Osnatech: „Enorme Lerneffekte für die E-Mobilität“

„Unsere Qualität im Bereich Forschung und Entwicklung ist deutlich gestiegen. Wir erzielen enorme Lerneffekte und wir sind viel schneller!“ Mit dieser rundherum positiven Zwischenbilanz blickt der Geschäftsführer der Osnatech GmbH in Bissendorf, Matthias Mittelviefhaus, auf ein Wissenstransferprojekt, das sein Unternehmen aktuell zusammen mit der Hochschule Osnabrück realisiert. Es geht im Kern wie immer bei Osnatech darum, Lösungen für energieeffizientes Leben zu entwickeln.

Das Problem, das die Entwicklungspartner mit dem Projekt in Angriff nehmen, kennen alle Menschen, die ein Elektro-Auto besitzen: Weil die Heizung in den Fahrzeugen zu viel Strom frisst, nimmt die Reichweite an kalten Tagen rapide ab. Abhilfe könnte die Carbon Nano Tube-Technologie (CNT) schaffen, auf deren Basis die Osnatech bereits seit vielen Jahren effiziente Heizungssysteme für Boden und Wände entwickelt. Osnatech hat sich auf ganzheitliche Energielösungen auf Basis regenerativer Energiequellen spezialisiert und die Carbon Nano Tube-Heizsysteme sind dabei ein elementarer Bestandteil. 

Im Zentrum des dazugehörigen Verfahrens stehen mikroskopisch kleine Kohlenstoff-Röhrchen – die Carbon Nano Tubes –, die auf verschiedene Trägermaterialien aufgebracht werden können. Durch die Zufuhr von elektrischem Strom lassen sich die Tubes aufheizen. Viel wichtiger ist für das Verfahren im E-Auto jedoch, dass die CNT-Technik viel weniger Strom benötigt als die bisher verbauten Heizsysteme. Die Nano-Tubes emittieren infrarote Wärme, die wiederum andere Körper im Umfeld erhitzt. Die Infrarotstrahlen entstehen schon bei verhältnismäßig geringer Stromzufuhr und sie reagieren zum Beispiel sehr gut mit den oberen Hautschichten des Menschen. „Aber auch Polster und andere Gegenstände lassen sich so auf eine angenehme Temperatur bringen. Und das, ohne gleich die ganze Raumluft mitaufzuheizen. Mit anderen Worten: Der Wirkungsgrad ist deutlich höher als bei herkömmlichen Heizungen“, verrät Mittelviefhaus, für den die Übertragung dieser Idee auf die Elektrofahrzeuge daher nur folgerichtig ist: „Aufgrund ihres hohen Wirkungsgrades könnten wir mit der CNT-Technik Energie sparen, die Reichweite der Fahrzeuge deutlich erhöhen und so einen wesentlichen Beitrag für noch mehr Akzeptanz der E-Mobilität leisten. Denn wer fährt schon gerne an einem kalten Tag bei ausgeschalteter Heizung durch die Gegend, nur weil er sonst Angst haben müsste, nicht ans Ziel zu kommen?“

Da die Übertragung der CNT-Technik auf Fahrzeuge allerdings alles andere als trivial ist, haben die Bissendorfer nach einem Partner gesucht, der ihnen dabei hilft, die Weiterentwicklung mit technischem und personellen Input voranzutreiben. Den entscheidenden Hinweis bekam das Unternehmen letztlich von der WIGOS Wirtschaftsförderung des Landkreises Osnabrück, die einen Kontakt zu Professor Dr. Christian Schäfers und dem Labor für Karosserieentwicklung und Leichtbau an der Hochschule Osnabrück herstellte. „Das hat von Beginn an super gepasst: Der Kooperationswille der Hochschule ist einfach enorm und der Austausch mit Christian Schäfers und seinem Team lief komplett auf Augenhöre und extrem lösungsorientiert“, freut sich Malte Sulkiewicz, aus der Osnatech-Unternehmenskommunikation, der das Projekt kommunikativ begleitet. 

Aktuell arbeiten die Entwicklungspartner an einem Verfahren, mit dem die Carbon Nano Tubes auch auf komplexe Fahrzeugteile gleichmäßig aufgebracht werden können. Erste gute Ergebnisse konnten auch bereits erzielt werden. Mit der Entwicklung einer eigenen Beschichtungsanlage wollen Professor Schäfers und sein Team nun den nächsten großen Entwicklungsschritt machen. Ohne die Unterstützung der Hochschule wäre die Entwicklung einer solchen Anlage für Osnatech undenkbar gewesen, wie Sulkiewicz betont. „Als mittelständisches Unternehmen haben wir schlicht nicht das Know-how und auch nicht die Kapazitäten, eine solche – für uns fachfremde – Entwicklung auf den Weg zu bringen. Im Verbund mit dem Labor für Karosserieentwicklung und Leichtbau, das wiederum auf verschiedene andere Fachbereiche der Hochschule zurückgreifen kann, konnten wir diesen – für uns sehr großen – Entwicklungsschritt nun dennoch gehen. Das wird unsere nachhaltigen Technologien zur Erzeugung und Nutzung von Energie insgesamt deutlich nach vorn bringen.“ Auch wenn es noch ein wenig dauern wird, bis die ersten E-Autos mit CNT-Technik vom Band rollen, zeichnet sich für Osnatech schon heute ab, dass das Wissenstransfer-Projekt eine echte Erfolgsgeschichte wird. „Wir haben durch die Zusammenarbeit bereits viele extrem wertvolle Erkenntnisse gewonnen. Sogar zwei neue Produkte  konnten wir auf Basis der neuen Erkenntnisse zur Marktreife bringen“, freut sich der Osnatech-Geschäftsführer Mittelviefhaus.

Auch bei der Finanzierung des Projektes steht Osnatech nicht allein da. Mit Unterstützung der WIGOS Wirtschaftsförderung ist es dem Unternehmen gelungen, eine sogenannte ZIM-Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums einzuwerben. „Wir wussten natürlich von vornherein, dass ein solch umfangreiches Forschungs- und Entwicklungsprojekt nicht zum Nulltarif zu haben ist. Die Förderung ist da extrem hilfreich. Auch die durchaus komplexe Beantragung der Mittel war für uns kein Problem, weil das die WIGOS auf den Weg gebracht hat. Im Endeffekt hat sich das Ganze für uns schon jetzt gelohnt“, verdeutlicht Mittelviefhaus.

Nicht nur aus diesem Grund kann der Bissendorfer Unternehmer die Bedenken, die es in anderen Betrieben hinsichtlich der Zusammenarbeit mit einer Hochschule gibt, nicht teilen. Das Bild von den Forschern aus dem Elfenbeinturm, die mit einem gewissen Dünkel auf die Praktiker herunterblicken, hält Mittelviefhaus jedenfalls für ein Klischee, das sich auch in dem aktuellen Projekt nicht widerspiegele: „Genau wie wir möchten Professor Dr. Schäfers und sein leitender Projektingenieur Andre Siegrist mit ihrem Team von wissenschaftlichen Mitarbeitern ein Problem lösen, das viele Menschen umtreibt. Und mit dieser gemeinsamen Motivation fällt es überhaupt nicht schwer, an einem Strang zu ziehen“, stellt Mittel­viefhaus klar.

Allein auf die Unterstützung aus der Hochschule verlässt sich Osnatech in Sachen Forschung und Entwicklung übriges nicht. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen eine eigene, zweiköpfige F&E-Abteilung aufgebaut, sodass auch mit Boardmitteln immer wieder spannende Neuentwicklungen an den Start gehen können.

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