December 14, 2019

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Unbedingt lesenswert: „Die soziale Marktwirtschaft – made in Vreden“

Es ist ein ungewöhnliches Buch. Ungewöhnlich ist schon der Titel: Es geht vor allem um die kleingeschriebene Unterzeile „made in Vreden“. Was „Soziale Marktwirtschaft“ bedeutet, ist allgemein bekannt. Aber kaum jemand weiß, dass das Konzept dafür in dem kleinen Städtchen Vreden unmittelbar an der niederländischen Grenze entstanden ist.

Wer das Buch zu Hand nimmt, blickt auf das Foto eines Mannes in den besten Jahren, entspannt auf einer Bank in ländlicher Umgebung sitzend, den Blick in die Kamera gerichtet. Es handelt sich um Professor Dr. Alfred Müller-Armack, den „Erfinder“ des Konzeptes der sozialen Marktwirtschaft. Dass das Foto im Herz-Jesu-Kloster in Vreden-Ellewick aufgenommen wurde, erfährt man, wenn man das Buch aufschlägt.

Herausgeber dieses Werkes, in dem die Beiträge einer Tagung zu „70 Jahren Soziale Marktwirtschaft“ gebündelt sind, ist nicht etwa eine wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, sondern der Heimat- und Altertumsverein der Vredener Lande. Auch das gehört zu den Besonderheiten dieses Buches.

Die Inhalte des Buches wirken alles andere als ländlich abgeschieden oder provinziell. Es ist eine wahre Fundgrube an Informationen über die Entstehung des Konzeptes der sozialen Marktwirtschaft. Große Ideen haben ja bisweilen ganz pragmatische Entstehungsgeschichten. Das gilt auch für die soziale Marktwirtschaft. Alfred Müller-Armack ist der Vater des Konzeptes. Der Name ist außerhalb von Fachkreisen weitgehend unbekannt. Die Lorbeeren hat ein anderer geerntet, nämlich Ludwig Erhard, der damalige Bundeswirtschaftsminister. Müller-Armack blieb im Hintergrund, selbst als er in seinen späteren Jahren als Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium über politische Macht verfügte.

Geburtsort dieser Idee, der wir letztendlich unsere Wirtschaftsverfassung und das Gelingen des Wirtschaftswunders verdanken, war Vreden, eine Kleinstadt am Rande Deutschlands, kaum einen Steinwurf von der niederländischen Grenze entfernt. Geboren wurde die Idee in einem Kloster. Ob es die inspirierende Ruhe in der klösterlichen Abgeschiedenheit war, die Müller-Armack beflügelte, wer kann das heute beurteilen. Das Buch jedenfalls geht der Entstehungsgeschichte der sozialen Marktwirtschaft auf dem Grund – nicht nüchtern und abgehoben, sondern nah an der Person und auch durchaus emotional. Zu den Autoren gehören Zeitzeugen, die aus eigener Erfahrung berichten, und Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Wirtschaft, die ihre Sicht der Dinge darlegen. Auch örtliche Politiker und Geschichtskenner fügen ihre Erfahrungen hinzu. All das ergibt ein lebhaftes und buntes Bild von dem Umfeld, in dem die Idee entstanden ist.

„Jetzt hab ich’s. Soziale Marktwirtschaft soll es heißen. Sozial mit einem großen S!“ So wird die Geburtsstunde des Begriffes mit einem Ausruf von Alfred Müller-Armack auf dem Punkt gebracht. Selbst der Ort dieses Heureka-Momentes ist überliefert: Es war eine Treppe, die Müller-Armack hinunterstieg, als der Gedankenblitz hell aufleuchtete. Sogar diese Treppe ist fotografisch festgehalten.

Es geht in dem Buch nicht um die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Idee, sondern um die Umstände der Entstehung. Der Leser fühlt sich in die damalige Zeit hineinversetzt, zahlreiche Details machen ihn mit dem Protagonisten und seiner Gedankenwelt vertraut, und manches beschreibt auch die Persönlichkeit und die persönliche Lebenswelt des Professors: Allein schon der Hinweis, dass Müller-Armack nach der kriegsbedingten Auslagerung seiner Forschungsstelle von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster in das Kloster in Vreden-Ellewick in seinem Arbeitszimmer das Kreuz habe hängen lassen und nicht durch ein Bild des „Führers“ ausgetauscht habe, sagt viel mehr über die Persönlichkeit aus als manches wissenschaftliche Werk.

Das Buch ist es wert, nicht nur von einem Fachpublikum gelesen zu werden. Wissenschaftlich orientierte Nationalökonomen oder historisch bewusste Heimatfreunde werden ihre Freude daran haben, und auch diejenigen, die die Lebensumstände großer Momente gerne genauer unter die Lupe nehmen.

Anregungen gibt es auch für die heutige Zeit: Das Buch schlägt einen Bogen zu wichtigen Kennmarken der Zeitgeschichte wie etwa zum sogenannten Lambsdorff-Papier, das das Ende der sozialliberalen Regierung unter Helmut Schmidt im Jahre 1982 besiegelte, und selbst bis in die Zeit der deutschen Wiedervereinigung werden Verknüpfungen gezogen. Das Buch bietet Stoff in Hülle und Fülle für jeden, der die aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen in Europa und in der Welt mit offenen Augen betrachtet. Wer ein Geburtstagsgeschenk für Unternehmen, Wirtschaftsstudenten, Politiker, Verwaltungsbeamte oder wirtschaftlich interessierte Menschen sucht, kann mit diesem Buch nichts falsch machen. 
 

Das Buch kann beim Heimatverein Vreden, Kirchplatz 14, 48691 Vreden, info@heimatverein-vreden.de, zum Preis von 20 Euro (ISBN: 978- 3-926627-79-7) bestellt werden.

Von Dr. Heiner Kleinschneider Mittwoch, 19. Juni 2019
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