Landkreis Osnabrück

Rosengarten: „Wir sind Pionier in unserer Branche“

Badbergen - Wie sich das Tierbestattungsunternehmen Rosengarten aus Badbergen in den vergangenen 20 Jahren entwickelt hat und welche Potenziale er für das Unternehmen sieht, erklärt Geschäftsführer Arndt Nietfeld im Interview.

Arndt Nietfeld, Geschäftsführer Rosengarten | Foto: Tobias Schwertmann

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Herr Nietfeld, im vergangenen Jahr haben Sie ein Pferdekrematorium in Badbergen eröffnet. Wie ist das bislang angekommen?
Wir bekommen sehr gutes Feedback! Das erste Jahr war sehr spannend und wir durften schon viele Pferdehalter begleiten. Das, was wir zuvor mit Blatt und Stift geplant haben, ist letztendlich auch so eingetroffen. Der Schritt zum Pferdekrematorium war für uns eine große bürokratische und logistische Herausforderung, weil ein Pferd eben nicht wie eine Katze nur drei oder vier Kilo wiegt, sondern bis zu 800 Kilogramm schwer sein kann. Dementsprechend ist der gesamte Prozess im Krematorium aufwendiger. Unser Leitmotiv ist dabei immer, dass alle Prozesse von der Abholung des Tieres bis zur Einäscherung so pietätvoll wie möglich sein sollen und der Tierhalter alle Schritte mitverfolgen kann. Das klappt bislang sehr gut. Darüber freue ich mich, vor allem weil wir in diesem Bereich noch ganz am Anfang stehen. Viele Menschen haben noch gar nicht mitbekommen, dass die Pferdebestattung, die in Deutschland bis 2017 noch verboten war, nun gesetzlich erlaubt ist und es dafür Anbieter in Deutschland gibt. Insofern werden wir auch in den nächsten Jahren noch jede Menge Öffentlichkeitsarbeit betreiben müssen. 

Was hat Sie ermutigt, diesen Schritt zu gehen – trotz des bis dahin noch jungen Marktes?
Die Gesetzesänderung war der entscheidende Punkt, der uns den Schub gegeben hat, die Planungen für ein Pferdekrematrium auf den Weg zu bringen. Darüber hinaus gehörte aber auch eine große Portion Mut – und vielleicht auch leichter unternehmerischer Wahnsinn – dazu. Denn bevor wir anfingen, war keineswegs sicher, dass wir mit dem Ansatz Erfolg haben würden. Zwar gibt es über eine Million Privathaushalte, die ein Pferd besitzen, aber davon entscheidet sich eben nur ein Bruchteil für eine Pferdeeinäscherung. Diese Verhältnisse sind mit dem Heimtierbereich mit 30 Millionen Kleintierhalten, in dem wir schon seit 20 Jahren Fuß gefasst haben, nicht zu vergleichen. Und dennoch hat das Pferd mittlerweile einen anderen Stellenwert: Es ist ein Familienmitglied, das häufig 25 Jahre Teil des Lebens ist und das die Besitzer entsprechend würdig verabschieden möchten. Es ist für uns ein harter Weg, den wir sicherlich auch deshalb bislang so erfolgreich gehen konnten, weil wir durch die Kleintierkrematorien über entsprechende Vorkenntnisse, Infrastruktur und Wirtschaftlichkeit verfügen. Als völliger Newcomer in dieser Branche wäre ein solches Investment sicherlich nicht möglich gewesen – vor allem nicht angesichts der Energiekrise.

Energiekrise ist ein gutes Stichwort. Für eine Einäscherung brauchen Sie jede Menge Energie …
… ja! Das war auch einer der drei wichtigen Parameter für uns, als wir das Projekt Pferdekrematorium angegangen sind. Wir arbeiten bei der Verbrennung mit Erdgas, daher haben wir in eine Ofenanlage investiert, die sehr hohen Ansprüchen in puncto Energieverbrauch und Filtertechnik entspricht. Diesen hohen Standard erfüllen übrigens alle Tierkrematorien, die wir betreiben – auch diejenigen in den Ländern, die weitaus weniger strenge Vorgaben in Sachen Emissionen machen. Ein weiterer Punkt, der uns bei der Planung wichtig war, ist, dass die Anlage neben all der Effizienz vor allem schnell arbeitet. Eine Einäscherung sollte nicht acht, sondern maximal drei bis vier Stunden dauern, damit Tierhalter die Möglichkeit erhalten, die Asche ihres geliebten Pferdes noch am selben Tag mit nach Hause zu nehmen. 

Die Rosengarten GmbH ist in diesem Jahr 20 Jahre alt geworden. Lassen uns doch mal auf die bisherige Zeit zurückschauen: Was waren bislang die wichtigsten Meilensteine in der Unternehmenshistorie?
Den ersten großen Meilenstein haben wir gesetzt, als die Entscheidung fiel, weitere Filialen der Rosengarten-Tierbestattung bundesweit zu eröffnen. Wir wollten diese Dienstleistung auch in anderen Regionen anbieten. Die Idee, die Expansion über ein Franchise-System abzuwickeln, haben wir ebenfalls zwischenzeitlich getestet, aber dann nach einigen Jahren wieder verworfen. Es ist schwierig, so ein sensibles Thema wie die Tierbestattung in fremde Hände zu geben. Daher haben wir uns dazu entschieden, Standorte nur mit unseren eigenen Rosengarten-Mitarbeitenden zu besetzen und die Prozesse selbst in der Hand zu behalten. In den vergangenen 20 Jahren haben wir uns kontinuierlich weiterentwickelt, weitere Standorte eröffnet, bestehende Niederlassungen ausgebaut und modernisiert sowie Mitbewerber übernommen. Auch die ISO-Zertifizierung 9001, die wir 2010 zum ersten Mal bekommen haben, hat uns Schub gegeben, da sie die Qualität unserer Arbeit bescheinigt. Auch unser digitales Trauerportal, das wir 2016 eingerichtet haben, war ein wichtiger Schritt. Damit haben wir eine Plattform für die trauernden Tierhalter geschaffen, die rund um die Uhr erreichbar ist und auf der sie ihre persönlichen Worte hinterlassen sowie anderen Tierhaltern in dieser schweren Zeit helfen können. 

Was unterscheidet Rosengarten heute vom Start-up damals 2002?
Wir sind heute deutlich professi­oneller aufgestellt als zu Beginn – sowohl vor Ort als auch digital. Als ich vor elf Jahren in das Unternehmen meiner Eltern eingestiegen bin, hatten wir 45 Mitarbeitende. Heute sind es 450! Wir sind also kontinuierlich gewachsen und haben unsere Prozesse ständig optimiert, sodass wir uns heute mit einem ganzheitlichen Ansatz von Marktbegleitern abheben können. Insofern können wir mit Fug und Recht behaupten, dass wir Pionier in unserer Branche sind. 

Aktuell eröffnen Sie auch in der Schweiz ein erstes Tierkrematorium. Im vergangenen Jahr haben Sie außerdem einen Standort in Polen gegründet. Wie viel Potenzial sehen Sie noch im Ausland?
Viel! Theoretisch ist jedes Land, in denen Tiere zur Familie gehören und kulturell einen entsprechenden Stellenwert haben, ein Markt für uns. Es gibt allerdings unterschiedlich strenge Gesetzesauflagen. In Deutschland sind die Auflagen für die Genehmigung von Krematorien und die Luftreinhaltung sehr hoch. Wir haben uns dazu entschlossen, auch in anderen Ländern grundsätzlich nach diesem Standard zu bauen, sodass wir den bestmöglichen Umweltschutz gewährleisten können. 

Wo sehen Sie Rosengarten in zehn Jahren?
Mit Rosengarten möchte ich die Tierbestattung für jeden als Dienstleistung nutzbar machen. Das heißt, wir werden unser Portfolio und unser Standortnetz, zu dem über 50 Filialen und sieben Tierkrematorien gehören, weiter ausbauen, um flächendeckend präsent zu sein. Darüber hinaus würde es mich freuen, wenn das Unternehmen in Familienhand bleibt. Natürlich haben meine Kinder alle Entscheidungsfreiheiten, aber es wäre einfach ein gutes Gefühl, wenn die Familientradition weitergelebt wird.

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