June 19, 2013

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Aufarbeitung der Krise benötigt mehr Zeit

Die Börse in der 4. und 5. Kalenderwoche

Stadtlohn - Wöchentlich im Wechsel beobachten Experten der National-Bank, der VR Bank Westmünsterland, der PSD Bank sowie der Sparkasse Westmünsterland die Börse für die Wirtschaft-aktuell-online-Leser. Diesmal nimmt Ekkehard Link, Leiter der Abteilung Handel der National-Bank, das Börsengeschehen unter die Lupe.

Aktienmarkt - Rückblick:
Während der vergangenen vierzehn Tage erlitten die Weltbörsen teils heftige Kursrückschläge, nachdem sie das Jahresende 2009 noch nahe ihrer bislang erzielten Höchststände beschlossen hatten. Auslöser des Geschehens finden sich zum einen in China, wo die Zentralbank eine unerwartete Verschärfung ihrer Geld- und Kreditpolitik einleitete, um dem stärker werdenden Inflationsdruck zu begegnen. Zum anderen erwuchs neue Unruhe ausgehend vom US amerikanischen Bankensektor, dem nach dem Willen der US Administration stärkere regulatorische Fesseln angepasst werden sollen. Sogar von Wiedereinführung des auf die 1930er Jahre zurückgehenden Trennbankensystems (Glass-Steagall-Act) ist die Rede. Deutet sich an den Börsen eine Kurskorrektur an oder droht eine neuerliche Baisse?

Aktienmarkt - Ausblick:
Im Mittel besteht die Erwartung, dass die G3 Volkswirtschaften ihre Rezession während des kommenden Jahres überwinden werden. Dabei fällt jedoch ein ausgesprochener Konjunkturoptimismus bezüglich der USA relativ zum Rest der (entwickelten) Welt ins Auge. Diese Diskrepanz erhöht sich mit Blick auf das Jahr 2011 noch weiter, wo für die USA mehrheitlich bereits jetzt ein Realwachstum  in Höhe von 3,0 Prozent angenommen wird. Allerdings entspricht es der empirischen Erfahrung, dass im Rahmen von Wachstumsschätzungen oft „der Wunsch der Vater des Gedankens ist“:  Insbesondere die „Aufarbeitung“ im Anschluss an krisenartige ökonomische Entwicklungen erfordert häufig mehr Zeit als ursprünglich vermutet. Somit könnten sich die verfügbaren Schätzwerte auch künftig als (abwärts-)revisionsbedürftig erweisen. Was die Schätzungen der zukünftigen Unternehmensgewinne anbelangt, so ist deren Entwicklung weit entfernt von der (die Aktienmarktbewertung entlastenden) Wirkung eines positiven Gewinnmomentums.

Der Vergleich der auf Basis der Unternehmensgewinnschätzungen für 2010 ermittelten Kurs-Gewinn-Verhältnisse mit ihrem jeweiligen Zehnjahresdurchschnitt als Referenzmaßstab zeigt, dass die analytische Bewertung der Aktienmärkte rund um den Globus knapp oberhalb dieses Zehnjahresdurchschnitts liegt. Das Ausmaß der Aufwärtsabweichung ist nicht dramatisch hoch wie zu Beginn des Jahrzehnts. Aber es wird ebenso offenbar, dass die Bewertung von Dividendentiteln keinen besonderen „Discount“ aufweist, der im Zuge einer zukünftigen schrittweisen Überwindung der Finanzmarktkrise und ihrer Folgen abgebaut werden könnte. Wenn nach den vorstehenden Betrachtungen weder Gewinnentwicklung (Schätzungen der Unternehmensgewinne) noch Marktbewertung (KGV) eines Aktienindex sonderlich steigerungsfähig erscheinen, dann lässt sich in fundamentalanalytischer Betrachtungsweise auch kein nennenswertes mittelfristiges Kurssteigerungspotenzial für die in diesem Aktienindex zusammengefassten Werte begründen.


Fazit:
Wir halten es für wahrscheinlich, dass die G3 Aktienindices während des laufenden Jahres keine nennenswerte Netto-Niveauveränderung relativ zum Jahresende 2009 verzeichnen, sondern sich überwiegend innerhalb der nachstehend genannten Zonen bewegen werden. Diese schätzen wir für den S&P500 Index mit ca. 850/ 1.200 Punkten, für den EURO STOXX 50 Index mit ca. 2.200/ 3.100 Punkten und für den DAX Index mit ca. 4.500/ 6.000 Punkten ein. In diesem herausfordernden Umfeld wird ein Anleger vor allem mit kürzerfristig orientierten Transaktionen („Trading“) oder durch das Ausnutzen von besonderen, von der allgemeinen Marktentwicklung weniger abhängigen Situationen einen Nutzen erzielen können.

Ekkehard D. Link, CFA
Ltr. Portfolio Management
National-Bank AG


Der aktuelle Blick auf die Kurse

Ekkehard Link, Leiter Abteilung Handel, National-Bank.

Der Börsenfachmann

"Mr. Dax" Ekkehard Link, Jahrgang 1962, absolvierte zunächst eine Banklehre bei der Bankgesellschaft Berlin sowie ein BWL-Studium an der Technischen Universität. Danach folgte eine dreijährige Ausbildung zum Finanzanalysten (CFA-Programm). Sieben Jahre lang war er Leiter der Abteilung Kapitalmärkte Research der National-Bank aus Essen, heute ist er Leiter Portfolio Management.

Fragen an den Experten? Schicken Sie einfach eine E-Mail an boerse@wirtschaft-aktuell.de

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Mittwoch, 27. Januar 2010
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