerkerschaften und der Handwerkskammer um diese Jahreszeit besonders, so die HWK.
Von den bislang erfassten neuen Lehrverträgen kommen auf die Kreise Borken 782 (minus 43 gegenüber 2022), Coesfeld 374 (minus 32), Steinfurt 705 (minus 37), Warendorf 423 (plus 93) und Recklinghausen 632 (plus 26) und auf die Städte Münster 292 (minus 84), Bottrop 121 (plus 5) und Gelsenkirchen 249 (minus 8).
Da der Einstieg ins erste Lehrjahr noch lange möglich sei, so Heine, gebe es für alle Bewerberinnen und Bewerber weiterhin gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Allein im Online-Lehrstellenportal der HWK suchen Betriebe der Region aktuell 361 Nachwuchskräfte. Darüber hinaus gibt es viele Handwerksunternehmen, die auf anderen Wegen Auszubildende finden wollen.
In einer Umfrage der HWK, an der 721 heimische Betriebe teilnahmen, sagen 65 Prozent, dass sie in diesem Jahr Lehrstellen anbieten. Davon konnten 60 Prozent bislang nicht alle Plätze vergeben. Hauptgrund waren ausbleibende Bewerbungen (71 Prozent). Immer noch machen sich auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie bemerkbar: Weil 2021 und 2022 die meisten Praktika von Schülerinnen und Schülern ausgefallen waren, hatten die Betriebe erschwerte Bedingungen, um mit den Jugendlichen persönlich in Kontakt zu kommen, heißt es in der Pressemitteilung der HWK. Das mache sich bis heute bemerkbar, weiß Heine.
Mit Blick auf die Ausbildungsberufe werden die meisten Lehrstellen für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, den Metallbau und den Elektrobereich angeboten. „Gerade also in den Berufen, die für die Umstellung auf erneuerbare Energien so dringend gebraucht werden, ist auch der Bedarf am stärksten“, erklärt Heine. Eine größere Auswahl gibt es auch für alle mit dem Berufswunsch Kraftfahrzeugmechatronik, Feinwerkmechanik und Tischler.