IHK: mit „gebremster Zuversicht“ ins neue Jahr

Münsterland – Angesichts der Corona-Lage und anhaltender Lieferengpässe geht die IHK Nord Westfalen mit „gebremster Zuversicht“ in das neue Jahr. Eine spürbare Belebung der Konjunktur ist nach IHK-Einschätzung erst im zweiten Quartal des neuen Jahres zu erwarten. Aber: „Optimismus ist Pflicht in schwierigen Zeiten“, betonen Präsident Dr. Benedikt Hüffer und Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel in einem Grußwort zum Jahreswechsel: „Er ist Voraussetzung für Investitionen und Motivation“, unterstreichen sie die Bedeutung von Unternehmergeist und die Notwendigkeit einer optimistischen Grundhaltung bei der Bewältigung der Herausforderungen, vor denen auch die Wirtschaft im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region steht.

Die aktuelle Absenkung der Konjunkturprognosen zum Jahresende hatte die IHK-Spitze erwartet, „spätestens als die vierte Corona-Welle zu spürbaren Einschränkungen in kontaktintensiven Wirtschaftsbereichen führte“. Schon vorher habe sich jedoch abgezeichnet, dass die Lieferengpässe anhalten und auch die regionale Wirtschaft weiter ausbremsen. Hüffer betont jedoch: „Unter dem Strich ist die Wirtschaft in der Krise gewachsen“, das dürfe nicht kleingeredet werden. Und: Die Lage in der regionalen Wirtschaft sei sehr unterschiedlich. Der IHK-Präsident verweist einerseits auf Branchen und Unternehmen, die nach wie vor oder erneut „fest im Griff der Corona-Pandemie sind und teilweise um ihre Existenz kämpfen“. Auf der anderen Seite jedoch seien die Auftragsbücher zum Beispiel in der Industrie „insgesamt gut gefüllt“, sieht Hüffer eine gute Basis für das nächste Jahr.

Gerade der Maschinenbau, der zu den drei stärksten Industriebranchen im IHK-Bezirk gehört, blicke angesichts der Auftragslage „mit reichlich Zuversicht“ ins neue Jahr: „Das ist sehr wichtig für uns, eine Säule, auf die wir bauen“, so der IHK-Präsident. Ebenso seien in der Chemischen Industrie die Aussichten positiv – trotz aller Belastungen durch beispielsweise höhere Rohstoff- und Energiepreise. Weiterhin als Stabilitätsfaktor für die Region erweise sich die umsatzstarke Ernährungsindustrie, die weniger konjunkturabhängig ist.

Hohe Investitionsbereitschaft

„Die Investitions- und Innovationspläne der regionalen Wirtschaft sehen ebenfalls positiv aus“, ergänzt IHK-Hauptgeschäftsführer Jaeckel einen weiteren Grund für Zuversicht und verweist auf die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage. Bestätigt sieht er sich in dieser Einschätzung auch durch das Investitionsvolumen von mehr als 100 Millionen Euro, das rund 50 Unternehmen bei den IHK-Finanzierungssprechtagen mit den Experten von NRW.Bank, Bürgschaftsbank NRW und IHK 2021 auf den Weg gebracht haben: „Das ist ein Rekord, die höchste Gesamtsumme, über die hier jemals gesprochen wurde“, freut sich Jaeckel über „klare Indizien für Wachstumsperspektiven“.

Entscheidend für die Frage, wann der Konjunkturmotor wieder auf Touren kommt, ist für Jaeckel wie auch für Hüffer „ob und wann wir die Corona-Pandemie in den Griff bekommen und die Lieferkettenprobleme lösen können“. Dann spätestens werde allerdings ein Wachstumshindernis „noch einmal gravierend größer“, über das vor allem die Unternehmen im Münsterland schon seit einigen Jahren berichten: der Mangel an Fachkräften. „Die Auswirkungen der demografischen Entwicklung gehören wie die Digitalisierung zu den großen Herausforderungen, denen sich unsere Wirtschaft stellen muss, die größte allerdings ist ohne Zweifel der Umbau zu einer nachhaltigen und klimaneutralen Wirtschaft“, resümierte Jaeckel. Die regionale Wirtschaft sei bereit, ihren Beitrag dazu zu leisten. „Es ist erklärtes Ziel der IHK-Arbeit, das Münsterland und die Emscher-Lippe-Region zu einer Vorbildregion für nachhaltige Wirtschaft weiterzuentwickeln“, betonte der Hauptgeschäftsführer. Einen entsprechenden Grundsatzbeschluss hatte die Vollversammlung im Juni gefasst.

Politik gefordert

Von der Politik wünschen sich Hüffer und Jaeckel angesichts der Herausforderungen, nun schnell die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen und dabei die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen nicht zu gefährden. „Die Unternehmen benötigen Planungs- und Investitionssicherheit, Regeln dürfen nicht alle sechs Monate wieder über den Haufen geworfen werden“, betont Hüffer. Erst dann werde der Umbau die notwendige Dynamik bekommen. Zudem sei in der Politik nun die gleiche unternehmerische Entschlossenheit und Umsetzungskraft notwendig, die die erfolgreiche Entwicklung und Herstellung des Impfstoffs gegen das Corona-Virus möglich gemacht habe.

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