Kreis Steinfurt

Mehr als 100 Gäste beim Wettringer Unternehmerabend

Wettringen – Mehr als 100 Vertreterinnen und Vertreter aus der lokalen Wirtschaft haben sich auf Einladung der Gemeinde Wettringen und der Wettringer Werbegemeinschaft zum Unternehmerabend getroffen. In den Räumlichkeiten von Plass Erdbewegungen im Wettringer Gewerbegebiet tauschten sie sich zu aktuellen Themen aus.

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Wettringens Bürgermeister Berthold Bültgerds verwies in seiner Begrüßung auf die „erfreuliche Entwicklung“ des Gewerbegebiets: Mehr als 100 Betriebe mit rund 1.800 Beschäftigten sorgen dafür, dass die diesjährigen Gewerbesteuereinnahmen der Gemeinde bei rund fünf Millionen Euro liegen – ein Rekord, wie Bültgerds betonte. Auch vor diesem Hintergrund soll es im Haushaltsplanentwurf 2024 „trotz schwieriger Rahmenbedingungen aus guten Gründen keine Steuererhöhungen für Wettringen“ geben. Das Geld solle vielmehr bei den Unternehmen sowie den Bürgerinnen und Bürgern bleiben und den Wirtschaftskreislauf vor Ort stärken. Der Bürgermeister bedankte sich im Zuge dessen auch für die Gewerbeschau im vergangenen April, die sehr positiv verlaufen sei und immer noch nachwirke. „Das war eine tolle Visitenkarte für Wettringen“, betonte Bültgerds.

Als Referenten waren Reiner Zwilling, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Rheine, Mechthild Leiwering-Hillers von der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft des Kreises Steinfurt (West), und die Schulleiterin der Privaten Realschule, Melanie Gerke, beim Unternehmerabend zu Gast. 

Zwilling berichtete unter anderem über die aktuelle Arbeitsmarktsituation und ihre Auswirkungen. So verwies er darauf, dass sich der Markt deutlich verändert habe: Heute fehle es bei einer Stellenausschreibung an der Vielzahl an Bewerberinnen und Bewerbern. Die Situation werde sich weiter verschärfen, denn in den nächsten zehn bis zwölf Jahren würden mindestens 20 Prozent der aktuell insgesamt 170.000 Beschäftigten im Kreis Steinfurt altersbedingt in den Ruhestand gehen. Diese Lücke könnten die Schulabgängerinnen und -abgänger im Kreis Steinfurt – das sind etwa 4.500, wovon sich 60 Prozent für eine duale Ausbildung entscheiden würden – aber nicht schließen. Zwilling sprach sich daher für mehr frühzeitige Einblicke ins Berufsleben, die Jugendliche bei den Unternehmen beispielsweise durch Tagespraktika bekommen könnten, aus. um sie an Unternehmen vor Ort zu binden.

Diesen Appell griff auch die Leiterin der Privaten Realschule Wettringen, Gerke, auf. Sie informierte über die Pläne der Schule im Hinblick auf die Berufsorientierung. Die Realschule hat in Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen ein digitales Tool – eine Art Chat – entwickelt, mit dem Schülerinnen und Schüler ein nach ihren Interessen passendes Unternehmen suchen und dort im Rahmen eines sogenannten „Zukunftstags“ in verschiedene Berufe hereinschnuppern können. Der Zukunftstag soll mehrmals im Schuljahr für alle Schülerinnen und Schüler ab Klasse 5 stattfinden. Gerke appellierte an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Unternehmerabends, sich am Zukunftstag zu beteiligen und so Schülerinnen und Schülern Einblicke in ihr Unternehmen und ihre Ausbildungsberufe zu geben.

Leiwering-Hillers verwies in ihrem Vortrag auf die Notwendigkeit der „wirtschaftlichen Resilienz“. Demnach müssten sich Unternehmen beispielsweise den globalen Entwicklungen und dem Wandel anpassen und Vorsorgemaßnahmen treffen, um so auf den Ausfall von Lieferketten reagieren zu können. Helfen könnte dabei bald eine App, die die West gemeinsam mit der FH Münster entwickelt. Die App soll Nachrichten, Geodaten, Aktienkurse und weitere wirtschaftliche Kennzahlen auswerten und so als Frühwarnsystem Unternehmen mithilfe von Künstlicher Intelligenz darauf hinweisen, wenn sich Ereignisse negativ auf die Geschäftsentwicklung auswirken könnten. So sollen frühzeitig Handlungsoptionen und Anpassungsstrategien insbesondere für Unternehmen, die global tätig und von internationalen Lieferketten abhängig sind, entwickelt werden.

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