Junge Frauen für MINT-Berufe gewinnen

Osnabrücker Land
Wünschen sich gute Vernetzungsstrategien und praktische Berufsorientierung, um junge Frauen für MINT-Berufe und Ingenieurstudiengänge zu begeistern: Die Organisatorinnen des Nordkreis-Themenabends (von links) Susanne Steininger (MaßArbeit-Bereichsleiterin), Bianca Pollety (Bildungsregion Nordkreis), Katja Bielefeld (Servicestelle Schule-Wirtschaft der MaßArbeit) und Kerstin Hüls (Servicestelle Eltern) im Übergang Schule-Beruf der MaßArbeit. Foto: MaßArbeit / Uwe Lewandowski

Bersenbrück – Wie kann es gelingen, Jugendliche und besonders Mädchen für technische und naturwissenschaftlich geprägte Berufe zu interessieren? Dieser Frage ging jetzt die Online-Veranstaltung „Mach MINT – gemeinsam Fachkräfte für den Nordkreis finden!“ in Bersenbrück nach. Die Bildungsregion Nordkreis hatte gemeinsam mit der Servicestelle Schule-Wirtschaft der MaßArbeit Lehrkräfte und Ausbildungsbetriebe eingeladen, um Impulse zu setzen und praxistaugliche Anregungen zu geben.

„Wir brauchen gute Vernetzungsstrategien und praktische Berufsorientierung, um junge Frauen für MINT-Berufe und Ingenieurstudiengänge zu begeistern“, schilderte MaßArbeit-Bereichsleiterin Susanne Steininger. MINT, das steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik und damit für Berufsfelder, die vom Fachkräftemangel betroffen sind. Bianca Pollety von der Bildungsregion Nordkreis ermunterte die Betriebe, neue Wege beim Azubi-Recruiting zu gehen: „Bei der Gewinnung von Nachwuchskräften ist Kreativität im Umgang mit digitalen Formaten zur Präsentation von Betrieben von besonderer Bedeutung.“

Fachreferentin Barbara Schwarze, Professorin für Gender und Diversity Studies an der Hochschule Osnabrück, empfahl: „Wir sollten hinterfragen, was diejenigen jungen Frauen bewegt hat, die bereits MINT-Berufe und Studiengänge gewählt haben, und dort ansetzen.“ Man müsse sich die Frage stellen: „Wer übt hier Einfluss aus und wie können wir diese Akteure stärken?“ Überzeugt zeigte sich die Wissenschaftlerin davon, dass Städte und ländliche Regionen jeweils lokal angepasste Strategien in diesem Bereich benötigen: „Da gilt es, genau hinzuschauen.“ Große Bedeutung habe auch der Best-Practice-Austausch, der nur in enger Kooperation aller wichtigen Akteure funktioniere.

Lisa Marie Höcker, Personalleiterin bei Höcker Polytechnik aus Hilter, präsentierte solche Praxisbeispiele. Das Unternehmen ist bereits seit längerem beim Projekt „Digitale (MINT)Kooperation zwischen Schule und Betrieb“ aktiv und hat unter anderem eine Kooperation mit der Oberschule (OBS) Hilter geschlossen, die von der Servicestelle Schule-Wirtschaft der MaßArbeit begleitet wird. „Die praxisorientierte Zusammenarbeit mit Schulen ist ein ausgesprochen erfolgreicher Weg für Unternehmen, junge Menschen früh kennen zu lernen und sie mit interessanten Projekten an den Betrieb mit seinen Ausbildungsberufen heran zu führen“, so ihre Erfahrung.

Höcker Polytechnik und die OBS führen verschiedene Projektbausteine durch: So lernen die Jugendlichem bei „Berufe im Unterricht“ anhand von typischen simulierten Arbeitsplätzen verschiedene Professionen sowie Branchen kennen und lösen praktische Arbeitsaufträge. Das Projekt „Praxis im Betrieb“, bei dem auch die Azubis des Unternehmens stark eingebunden sind, führt die Schülerinnen und Schüler gezielt an die Ausbildungsberufe bei Höcker Polytechnik heran. Aber auch das Training von Vorstellungsgespräche steht im Fokus. „Wichtig ist es für uns als Betrieb jedoch auch, aktiv auf die Eltern der Jugendlichen zuzugehen“, betonte die Personalleiterin: Sie seien nach wie vor wichtige Ratgeber ihrer Kinder bei der Berufswahl.

Diese Erfahrung hat auch das Übergangsmanagement der MaßArbeit gemacht, das junge Menschen mit einer Vielzahl von Maßnahmen auf ihrem Weg zwischen Schule und Beruf begleitet. Die Servicestelle Eltern am Übergang Schule-Beruf kümmert sich deshalb seit kurzem genau um diese Zielgruppe. „Nur, wenn Eltern möglichst breit über die regionalen Ausbildungsberufe und die Ausbildungsbetriebe vor Ort Bescheid wissen, können sie die Berufswahl ihrer Kinder gut begleiten“, betont Kerstin Hüls, zuständig für die Projektumsetzung, bei der Vorstellung des neuen Elternangebotes. Ziel der Servicestelle sei es daher, Eltern als Partner bei der Berufsorientierung zu gewinnen. „In einem ersten Schritt führen wir daher eine onlinegestützte Befragung bei Eltern durch: Wir wollen wissen, welche Unterstützungsangebote sich Mütter und Väter in diesem Bereich wünschen“, erklärte Hüls.

Katja Bielefeld, bei der Servicestelle Schule-Wirtschaft der MaßArbeit für den Nordkreis zuständig, gab anschließend noch einige Veranstaltungshinweise: So findet am 14. Juli online der Fachtag für Unternehmen und Schulvertreter „Vom Stift zum Schreiber“ – Azubis finden leicht gemacht“ statt, der sich ebenfalls mit dem Thema Eltern bei der Berufsorientierung befasst. Außerdem ist für kommendes Jahr eine Berufsorientierungsmesse für den Nordkreis an den Berufsbildenden Schulen Bersenbrück geplant.

Weitere Interessante
Artikel

Enschede – die „deutscheste Stadt der Niederlande“ – nimmt Abschied von ihrem Bürgermeister. Onno van Veldhuizen stellt sich nicht noch einmal zur Wahl und mit ihm geht ein echter Botschafter der…

Jetzt lesen

Münster – Der neue Nachhaltigkeitsausschuss der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen hat seine Arbeit aufgenommen. Das Gremium will „einen spürbaren Beitrag leisten“, um die…

Jetzt lesen

Münster – Essbare Kaffeebecher und Treppengeländer aus dem 3D-Drucker – das sind zwei Ideen, für die Absolventinnen und Absolventen der FH Münster das Exist-Gründerstipendium bekommen haben. Ein Jahr…

Jetzt lesen