Kreis Borken

„Beeindruckendes Durchhaltevermögen“

Borken – Über 100 Veranstaltungen, etwa 1.500 Beratungsgespräche mit Unternehmerinnen und Unternehmern im Kreis Borken – die Unterstützung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Borken (WFG) war im vergangenen Geschäftsjahr erneut stark nachgefragt. Mit verschiedenen Angeboten hat das WFG-Team die Unternehmen angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine und der steigenden Energiekosten beraten. Für die insgesamt sieben Geschäftsfelder stellte die WFG jetzt ihren Geschäftsbericht bei Börger in Borken-Weseke vor.

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„Der Kreis ist gut durch die vergangenen Krisen gekommen, aber die Situation in der Bauwirtschaft bereitet uns aktuell Magengrummeln. Die Branche hat uns in schweren Zeiten bislang immer gut über Wasser gehalten. Aber die allgemeine Entwicklung macht auch vor uns nicht halt“, erklärte Landrat und WFG-Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Kai Zwicker angesichts steigender Materialkosten und Auftragsrückgängen in der Baubranche. Er betonte aber auch: „Der Arbeitsmarkt zeigt sich sehr robust: Der Kreis Borken ist immer noch eine Region der Vollbeschäftigung. Ich bin zuversichtlich, dass die Unternehmen im Kreis Borken auch diese Zeit gut managen werden.“

Die Resilienz der Wirtschaft im Kreis unterstrich auch WFG-Geschäftsführer Dr. Daniel Schultewolter: „Wie in den vorangegangenen Krisen der vergangenen Jahre bewiesen die Unternehmen auch 2022 ein beeindruckendes Durchhaltevermögen. Aus Problemstellungen wurden schnell Lösungsansätze entwickelt und erfolgreich umgesetzt. Bei vielen zentralen Herausforderungen konnte die WFG die regionale Wirtschaft mit ihrem abgestimmten Angebot unterstützen.“ 

Gründungsberatung: 43 Prozent Frauen
Ob über Beratungen, Veranstaltungen, mit Förderprojekten, Informationen oder über den persönlichen Kontakt – die WFG hat die Unternehmen 2022 auf vielen Wegen erreicht. Einen Schwerpunkt bildete dabei die Gründungsberatung. Allein 360 der insgesamt 1.500 Beratungsgespräche waren Gründungsberatungen. Der Anteil der beratenen Frauen lag bei 43 Prozent und damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von rund 30 Prozent, wie die WFG mitteilte. Rund ein Drittel plante zunächst, ein Nebengewerbe zu gründen. „Die Gründerszene im Kreis Borken ist lebendig. Das lässt uns zuversichtlich in die Zukunft schauen, denn Gründende bringen neue Ideen voran und sind wie eine Frischenzellenkur für den Standort“, betonte Schultewolter. Neben rund 25 Workshops im Rahmen der Reihe „Starten im Kreis Borken“ hatten Gründerinnen und Gründer im vergangenen Jahr immer wieder Gelegenheit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, zum Beispiel beim Speeddating-Abend mit Vorbildunternehmerinnen in Bocholt, organisiert mit dem Verband deutscher Unternehmerinnen, den Unternehmerfrauen im Handwerk sowie dem Netzwerk Frau & Beruf Westmünsterland. Auf große Resonanz stieß auch das Sommerevent für Gründende.

Betriebsberatung: mehr Förderdarlehen gefragt
Im Geschäftsfeld „Betriebsberatung“ standen Fördermöglichkeiten für Klimaschutz, Digitalisierung oder Fachkräftemangel im Fokus. Auch Förderdarlehen oder anderweitige Unterstützungen spielten eine Rolle: Aufgrund des gestiegenen Zinsniveaus sind nach Angaben der WFG im Berichtsjahr 2022 deutlich mehr Förderdarlehen nachgefragt worden. Ein Projekt aus der Betriebsberatung ist „Ökoprofit“, bei dem im vergangenen Jahr neun Unternehmen aus dem Kreis für ihre Klima- und Umweltschutzaktivitäten ausgezeichnet wurden. Erstmalig hat die WFG auch ein Ökoprofit-Mikro-Projekt für Kleinstunternehmen aus dem holzverarbeitenden Handwerk gestartet.

Innovationsberatung: PdM-Stammtisch gebildet
Das Team der Innovationsberatung führte rund 250 Gespräche mit Unternehmerinnen und Unternehmern im Kreis Borken, um diese bei der Entwicklung von Innovationen und bei der Beantragung von Fördermitteln zu unterstützen. Auch mit Veranstaltungen unterstützte die WFG zum Thema Innovationen: zum Beispiel mit dem „Dialog Innovation“ in Kooperation mit der Sparkasse Westmünsterland oder dem Tech Camp. Auch die Netzwerkarbeit intensivierte die WFG in diesem Bereich: Aus dem „Innovationsforum PdM@KMU“ hat sich ein Stammtisch gebildet. 

Im Fokus des H2 Netzwerk Westmünsterland, das die WFG gemeinsam mit der wfc Wirtschaftsförderung Kreis Coesfeld organisiert, steht der offene Austausch rund um das Thema Wasserstoff. Im vergangenen Jahr abgeschlossen wurde das Projekt „Enabling Networks Münsterland“, eine regionale Verbundinitiative der Wirtschaftsförderungen der Kreise im Münsterland, Münsterland e.V. und den Kammern. Ziel war es, Unternehmen und Hochschulen im Münsterland zu unterstützen, Innovationen zu entwickeln, sie umzusetzen und die richtigen Partner für das Projekte zu finden. Im Kreis Borken haben insgesamt zehn Unternehmen an den Denkfabriken mitgearbeitet. Zudem fanden im Kreisgebiet sechs Veranstaltungen mit Unternehmen dazu statt.

Die WFG erhielt außerdem gemeinsam mit der Westfälischen Hochschule, der FH Münster, der Saxion Hogeschool und dem niederländischen Unternehmensverband VMO einen Förderzuschlag für das im Rahmen von Interreg „Deutschland-Nederland“ eingereichte Projekt „Smart Solution Labs“. Während der dreijährigen Projektlaufzeit bis März 2026 werden 120 Studierende grenzüberschreitend in 30 Projekten an Themenstellungen von 30 Unternehmen arbeiten.

Standortmarketing: siebte Runde „Made in Westmünsterland“
Die Kooperationssendung „Made in Westmünsterland“ ging 2022 mit zwei neuen Staffeln „on air“ und stellte 19 Hidden Champions vor. Mit Ende des siebten Staffeldurchlaufes im Dezember 2022 wurden insgesamt bereits 93 Unternehmen präsentiert. Im Berichtsjahr hat die WFG außerdem fünf neue Filme veröffentlicht: zu Digiscouts, Digitale Mint-Förderung, HandwerkMobil, Energie- und Ressourceneffizienz sowie Gründung. 2022 war die Kreiswirtschaftsförderung zudem Aussteller auf der Bocholter Gewerbeschau, der Ahauser Gewerbeschau und auf der Aufwind in Vreden. 

Breitbandinfrastruktur: 80 Millionen Euro für „Graue Flecken“
Die WFG hat 2022 gemeinsam mit den kreisangehörigen Kommunen und der Kreisverwaltung den Breitbandausbau im Kreis Borken weiter vorangetrieben. 80 Millionen Euro Fördermittel wurden im Rahmen des „Graue Flecken Förderprogramms“ für den Lückenschluss in der Glasfaserversorgung bewilligt. Rund 2.500 unterversorgte Haushalte und Betriebe sollen dadurch einen Glasfaseranschluss bekommen. Im zweiten Quartal 2024 sollen die ersten Bauarbeiten dafür starten. „Das ist ein großer, wichtiger Schritt für den Kreis Borken auf dem Weg zur flächendeckenden Breitbandversorgung“, betonte Schultewolter. Außerdem startet im vergangenen Jahr der weitere Glasfaserausbau in Isselburg und es erfolgte der Spatenstich für die „Weißen Flecken“-Projekte in Stadtlohn, Südlohn und Vreden.  

Fachkräftesicherung: HandwerkMobil eingeweiht
Auch im Bereich „Fachkräftesicherung“ organisierte die WFG 2022 verschiedene Veranstaltungen, unter anderem den „Dialog Fachkräftesicherung“ oder gemeinsam mit der wfc, der Agentur für Arbeit und der Regionalagentur Münsterland die vierte Auflage der Best-Practice-Reihe „einfach machen“, bei der gute Beispiele zum „Zukunftsfaktor Ausbildung“ gesammelt und geehrt wurden. Darüber hinaus hat die WFG mit der wfc, der Barmer, dem Caritasverband für den Kreis Coesfeld und der Deutschen Rentenversicherung Westfalen das Netzwerk GesundArbeiten ins Leben gerufen, mit dem Betriebe in den Kreisen Coesfeld und Borken beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement unterstützt werden sollen.

Auch bei der Nachwuchsförderung war die WFG 2022 aktiv, unter anderem mit Workshops aus dem „Haus der kleinen Forscher“, die die Kreiswirtschaftsförderung gemeinsam mit der VR-Bank Westmünsterland, der Volksbank Rhede und zahlreichen Unternehmen auf die Beine stellt. Damit werden pädagogische Fach- und Lehrkräfte fortgebildet, wie sich Naturwissenschaft, Mathematik und Technik noch besser in den Alltag mit Kindern einbinden lassen. 2022 hat die WFG außerdem das HandwerkMobil für Schülerinnen und Schüler der Klassen fünf bis sieben im Kreis Borken eingeweiht. Mit der mobilen Lernwerkstatt können sie typische Tätigkeiten in handwerklichen Berufen kennenlernen. Im vergangenen Jahr fand zudem die dritte kreisweite „Nacht der Ausbildung“ mit 420 Unternehmen, die mehr als 190 verschiedene Ausbildungsberufe in ihren Betrieben vorstellten, statt. Alle 17 Kommunen des Kreises Borken beteiligten sich erneut an der Initiative. „Die Nacht der Ausbildung ist ein absolutes Erfolgsmodell“, betonte Schultewolter.

Digitalisierung: Projekt Digiscouts® gestartet
IT-Sicherheit, die digitale Kompetenzentwicklung und das Thema Smart City waren neben der Unternehmensberatung und Veranstaltungen Schwerpunkte in Bereich Digitalisierung. Die Information und individuelle Beratung zu Förderprogrammen nutzten die Unternehmen im vergangenen Jahr vielfach. Im Investitionsförderprogramm MID-Invest haben über 130 Unternehmen aus dem Kreis Borken erfolgreich einen Antrag gestellt.  

In Kooperation mit dem RKW-Kompetenzzentrum sowie dem Mittelstand-Digital Zentrum Ruhr-OWL hat die WFG 2022 zwei Projekte umgesetzt, mit denen Mitarbeitende für den digitalen Wandel fit gemacht werden sollen: Im vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte und vom RKW Kompetenzzentrum initiierten Projekt Digiscouts® sollen Azubis in ihrem Unternehmen Digitalisierungspotenziale aufdecken. Im Frühjahr 2022 wurde die erste Staffel in den Kreisen Borken und Coesfeld erfolgreich abgeschlossen. Zur zweiten Staffel von Digiscouts® haben sich 13 Unternehmen aus dem Kreis Borken angemeldet. Bei der Weiterbildungsreihe „Digital Maker“ haben 15 Mitarbeitende aus regionalen Unternehmen in sechs jeweils dreistündigen Workshops zu den Themen „Industrie 4.0“, „Prozessmodellierung“, „Change 4.0“, „Datenanalysen/Künstliche Intelligenz im Unternehmen“, „Agile Methoden“ sowie in einem Workshop mit eigenen Digitalisierungsideen einen Einblick in die Digitalisierung erhalten.

Ausblick
Auf die kommenden Monate blickte WFG-Geschäftsführer Schultewolter optimistisch: „Wir gehen davon aus, dass es in der zweiten Jahreshälfte 2024 spürbar bergaufgehen wird. Bei der Entwicklung der Inflationsrate lässt sich schon jetzt eine Beruhigung feststellen. Ein langfristiges Problem wird aber der Fachkräftemangel bleiben.“ Daher will die WFG die Fachkräftesicherung künftig noch stärker in den Fokus rücken: mit einem Fünf-Säulen-Modell. Das besteht aus: der Nachwuchsförderung und Berufsorientierung insbesondere im Mint- und Handwerks-Bereich (Forschermühle, Forschermobil, HandwerkMobil), dem Unternehmensservice mit verschiedenen Informationen wie etwa zu guter Personalarbeit oder zur Gesundheitsförderung, der Förderung qualifizierter Zuwanderung und Unterstützung beim Onboarding in Zusammenarbeit mit dem Münsterland e.V. und Arbeitsagentur, dem Standortmarketing, um den Kreis Borken als starken Wirtschaftsstandort bekannter zu machen, sowie der Förderung von Digitalisierungs- und Automatisierungsprojekten, wie zum Beispiel in Kooperation mit der Westfälischen Hochschule. Gemeinsam erarbeiten die WFG und die Hochschule ein Audit, das aufzeigen soll, wie kleine Unternehmen ihre Arbeitsprozesse digitalisieren und damit trotz Fachkräftemangel ihre Produktivität erhalten können.

Gedanken zu Fachkräftesicherung hat sich auch das gastgebende Unternehmen Börger gemacht. Vor wenigen Wochen hat das Unternehmen, das schwerpunktmäßig Drehkolbenpumpen herstellt, eine Mensa – die „Börgeria“ – eröffnet. Dort können alle 275 Mitarbeitende am Standort in Weseke Essen bestellen oder ihre eigenen Speisen in der Mensa verzehren. „Wir freuen uns über das positive Feedback unseres Teams. Die Börgeria wird schon sehr gut angenommen“, erklärte Geschäftsführerin Anne Börger-Olthoff.

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