Kreis Coesfeld

IHK-Konjunkturumfrage: Wirtschaftsflaute hält an

Münster – Schlechte Stimmung in der Wirtschaft, große Verunsicherung angesichts der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen – dieses Fazit zieht die Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen aus ihrer aktuellen Konjunkturumfrage. Sowohl ihre Geschäftslage als auch ihre Erwartungen an die Geschäftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten bewerten die Unternehmen im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region demnach deutlich schlechter als vor einem halben Jahr.

 

Dr. Fritz Jaeckel, Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen, fasste die Zahlen der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage zusammen. Foto: Mensing/IHK Nord Westfalen

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Der Anteil der Unternehmen, die ihre Lage als gut bezeichnen, liegt der IHK zufolge bei einem Viertel. Das sei ein Rückgang um zwölf Prozentpunkte. Gleichzeitig habe sich der Anteil der Betriebe, die die Geschäftslage als schlecht bewerten, verdoppelt. Er liegt jetzt bei 21 Prozent. Auch die Aussichten sind nach Einschätzung der Unternehmen nicht gut: Der Anteil der Unternehmen, die bessere Geschäfte erwarten, fiel auf knapp 14 Prozent. Umgekehrt stieg der Anteil derjenigen, die davon ausgehen, dass die Geschäfte noch schlechter laufen werden, um 16 Punkte auf jetzt 35 Prozent. 

Entsprechend ist der IHK-Konjunkturklimaindikator, der die derzeitige Geschäftslage und die Zukunftserwartungen der Unternehmen in einem Wert zusammenfasst, „massiv eingebrochen“, wie IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel bei der Vorstellung der Zahlen in Münster betonte. Der Index fiel von 112 auf aktuell 91 Punkte und liegt damit deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt (113 Punkte). 

Vor allem die schwache Nachfrage aus dem Inland präge die Situation. Sie legt bei der Bewertung der Konjunkturrisiken am stärksten zu (plus 13 Prozentpunkte) und gehört für mehr als 60 Prozent der Unternehmen zu den derzeit größten Problemen, berichtet die IHK. Sie liegt damit hinter dem Fachkräftemangel (68 Prozent) auf dem zweiten Rang im Ranking der Konjunkturrisiken, noch vor den Arbeitskosten (51 Prozent) sowie den Energie- und Rohstoffpreisen (50 Prozent). 

„Viele Unternehmen konnten den Energiepreisschock bislang offenbar gut abfedern“, erklärt Jaeckel. Über die Hälfte der Unternehmen habe laut Umfrage auf die gestiegenen Energiepreise mit Maßnahmen zum Energiesparen (58 Prozent) und zur Erhöhung der Energieeffizienz (54) reagiert. Rund 52 Prozent konnten die gestiegenen Energiepreise zudem an ihre Kunden weitergeben. Wohl auch deshalb, so der IHK-Hauptgeschäftsführer, bezeichnen nach wie vor fast zwei Drittel (60 Prozent) der Unternehmen ihre finanzielle Situation als „unproblematisch“. Das dürfe jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass vor allem für kleinere Betriebe aufgrund von Liquiditätsengpässen und des Rückgangs beim Eigenkapital „die Luft immer dünner wird“. 

Besonders angeschlagen zeigt sich die Industrie. „Die Lieferketten funktionieren wieder besser“, so Jaeckel, „aber die Auftragszahlen gehen zurück“. Fast jeder dritte Industriebetrieb bewertete in der Umfrage seine Lage als schlecht (31 Prozent), fast die Hälfte (44 Prozent) erwartet eine weitere Verschlechterung. „Die erhöhten Preise für Energie schwächen insbesondere die Wettbewerbsfähigkeit der energieintensiven Industrie“, unterstrich der IHK-Hauptgeschäftsführer angesichts sinkender Produktionszahlen. 

Entsprechend schlecht sei auch das Investitionsklima in der regionalen Wirtschaft. Der Anteil der Unternehmen, die ihre Investitionen erhöhen wollen, ist um neun Punkte auf 22 Prozent gesunken. Umgekehrt stieg der Anteil der Unternehmen, die weniger als bisher investieren wollen, auf 29 Prozent (plus elf Punkte). 

„Auch auf dem Arbeitsmarkt ist der anhaltende Wirtschaftsabschwung angekommen“, warnte Jaeckel mit Blick auf die aktuellen Arbeitslosenzahlen. Die Spuren seien „noch vergleichsweise moderat“. Doch der Anteil der Unternehmen, die die Beschäftigung erhöhen wollen, ist um neun Punkte auf 15 Prozent gesunken, während der Anteil der Unternehmen, die mit weniger Personal planen, kräftig gestiegen sei: um 13 Punkte auf jetzt 25 Prozent.

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