Kreis Steinfurt

Konjunkturgespräch: mannigfaltige Herausforderungen für die Wirtschaft im Kreis Steinfurt

Kreis Steinfurt – Die mittelständische Wirtschaft im Kreis Steinfurt hat nach wie vor mit mannigfaltigen Herausforderungen zu kämpfen. Das bestätigte das jüngste Konjunkturgespräch im Kreis Steinfurt, zu dem Landrat Dr. Martin Sommer Vertreterinnen und Vertretern von Kammern, Banken, Verbänden und Vereinen aus der Wirtschaft im Kreis Steinfurt nach Emsdetten eingeladen hatte.

Die Teilnehmenden des Konjunkturgesprächs (vordere Reihe von links): Ansgar Heilker (Volksbank Westerkappeln-Saerbeck), Peter Freitag (Kreisdirektor), Dr. Martin Sommer (Landrat), Jutta Gogräfe (IHK Nord Westfalen), Frank Tischner (Kreishandwerkerschaft ST WAF). Hintere Reihe von links: Christian Holterhues (WEStmbH), Ralf Hölscheidt (Volksbank Ochtrup-Laer), Peter Hensmann (Kreissparkasse Steinfurt), Philipp Schultejann (Referent des Landrates), Andreas Hartmann (Volksbank Münsterland Nord) und Heiner Hoffschroer (WVS). Foto: Kreis Steinfurt

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Die Runde thematisierte unter anderem, dass sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges in vielerlei Hinsicht noch immer bei den mittelständischen Betrieben im Kreis Steinfurt bemerkbar machen. Materialknappheit, steigende Rohstoffpreise und höhere Energiekosten bei gleichzeitiger Zuspitzung des Fachkräftemangels seien nur einige der Probleme, mit denen die Mittelständler zu kämpfen hätten. Der Landrat machte deutlich, dass ihm der regelmäßige Austausch mit den Beteiligten daher ein besonderes Anliegen sei. „Offene Gespräche mit allen Akteurinnen und Akteuren tragen dazu bei, die Probleme differenziert zu betrachten und gemeinsam Lösungswege zu erarbeiten“, betonte Sommer.
 
Frank Tischner, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Steinfurt Warendorf, berichtete von der Ausbildungssituation im Handwerk und einer öffentlichkeitswirksamen Kampagne mit dem Titel „Das Praktikum“, in der Schülerinnen und Schüler dazu animiert werden sollen, Handwerksberufe über Praktika kennenzulernen. „Das Handwerk ist das Rückgrat unserer Wirtschaft im Kreis Steinfurt. Die Aufnahme von Praktika soll dazu beitragen, auf handwerkliche Berufe aufmerksam zu machen und Ausbildungsstellen zu besetzen“, erläuterte Tischner.
 
Heiner Hoffschroer, Geschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung für den Kreis Steinfurt, erläuterte in diesem Zusammenhang, dass viele Unternehmen im Kreis nicht mehr von einem reinen Fachkräfte-, sondern vielmehr von einem generellen Arbeitskräftemangel sprächen. „Wir stellen im Mittelstand fest, dass auch das Thema der Unternehmensnachfolge immer öfter zum Problem wird. Womöglich hängt dies auch mit bürokratischen Hürden und Auflagen zusammen, die die Lust am Unternehmersein schwinden lassen“, so Hoffschroer.
 
Christian Holterhues, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft des Kreises Steinfurt, berichtete aber auch über positive Entwicklungen: „Der Kreis Steinfurt ist mit 1.185 Unternehmensgründungen im Jahr 2022 absoluter Spitzenreiter im Münsterland. Dies zeigt, dass der Mut zum Unternehmertum bei uns auch nach der Corona-Pandemie noch immer vorhanden ist", bilanzierte Holterhues.
 
Für die IHK Nord Westfalen ergänzte Jutta Gogräfe: „Die Beruhigung bei den Energiepreisen und die Entspannung bei den Lieferketten stützen die Industrie. Die Auftragslage ist vergleichsweise noch immer gut. Der Einzelhandel dagegen leidet unter mangelnder Konsumlaune in Folge der nach wie vor hohen Inflation.“
 
Ralf Hölscheidt, Vorstandsmitglied der Volksbank Ochtrup-Laer, berichtete über die drastisch gestiegene Notwendigkeit von Energieberatungstätigkeiten in Verbindung mit Baufinanzierungen. Dem pflichtet auch Andreas Hartmann, Vorstandsmitglied der Volksbank Münsterland Nord, bei: „Seit März erleben wir eine Stabilisierung im privaten Wohnungsbau. Gleichzeitig erfahren wir einen erheblichen Anstieg an energetischen Beratungstätigkeiten“, fasste Hartmann die aktuelle Situation zusammen.
 
Ansgar Heilker, Vorstandsmitglied der Volksbank Westerkappeln-Saerbeck, berichtete von der positiven Zinsentwicklung, aber auch von einer steigenden Anzahl an Neubauprojekten, die aufgrund von Lieferengpässen und energetischer Hürden stockten. Peter Hensmann, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Steinfurt, informierte abschließend über einen Anstieg von Beratungen für geförderten Wohnbau.
 
Weitere Themen im Konjunkturgespräch waren die Tatsache, dass der Kreis Steinfurt mit aktuell 4,3 Prozent weiterhin die zweitniedrigste Arbeitslosenquote in ganz NRW verzeichnet. Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften hat indes einen Höchststand von rund 11.200 erreicht – Grund dafür sind unter anderem die Flüchtlingsbewegungen.
 
Info:
Seit 2009 lädt der Landrat des Kreises Steinfurt regelmäßig zum Konjunkturgespräch ein. Mit dabei sind: Vertreterinnen und Vertreter der Kreishandwerkerschaft Steinfurt Warendorf, der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen, der Volksbanken und Sparkassen im Kreis, der Wirtschaftsvereinigung für den Kreis Steinfurt (WVS) und der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft des Kreises Steinfurt (WESt).

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