
„Konservativ heißt nicht reaktionär. Ein konservativer Mensch ändert nur das, was geändert werden muss. Die guten Dinge behält er bei. Und genau das ist es, was schließlich zum Erfolg führt, in der Politik und in der Wirtschaft“, stellte Schulhoff klar. Für ihn selbst bedeutet das, dass er mitunter auch gegen den Strom in seiner Partei schwimmt. Zum Beispiel, wenn er schon heute den CSU-Mann Karl-Theodor zu Guttenberg als „optimalen Nachfolger“ für die Kanzlerin lobt. „Das gäbe uns sicher den Obama-Kick“, prognostizierte Schulhoff.
Aber nicht nur bei den Politikern legte „die Stimme des Handwerks“ den Finger in die Wunde. Auch von Unternehmern forderte Schulhoff, der selbst Unternehmer ist, mehr Rückgrat. „Sie müssen, anders als wir es in der Krise zu oft erlebt haben, Verantwortung für ihr Handeln übernehmen und für ihre Fehler geradestehen“, mahnte der 70-Jährige. In den kleinen mittelständischen Betrieben sei das aus seiner Sicht allerdings oft bereits der Fall. Dort kenne der Geschäftsführer seine Mitarbeiter oftmals noch persönlich. „So wächst eine Art Familienstruktur heran. Mitarbeiter sind stärker eingebunden und so haben gerade viele Handwerksbetriebe die Krisenzeiten gut überstanden“, betonte Schulhoff. Diese Transparenz und Selbstdisziplin müsste aber auch in großen Dax-Unternehmen gesichert sein. „Die Krise hat gezeigt, dass das nicht überall der Fall war“, kritisierte er.
Aus seiner Sicht ist das auch ein Grund für die allgemeine Proteststimmung im Land. Früher seien die Menschen zufrieden gewesen, wenn es der Wirtschaft gut ging. Heute sei das nicht mehr der Fall. „Wir haben erlebt, dass der kleine Mann in Krisenzeiten um seinen Arbeitsplatz bangen musste, während Manager, die nachweislich Fehler gemacht haben, satte Boni eingestrichen haben. Das sind Entwicklungen, in denen sich die breite Masse nicht wiederfindet. Natürlich soll es Boni geben, aber eben nur für tatsächlich erbrachte Leistungen“, unterstrich Schulhoff.
Grundsätzlich habe das Gros der Unternehmen die Krise allerdings hervorragend gemeistert. Dennoch „fehlt es der Gesellschaft an Vorbildern, die das, was sie sagen, auch leben“, machte Schulhoff klar. Dafür benötige man einen Kompass, eine genaue Vorstellung, wohin der Weg gehen soll. Das komme dann auch in der Bevölkerung an. „Helmut Kohl hatte diesen Kompass. Er hat sich konsequent für die Wiedervereinigung Deutschlands und für ein gemeinsames Europa eingesetzt. Seinen Zehn-Punkte-Plan zog er am Auswärtigen Amt vorbei unbeirrt durch. Ich bedauere sehr, dass Kohl keinen Friedensnobelpreis bekommen hat“, erklärte Schulhoff, der auch in der anschließenden Fragerunde keine Antwort schuldig blieb.
Nach dem offiziellen Teil ging es dann für viele der Gäste beim Essen in der Tobit-Lounge weiter. Viele nutzten die Chance, um mit dem Referenten oder den Veranstaltern ins Gespräch zu kommen. „Ich freue mich, dass wir die gesteckten Ziele mit dieser Veranstaltung voll und ganz erreicht, wenn nicht übertroffen haben. Unser Konzept ist voll aufgegangen: Wir wollten einen hochkarätigen Gast, der ein oder mehrere Themen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, und das möglichst meinungsfreudig. Professor Schulhoff hat genau das geliefert. Dass wir dann noch mit der Location bei Tobit das große Los gezogen haben, davon haben sich wohl alle Gäste überzeugen können: absolut hochwertig, und nicht nur in den Augen Schulhoffs echte Werbung für den Standort Münsterland“, freute sich Christoph Almering, Redaktionsleiter von Wirtschaft aktuell, im Anschluss.
Info:
„Wirtschaft trifft Schulhoff“ war Auftakt für eine Veranstaltungsreihe, die künftig zweimal im Jahr stattfinden soll. Unter dem Motto „Wirtschaft trifft …“ beziehen dabei prominente Experten zu aktuellen Themen Stellung und die Gäste bekommen die Möglichkeit zum Netzwerken.
Mehr Fotos von „Wirtschaft trifft Schulhoff“ gibt es auch in der nächsten Printausgabe von Wirtschaft aktuell.