Agravis: preisbedingter Umsatzsprung von 14 Prozent

Münster
Stellen die Bilanz von Agravis für 2021 vor: Hermann Hesseler (Finanzvorstand), Dr. Dirk Köckler (Vorstandsvorsitzender) und Jörg Sudhoff (Vorstand). | Foto: Agravis

Münster – Die Agravis Raiffeisen AG hat das vergangene Geschäftsjahr mit einem deutlichen Umsatzsprung von 14 Prozent auf 7,3 Milliarden Euro (Vorjahr: 6,4 Milliarden Euro) – und damit mit einer Milliarde mehr als angepeilt – abgeschlossen. Das Agrarhandelsunternehmen aus Münster erzielte 2021 ein Ergebnis vor Steuern von 33,2 Millionen Euro (Vorjahr: 30,5 Millionen Euro). Finanzvorstand Hermann Hesseler führte die „respektablen“ Ergebnisse vor allem auf deutliche Preissteigerungen zurück. Gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Dirk Köckler und Vorstandskollege Jörg Sudhoff stellte er die Zahlen bei einer digitalen Pressekonferenz vor.

„Der Getreidepreis für Weizen lag schon 2021 auf einem hohen Niveau mit 200 Euro pro Tonne und ging zeitweise bis auf 300 Euro hoch. Durch den fürchterlichen Krieg in der Ukraine ist dieser aktuell bis auf 420 Euro gestiegen“, erklärte Hesseler. Beim Düngerpreis war die Entwicklung im Verhältnis sogar noch drastischer: Der Preis für Mineraldünger habe sich als Folge der Preissteigerungen bei Erdgas im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht, aktuell sogar verfünffacht. „Überall in unseren Geschäftsbereichen sind diese Preissteigerungen spürbar, die sich dann natürlich im Markt widerspiegeln müssen“, erklärte Hesseler, der daher für das laufende Geschäftsjahr auch mit höheren Verbraucherpreisen rechnet. 

Die fünf Geschäftsbereiche

Die fünf Agravis-Sparten entwickelten sich 2021 vor diesem Hintergrund fast durchweg positiv: Im Bereich „Großhandel“ (Pflanzenschutz, Düngemittel, Saatgut, Agrarerzeugnisse, Mischfutter, Spezialfutter, Futtermittel-Spezialprodukte und Tiergesundheit) erzielte das Unternehmen ein deutliches Umsatzplus von 14,6 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,4 Milliarden Euro). Hintergrund war neben dem generellen Preisanstieg für Dünger unter anderem die starke Nachfrage an Pflanzenschutzmitteln. „Die Witterungsbedingungen und die sich daraus ergebende Infektionslage erforderten einen höheren Einsatz von Wachstumsreglern und Fungiziden“, erläuterte Hesseler. Beim Mischfutter für Rinder, Schweine und Geflügel blieb die Jahrestonnage mit insgesamt 4,8 Millionen konstant. Beim Spezialfutter stieg vor allem die Nachfrage für Pferdefutter und auch im Heimtiermarkt verzeichnete Agravis einen höheren Absatz, unter anderem infolge des „Cocooning“-Effekts durch Corona. 

Ein zweistelliges Plus erzielte das Unternehmen auch im Geschäftsbereich „Energie“: Preisbedingt ist der Umsatz im vergangenen Jahr von 842 Millionen Euro auf 988 Millionen Euro angestiegen. Das entspricht einem Zuwachs von 17,3 Prozent. „Bei den Brenn- und Kraftstoffen fehlten jedoch vor allem in den ersten Monaten des Geschäftsjahres aufgrund des Lockdowns, der CO2-Bepreisung und der Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung gegenüber dem Vorjahr Absatzmengen, die wir aber im weiteren Jahresverlauf in Teilen wieder kompensieren konnten“, ergänzte Hesseler.

Die Sparte „Agrar Landwirtschaft“, die die Geschäfte der Agravis Ost-Gesellschaften sowie der regionalen Agrarzentren im Arbeitsgebiet Mitte-West zusammenfasst, verzeichnete im Direktgeschäft mit den Landwirten in der Summe einen Jahresumsatz von knapp 2,2 Milliarden Euro und damit ebenfalls einen deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr (1,8 Milliarden Euro).

Im Geschäftsbereich „Technik“ bleib der Umsatz nahezu auf Vorjahresniveau: 987 Millionen Euro im Vergleich zu 989 Millionen Euro 2020. Den leichten Rückgang um 0,2 Prozent begründete Agravis mit Änderungen in der Umsatzsteuergesetzgebung. „Insbesondere die Vermarktung der Gebrauchtmaschinen erreichte im Jahr 2021 ein sehr hohes Niveau. Auch die Werkstattauslastung war weiterhin sehr hoch. Im Neumaschinengeschäft waren hingegen erhebliche Lieferschwierigkeiten zu erkennen“, betonte Finanzvorstand Hesseler.

Im Segment „Märkte“ setzte Agravis seinen Wachstumskurs trotz Engpässen bei der Warenversorgung fort. Der Umsatz erhöhte sich um 1,5 Prozent auf 336 Millionen Euro (Vorjahr: 331 Millionen Euro). Haupttreiber waren der Großhandel sowie das Endkundengeschäft in den Raiffeisenmärkten und im Onlineshop raiffeisenmarkt.de.

Eigenkapitalquote verringert

Neben dem Umsatz steigerte der Konzern im vergangenen Jahr auch das Eigenkapital: von 578 Millionen Euro auf 594 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote hat sich allerdings verringert – auf 27,1 Prozent (Vorjahr 29,6 Prozent). „Das hat einen einfachen Grund, denn auch unsere Bilanzsumme ist durch Vorräte und Forderungen gewachsen. In der aktuellen Situation ist die angemessene Bevorratung für uns deshalb kein Nachteil – und so ordnen wir auch die Eigenkapitalquote von über 27 Prozent realistisch ein“, stellte der Finanzvorstand klar.

Geld ausgegeben hat Agravis im vergangenen Jahr auch wieder: 53,6 Millionen Euro hat das Unternehmen in die Hand genommen, um damit vor allem die digitale Infrastruktur aufzurüsten. Nur ein kleiner Teile sei in Steine und Beton geflossen. 

Ausblick auf 2022

Für 2022 geht der Vorstand – vor allem im ersten Halbjahr – „von einem weiter hohen Preisniveau aus. Wir haben das Geschäftsjahr deshalb konservativ realistisch geplant“, kündigte Hesseler an. Beim Umsatz rechnete er mit 6,8 Milliarden Euro und beim Ergebnis vor Steuern mit 31,1 Millionen Euro. Das Eigenkapital soll sich auf 613 Millionen Euro belaufen.

Stark steigende Preise, knappe Kapazitäten und volatile Marktverläufe machen die aktuelle Situation aus Sicht von Vorstandssprecher Dr. Dirk Köckler „maximal herausfordernd“. Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine betonte er aber: „Aufgrund abgeschlossener Kontrakte und Vorverkäufe mit der Industrie und der Landwirtschaft ist die Versorgung mit Betriebsmitteln – also Düngemitteln, Pflanzenschutz, Getreide und Raps – bis zur nächsten Ernte sichergestellt.“ Trotzdem müsse man sich auch auf Zeiten des Mangels einstellen.

Um der Preisentwicklung, den fragile Lieferketten und den anhaltend hohen Frachtkosten zu begegnen, will Agravis im laufenden Jahr weiter Strukturen und Prozesse im Sinne der genossenschaftlichen Zusammenarbeit straffen. Ein Beispiel sei dafür ein Distributionszentrum, das in Nottuln entstehen soll. „Wir erhoffen wir uns in diesem Jahr deutliche Fortschritte beim Planungsrecht. Nottuln ist ein wesentlicher Baustein in dem ressourcenschonenden und effizienten Logistikkonzept, das wir gern im genossenschaftlichen Verbund weiter vorantreiben möchten“, betonte Köckler. Das Logistikzentrum soll das aktuell an den Kapazitätsgrenzen arbeitende Distributionszentrum der Agravis im Gewerbepark Münster-Loddenheide ablösen und vorwiegend Waren für Raiffeisen-Märkte vorhalten. Im Herbst 2022 will das Unternehmen außerdem eine Stückgut-Halle in Cloppenburg in Betrieb nehmen, die Agravis gemeinsam mit der Genossenschaft GS agri betreiben wird. 2022 sollen außerdem acht neue Raiffeisen-Märkte eröffnen.

Feldroboter getestet

Im laufenden Geschäftsjahr sollen zudem zwei Feldroboter auf den Markt kommen, die Agravis in den vergangenen Monaten getestet hat: eine Maschine für die Aussaat und das mechanische Unkrauthacken sowie eine Spotspraying-Anbaufeldspritze, die mithilfe einer Kamera Unkräuter von Nutzpflanzen unterscheiden und entsprechend besprühen kann. Dadurch ergebe sich ein Einsparpotenzial beim Pflanzenschutzmittel von bis zu 90 Prozent. „Feldroboter leisten wesentlich mehr als nur Arbeitszeit und -kräfte einzusparen. Sie helfen Landwirtinnen und Landwirten dabei, Betriebsmittel sparsam und punktgenau einzusetzen, Umwelt und Ressourcen zu schonen und nachhaltig zu wirtschaften“, erklärte Vorstandsmitglied Jörg Sudhoff.

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