Kreis Borken

Dr. Fritz Jaeckel: Weniger Bürokratie stärkt Wettbewerbsfähigkeit

Bocholt - Vor einer schleichenden Deindustrialisierung mit einem Verlust von Arbeitsplätzen warnten Spaleck-Geschäftsführer Carsten Sühling und Flender-Chef Andreas Evertz jetzt im Gespräch mit Dr. Fritz Jaeckel, Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen. Die Bocholter Industrieunternehmer machten im Rahmen eines Besuchs deutlich, dass die Wirtschaft auf dem Weg zur Klimaneutralität verlässliche Rahmenbedingungen benötige und keine zusätzlichen bürokratischen Hürden.

Bocholter Unternehmen trafen sich im Textilmuseum zum Gespräch über den Wirtschaftsstandort mit Bürgermeister Thomas Kerkhoff (hintere Reihe, rechts), IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel (hintere Reihe, 4. von rechts) und IHK-Standortleiter Sven Wolf (2. von links). Foto: Betz/IHK Nord Westfalen

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Über neue Technologien und Geschäftsmodelle für eine ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Wirtschaft informierte sich IHK-Chef Jaeckel bei Betriebsbesuchen beim Maschinenbauer Spaleck und beim Antriebshersteller Flender. Für ihn stehe außer Zweifel, dass „die regionale Wirtschaft hinter ihren umfassenden Nachhaltigkeitszielen steht“, wie es einer Mitteilung heißt. In der aktuell schwachen Konjunkturlage zeige sich jedoch, dass die ökologische Nachhaltigkeit nicht losgelöst von der ökonomischen gesehen werden könne. „Nur eine international wettbewerbsfähige Wirtschaft kann der Ökologie hierzulande zu einem durchschlagenden Erfolg verhelfen“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer. 

Diese Wettbewerbsfähigkeit sieht Jaeckel gefährdet. „Die Welle von neuen Pflichten, die auf die Unternehmen zurollen, sind das bürokratische Resultat von politischen Mehrheitsentscheidungen, die vor einigen Jahren getroffen worden sind, als die wirtschaftliche Situation noch eine völlig andere war“, erläuterte er und nannte als Beispiel den „unverhältnismäßig hohen Bürokratie- und Dokumentationsaufwand“ rund um die Sustainable Finance-Regelungen auf EU-Ebene. Jaeckel: „Die geplanten Berichts- und Offenlegungspflichten sowie die Praxisferne der Regelungen nehmen den Unternehmen die Luft zum Atmen.“ 

Unternehmer wünschen sich Vertrauen

Das bestätigte auch Spaleck-Geschäftsführer Sühling: „Die hohen bürokratischen Anforderungen erhöhen die Komplexität der Berichterstattung und können insbesondere kleine Unternehmen schnell überfordern. Obwohl die Wirtschaft sich längst zur nachhaltigen Transformation bekannt hat, erzeugt man so Widerstände anstelle einer dringend notwendigen Aufbruchsstimmung, die wir für mehr Tempo brauchen.“ Sühling wünschte sich mehr Vertrauen in die Innovations- und Gestaltungskraft der Industrie: „Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, dann sollte man den Markt und die Industrie mal machen lassen.“ 

Auch Andreas Evertz, Chief Executive Officer bei Flender, kritisierte den „unverhältnismäßig hohen Bürokratie- und Dokumentationsaufwand, der aus der Komplexität und Praxisferne vieler Regelungen resultiert“. Die Politik sieht er zudem in der Pflicht, für tragbare Rahmenbedingungen in Deutschland und somit Wettbewerbsfähigkeit im globalen Vergleich zu sorgen. Dazu gehörten neben den Energiepreisen auch die Materialverfügbarkeit zu angemessen Preisen und verträgliche Steuerbelastungen. Sie seien die Voraussetzung für die Industrie, wettbewerbsfähig und nachhaltig am Standort Deutschland produzieren zu können. Nur dann könne auch Flender auf Dauer seine Aufgabe als „wichtiger Treiber der Energiewende“ erfüllen. Das Unternehmen produziert Antriebstechnik für Windenergieanlagen und viele weitere Industriebranchen. Darunter auch Antriebe für die Herstellung von Rohstoffen und Teilen, die für Windenergieanlagen benötigt werden. 

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